Autor Thema: Torgauer Brücke  (Gelesen 3625 mal)

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Offline md11

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Torgauer Brücke
« am: Do, 14. Juni 2007, 21:34 »
Hallo an Alle,
hab da einen Bericht gefunden von 1994.

Ein Symbol soll abgerissen werden: die Begegnungsbrücke im sächsischen Torgau.

Wenn der Wissenschaftshistoriker Uwe Niedersen, 49, ins Schwärmen gerät, ist meist von seiner Heimatstadt Torgau die Rede. Die Zukunft der sächsischen Provinzstadt (22 .000 Einwohner) liegt, davon ist der Vorsitzende des Fördervereins Europa-Begegnungen überzeugt, im Fremdenverkehr.

Vor Niedersens geistigem Auge zieht ein „Konzentrat von Touristen" durch die Gemäuer hinunter zur Elbe, flaniert über die Brücke und wendet den Blick auf das „herrliche Stadtpanorama".

Die Brücke soll „Ort der Begegnung" werden - Anspielung auf den bedeutendsten Tag in der Geschichte des über 100 Jahre alten Bauwerks. Am 25. April 1945 umarmten sich US-Leutnant William Robertson und Rotarmist Alexander Silwaschko auf den Trümmern der Elbüberquerung, die von der abrückenden deutschen Wehrmacht gesprengt worden war.

Stunden zuvor hatten Russen und Amerikaner in Strehla, 30 Kilometer ( stromaufwärts, erstmals das Zusammentreffen gefeiert. Torgau aber wurde Schauplatz des Verbrüderungsfotos der Alliierten, die zerstörte Brücke zum Symbol des Sieges über die Wehrmacht. Wie um die Rheinbrücke von Remagen, die für das Vorrücken der Amerikaner entscheidende Bedeutung hatte, weil den Deutschen die Sprengung mißlungen war, rankten sich auch um die Torgauer Trümmer bald Legenden.

Dazu trug vor allem Joseph Polowsky bei, einst Mitglied der US-Patrouille, die zuerst auf die Sowjets getroffen war, und später Taxifahrer in Chicago. Im Überschwang der Erinnerung berichtete er von einem „Schwur an der Elbe", den Russen und Amerikaner gegen den Krieg abgelegt hätten: „Alle Völker sollen sich versöhnen."

Solcher Internationalismus wurde von den DDR-Regenten weidlich ausgeschlachtet. Die Einheitssozialisten versuchten im Kalten Krieg, die amerikanischen Veteranen als Friedensprediger gegen die US-Regierungen ins Feld zu führen.

Jährlich wurden Wiedersehensfeiern zelebriert, Polowsky erhielt 1983 auf dem Torgauer Friedhof ein Grab.

Die Tage der Brücke sind nun gezählt. Seit letzten Sommer 100 Meter stromaufwärts eine neue Spannbeton-Konstruktion eröffnet wurde, ist das alte Bauwerk gesperrt. Und Niedersens Träumen zum Trotz soll die „außergewöhnlich filigrane Konstruktion" (Bundesverkehrsministerium) abgerissen werden.

Vor allem muß aus dem Fluß „der Mittelpfeiler raus", argumentiert Klaus Grabein, 48, vom Torgauer Straßenbauamt. Das Hindernis wurde Elbkähnen mehrfach zum Verhängnis. Der Ingenieur will am liebsten Mitte nächsten Monats den Abbruch beginnen lassen, „bis Ende August soll sie weg sein".

Dagegen laufen Niedersen und sein Verein Sturm. Einen Abriß, prophezeit der Vorsitzende, würden die Stadtväter „in einigen Jahren bereuen".

Schon möglich. Doch Bundes- und Landesregierung, Stadt- und Kreistag sind einig, daß das „historisch bedeutsame Landschafts- und Stadtbild von Torgau über Generationen in hervorragender Weise prägende Bauwerk" ausgedient hat, so Sachsens Wirtschaftsminister Kajo Schommer .Zwischen sechs und neun Millionen Mark, haben Gutachter errechnet, würde eine Sanierung kosten, der Erhalt weitere 100 .000 Mark jährlich. Der Abriß kommt billiger: drei Millionen Mark, dazu 500.000 Mark für die Erhaltung des westlichen Brückenkopfes als Denkmal.

Die Aussichten für sein Projekt, fürchtet Vereinschef Niedersen, seien „ausgesprochen ungünstig". Er hofft auf Zeitgewinn. Die Brücke werde schon nicht gleich „nächstes Jahr zusammenfallen", schließlich sei ja noch „bis letztes Jahr der Verkehr da rübergerollt".
Von Rollen allerdings konnte nicht mehr die Rede sein. Im Kriechtempo schlichen die Autos über das Friedenssymbol, und nur noch leichtere Laster unter 16 Tonnen durften passieren. Grabein schaudert es, wenn er an die Brückenprüfungen unter seiner Verantwortung denkt: „Ich stand permanent mit einem Bein im Gefängnis."

Die Angst muß er wohl nicht mehr lange haben. Bisher haben Niedersen und seine Mitstreiter nur einen winzigen Teilerfolg erzielt. Wenn Torgau am 25. April das traditionelle jährliche Elbefest feiert, „wird die alte Brücke noch stehen", verspricht Gerhard Wange vom Dresdner Wirtschaftsministerium.
Und danach? Wange: „Dann wird abgerissen."   

Quelle-Der Spiegel (14.02.1994)

Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Do, 17. Juni 2010, 20:43 von Ulla »

Offline adrian

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Re: Torgauer Brücke
« Antwort #1 am: Mi, 20. Juni 2007, 20:45 »
Hallo Josef,

wieder mal ein Beispiel dafür, dass man sich in Deutschland um die Geschichte überhaupt nicht schert.
Diese Brücke ist eines der wichtigsten Wahrzeichen für die Verbrüderung und das Ende des Krieges. Ich wundere
mich, dass man sie nicht schon längst auf eine Denkmalliste gesetzt hat. Klar, wenn man nichts tut, fällt sie eines
schönen Tages von selbst zusammen. Wie bei den 4.300 Pappkartons, die Nation schweigt. Meine Güte, wir müssten uns
täglich einbringen. Wenn wir in Deutschland so weitermachen, haben wir bald überhaupt keine Vergangenheit mehr.
Die Zeiten müssen sich einfach ändern und wir müssen mithelfen.

Gruß Werner
Suche alles zur 60. Inf.Div. (mot.) (Danziger Division) bis Stalingrad

Dieco

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Re: Torgauer Brücke
« Antwort #2 am: Di, 03. Juni 2008, 11:54 »
Info

Die Brücke gibt es nicht mehr. Nur noch ein Pfeiler ,, als Symbol für den Frieden,, hat man stehen lassen.

Dieco

Offline md11

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Re: Torgauer Brücke
« Antwort #3 am: Di, 03. Juni 2008, 20:10 »
Hallo Conny,
ja es ist wirklich schade das sowas abgerissen wird!Immer wieder werden solche Historische Bauten abgerissen genauso auch wie hier in Nürnberg!

Hab hier noch einen Link über die Geschichte der Brücke von 1945,als die Amerikaner sich mit den Russen getroffen haben auf der Torgauer Brücke:

Torgauer Brücke 1945

Grüße
Josef

Offline harbec

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Re: Torgauer Brücke
« Antwort #4 am: Mo, 17. November 2008, 19:38 »
hallo josef!
interessanter link! war mir bis eben im detaill so nicht bekannt!
gruß hartmut

 


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