Autor Thema: deut.Kriegsgräberstätte 1945, Wuhden/Oderbruch  (Gelesen 829 mal)

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deut.Kriegsgräberstätte 1945, Wuhden/Oderbruch
« am: Di, 12. März 2013, 22:51 »
    15326 Wuhden

Kurze Bericht aus der Märkischen Oderzeitung vom 11.03.2013


Gräberstätte wird erweitert

Podelzig (MOZ) Die Gemeindevertreter haben, einem Antrag des Wuhdener Heimatvereins folgend beschlossen, die Kriegsgräberstätte auf dem kommunalen Friedhof im Ortsteil Wuhden zu erweitern. Dort sollen die bei Klessin geborgenen sterblichen Überreste gefallener deutscher Soldaten zugebettet werden. Höhere Zuwendungen vom Bund gibt es für die Kriegsgräberstätte allerdings nicht.

« Letzte Änderung: Sa, 25. Dezember 2021, 04:57 von kka67 »
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Immanuel Kant

Offline Thomas

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Re: MOL-Gräberstätte wird erweitert
« Antwort #1 am: Di, 12. März 2013, 22:57 »

Beitrag der MOZ vom 04.10.2012

Den Toten einen Namen geben

Klessin (MOZ) Seit 20 Jahren sucht der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa nach Kriegsvermissten. Bei Klessin (Märkisch-Oderland) haben die Helfer bis gestern acht deutsche und 14 sowjetische Soldaten geborgen. Die Arbeit ist jedoch lange noch nicht abgeschlossen.

"Unsere Großväter mussten sich versöhnen. Für unsere Generation herrscht Freundschaft über den Gräbern", sagt Albrecht Laue. Der Vorsitzende des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa steht inmitten eines Waldes am Rande von Klessin bei Podelzig (Märkisch-Oderland). Laue steckt in einem orangefarbenen Overall, wie auch seine Vereinskollegen.

Etwa Hundert Meter eines alten Schützengrabens haben sie seit vergangenem Freitag Schicht für Schicht ausgehoben. Wie eine klaffende Wunde durchzieht er das unwegsame Gelände, beschattet von Buchen, Ahorn, hohen Büschen und Gräsern. Mit "Freundschaft über den Gräbern" meint Albrecht Laue das, was sein Verein repräsentiert. 35 Mann sind dabei. Die ehrenamtlichen Helfer kommen aus Polen, Russland, Holland, Frankreich, der Schweiz und Deutschland.

Sie forschen nach den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, graben sie aus und betten sie auf Friedhöfe um. Sie unterscheiden nicht zwischen den Nationen, sie kümmern sich um alle Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Besonders rund um Seelow liegen noch viele von ihnen unter Unrat, Gras und Erde verborgen, zurückgelassen im letzten großen Gefecht vor den Toren Berlins.

Hartmut Zimmermann lehnt in einem der frisch ausgehobenen Gräben und beugt sich über eine Erhebung. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man die Knochen, die in ihrer Farbe der braunen Erde ähneln, die sie umschließt. Zimmermann streicht mit einem Handfeger über die Gebeine. Ein zertrümmerter Schädel steckt fest im Erdreich. "Er wurde wohl am Kopf getroffen und ist daran gestorben", vermutet Zimmermann. Die Gebeine sind gut erhalten. Am Fuß steckt noch der Soldatenstiefel, der Helm liegt etwa ein Meter entfernt. Wird Hartmut Zimmermann je erfahren, wen genau er hier ausgegraben hat? "Meist ist das schwierig", sagt er. Der Datenschutz. Sie finden beim Toten eine Erkennungsmarke - sie wird es ermöglichen, die vielleicht noch lebenden Angehörigen zu informieren. Genau das ist das Ziel des Vereins. "Wir wollen, dass die Toten ihre Namen zurückbekommen", sagt Albrecht Laue.

Er selbst hatte nach seinem Großvater gesucht, der in Russland gefallen war. Er hat ihn nie gefunden. "Viele Familien wollen Auskunft über den Verbleib, und mit der Vereinsarbeit kann ich vielleicht wenigstens ihnen helfen." Die eigene Familiengeschichte ist für die meisten Helfer Antrieb, sich in ihrer Freizeit der anstrengenden, aber auch spannenden Arbeit zu widmen. Anreise und Verpflegung muss jeder selbst zahlen - außer die Anwohner helfen. "Was wir in Podelzig erleben, haben wir selten. Die Unterstützung ist großartig", sagt Laue.

Die Geschichte des Ortes ist den meisten Leuten der Region bewusst. Die Befragung von Zeitzeugen ist wichtig für die Vereinsmitglieder, um zu wissen, wo sie graben müssen. In Klessin gab es bereits im Mittelalter Siedlungen. Ein Gutshaus stand auf einer Anhöhe, von wo aus man einen guten Blick über das Oderbruch bis hin zum zwei Kilometer entfernten Fluss hatte. Eine entscheidende Stellung für die Deutschen, die sie im März 1945 zu verteidigen versuchten. Die sowjetische Armee umschloss am 10. März Klessin, auf beiden Seiten gab es hohe Verluste. Von 410 deutschen Soldaten traten zehn Tage später 90 Mann den Rückzug an. "Die meisten sind gefallen oder gelten als vermisst", erklärt Wolfgang Ockert. Der 45-Jährige kennt sich bestens aus in der Historie des Ortes. Er selbst wurde in Stuttgart groß, doch seine Eltern siedelten 1947 in Klessin. Die Geschichten seines Vaters bewogen ihn zurückzukehren. Unter sowjetischer Aufsicht musste er damals die Toten bestatten. In den 1950er-Jahren floh das Ehepaar in den Westen. Während Ockert die Geschichte erläutert, unterbricht ihn ein lauter Knall. Der Kampfmittelräumdienst hat gefundene Munition gesprengt. Plötzlich wird klar, dass die Arbeit des Vereins nicht ganz ungefährlich ist. "Minen gibt es hier eigentlich nicht", sagt Wolfgang Ockert. Meist sind es Patronen und Granaten. Jeder im Verein ist im Umgang mit alter Munition geschult. Ist es zu heikel, sie zu transportieren, werden die Kampfmittel-Experten herangeholt. In Podelzig sorgt der Knall kurz für Verwirrung, einige Dorfbewohner kommen vorbei, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. "Wir machen das seit zwanzig Jahren. Bis jetzt ist noch nichts passiert", versucht Albrecht Laue zu beruhigen. Unterdessen finden seine Kollegen am Fuße des Hügels ein provisorisches Mehrfachgrab für sowjetische Soldaten. "So ein Fund ist unheimlich verbindend", sagt Laue. "Man kann bei so einer Entdeckung soviel lernen über uns und die anderen und fast begreifen, was für ein Wahnsinn Krieg ist." Zu seiner bisherigen Arbeit hat der Verein sogar eine Sonderausstellung gestaltet.
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Re: MOL-Gräberstätte wird erweitert
« Antwort #2 am: Di, 12. März 2013, 23:00 »
Beitrag vom 01.11.2010 der Märkische Oderzeitung


13 Kriegstote in Klessin gefunden

(moz) Die Suchtrupps des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) waren am Sonnabend, kurz vor 12 Uhr, kaum zwei Stunden vor Ort, als eine der Tiefensonden, mit denen die Vereinsmitglieder den abgeernteten Acker an der Klessiner Kreuzung absuchten, anschlug. Der Minibagger, der zur Ausstattung der ehrenamtlicher Berger gehört, begann daraufhin, vorsichtig das Erdreich an dieser Stelle auszuheben. Das Loch war etwa 70 Zentimeter tief, als die ersten Knochen zum Vorschein kamen.

An dem Punkt begann die Handarbeit: Mit Pinseln, Bürsten und Spateln ausgestattet, stiegen drei VBGO-Mitglieder in die Grube, um die Gebeine des Toten zu bergen. Sie kamen in einen der kleinen, schwarzen Papp-Sarkophage, in denen die sterblichen Überreste Kriegstoter beigesetzt werden.

Vorsichtig, aber routiniert, legt Thomas Schütt den Schädel des Toten frei. Der Mann aus Hamburg ist von Beruf Bundespolizist. „Unter unseren Mitgliedern hier sind ein Bäcker, ein Postbote, zwei Polizisten, ein Archäologe, ein Förster, ein Gerichtsmediziner“, nennt Albrecht Laue einige Professionen der ehrenamtlichen Berger. Der Vereinsvorsitzende selbst, auch ein Hamburger, ist selbständiger Kaufmann.

Die rund 25 Mitglieder des Vereins, die an der Klessiner Aktion beteiligt sind, kommen aus ganz Deutschland, aus Holland und der Schweiz. Doch die Suche ist noch internationaler: „Wir haben diesmal sowohl Mitglieder aus unserer polnischen Partnerorganisation „Pomorze“ als auch von der russischen Organisation „Raid“, die nach Kriegstoten sucht, dabei“, berichtet Albrecht Laue.

Unter den zehn polnischen Helfern ist Dr. Andrzej Ossowski, ein Gerichtsmediziner aus Stettin. „Er hilft uns, Geschlecht und Alter der Toten zu bestimmen“, erklärt der VBGO-Vorsitzende.

Und noch einen ehrenamtlichen Helfer hebt er hervor: Den Mitarbeiter der Munitionsbergungsfirma Röhl. „Den brauchen wir, falls wir auf Munition stoßen. Die muss ja fachgerecht geborgen und entsorgt werden“, erklärt Laue.

Während der erste Tote geborgen wird, suchen andere Trupps auf dem mit rot-weißem Flatterband abgesperrten Suchfeld weiter. Auch Kristina Timokhina und Anton Torgashev sind mit einer Tiefensonde auf der Suche.

„Wir arbeiten seit neun Jahren vor allem im Raum Smolensk-Leningrad“, erklärt Kristina. Sie ist Mitglied der Organisation „Raid“. „Wir finden russische und deutsche Soldaten. Oft sind sie nicht zu identifizieren, weil sie weder eine deutsche Erkennungsmarke noch ein russisches Medaillon tragen“, sagt die Russin. Sie ist zum ersten Mal im Oderbruch, erfährt mit Interesse von der Bedeutung der Region für das Ende des Zweiten Weltkrieges.
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Re: Kriegsgräberstätte 1945, Wuhden/MOL
« Antwort #3 am: So, 14. November 2021, 09:55 »
... aus 2020 ...

 


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