Autor Thema: Von Kasan nach Bergen-Belsen  (Gelesen 1470 mal)

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Offline Ulla

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Von Kasan nach Bergen-Belsen
« am: So, 22. März 2009, 19:44 »
Tamurbek Dawletschin:
Von Kasan nach Bergen-Elsen
Erinnerungen eines sowjetischen Kriegsgefangenen (=Bergen-Belsen Schriften; Bd.7)
Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht 2005, 232 S.
ISBN 978-3-525-35130-7,

( www.sehepunkte.de/2007/04/9755.html )

Aus dem Inhalt:

Dieses bemerkenswerte Buch erzählt ein Jahr aus dem Leben eines sowjetischen Kriegsgefangenen von Juni 1941 bis Juli 1942.
Er hatte das Glück, nicht das Los von 2 Millionen Mitgefangenen teilen zu müssen, die den Sommer 1942 nicht mehr erleben durften.
Erläutert werden die Erinnerungen durch ein lebendig geschriebenes Vorwort von Camilla Dawletschin-Lindner, der Tochter des Verfassers, und einem sachkundigen Nachwort von Rolf Keller, der den historischen Kontext erläutert.

Tamurbek Dawletschin wurde im Juni 1941 eingezogen, und im August geriet er, nachdem er bereits alle "Annehmlichkeiten" des Soldatenlebens in der Einkesselung am eigenen Leib erfahren hatte, in Gefangenschaft.
Zunächst empfand er so etwas wie Erleichterung: Der Krieg, so schien es ihm, war für ihn zu Ende. Doch die Ernüchterung ließ nicht auf sich warten: Der Gewaltmarsch ohne Essen bis zum Sammellager rückte die Dinge zurecht - das Kommando ergriff "General Hunger".

Dawletschins langer Marsch führte ihn zunächst nach Solncy - wohl eine Regiments-oder Divisionssammelstelle-, dann weiter über Porchow-vermutlich ein Wehrmachtssammellager frü Kriegsgefangene-zu Fuß durchs Hinterland nach Riga (Stalag 350), wo er acht Wochen zubrachte, nach Polegen bei Tilsit (Oflag 53) und schließlich nach Fallingbostel, Niedersachsen, ins Stalag 11-B (dort traf er mit einer der ersten Gruppen ein und erhielt denn mit der 120453 ein recht hohe Gefangenennummer). Hier drohte indes eine Typhus-Epidemie, und die ganze Belegschaft wurde ins Lager Bergen-Belsen verschoben. Doch der Typhus ereilte sie auch dort, sodass das ganze Lager bis Februar unter Quarantäne gestellt werden musste. Die Menschen starben wie die Fliegen-zuweilen gab es bis zu 200 Todesfälle täglich. Als man die Seuche im Mai 1942 endlich in den Griff bekam, hatte sie 15-18.000 Opfer gefordert.

Tamburbek Dawletschin wurde am 26.Mai 1904 in Silidjar, einem tatarischen Dorf im Bezirk Ufa, Baschkirien, geboren.
Er er-und überlebte Bürgerkrieg, Gelbsucht und Typhus und brachte es bereits mit 19 zum Kreisgerichtssekretär. 1924-1932 folgte ein Jurastudium in Kasan und Irkutsk  und schlss mit der Promotion ab.
Am 21.Juni 1941 wurde er in die Armee eingezogen. Über die Zeit Krieg und Gefangenschaft geben die Erinnerungen Auskunft. Am 23.April 1942 wurde er vom Lager Bergen-Belsen in das Stalag III D -Offizierslager Wuhlheide überstellt.
Am 7.Juli 1942 wurde er aus dem Gefangenenstatus entlassen und konnte sich in Berlin frei bewegen.
Das Kriegsende erlebte er in Deutschland und er kehrte nicht wieder in seine Heimat wo er eine Frau und zwei Söhne hatte, zurück.
1953 heiratete er eine deutsche Lehrerin und bekam mit ihr eine Tochter.
T.Dawletschin starb am 7.September 1983 in München.
« Letzte Änderung: Mi, 30. Juni 2010, 07:36 von Adjutant »
Gruß Ulla

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Offline Beluga

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Re: Von Kasan nach Bergen-Belsen
« Antwort #1 am: Do, 26. März 2009, 19:53 »
Ich habe dieses Buch gelesen und kann es nur jedem empfehlen, der sich für ehemalige sowjetische  Kriegsgefangene interessiert.


 


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