Autor Thema: KZ-Theresienstadt  (Gelesen 1177 mal)

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Offline Ulla

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KZ-Theresienstadt
« am: Do, 08. Mai 2008, 22:49 »
SZ vom 17.04.2008 - Steffen Neumann

Ein Metalldieb schändet jüdische Gräber im einstigen Gefängnis der Gestapo in Theresienstadt

Den Grabstein zieren kleine Steine des Gedenkens und eine Tafel mit der Zahl 1146. Es ist die Nummer eines der jüdischen Opfer im ehemaligen Gestapo-Gefängnis im tschechischen Theresienstadt (Terezin).
Den Namen und das Geburtsdatumkann der Besucher des Nationalfriedhofs in des nicht mehr erkennen. Ein Unbekannter hat den Toten nach den Nationalsozialisten ein zweites Mal auf eine bloße Nummer reduziert. Die dazugehörigen Bronzeplatten mit den Angaben zum Opfer sind abmontiert. Die Tat geschah am Donnerstag vergangener Woche (10.04.2008), wie erst jetzt bekannt wurde. Innerhalb von nur einer Nacht entwendete der Dieb nach Angaben der tschechischen Polizei 327 solcher Platten.

Ungeschützter Friedhof

Der Nationalfriedhof liegt vor der kleinen Festung, die von den Nationalsozialisten als Gestapogefängnis genutzt wurde. Die Gräberreihen bilden eine gut einsehbare Freifläche, an der eine befahrene Straße vorbeiführt. Trotzdem konnte der Dieb offenbar ungestört ganze Arbeit verrichten.
"Mit einem Meisel ist das eine Sache von Sekunden", vermutet der Direktor der Gedenkstätte jan Munk. Die Bronzeplatten seien nur mit Metallstiften am Grabstein fixiert. "Das Gelände wird nicht extra bewacht. Die Polizei unternimmt Routinefahrten, das ist alles", sagt Direktor Munk.
Vor Jahren hatte die Gedenkstätte einen Wachdienst angeheuert, der aber aus Geldmangel nach einem Jahr wieder gekündigt wurde. Aus dem gleichen Grund wurde eine Beleuchtung des Friedhofs verworfen.

Die Gedenkstätte in Theresienstadt ist die Einzige dieser Art in ganz Tschechien, die an die Opfer des Holocaust erinnert. Sie gedenkt der fast 3000 Toten im Gestapo-Gefängnis, unter ihnen war die Mehrzahl Juden, aber auch der fast 150.000 Insassen der Konzentrationslagers, von denen nur rund ein Sechstel überlebte.
Jährlich kommen über 300.000 Besucher hierher.
"Mir ist nichts aufgefallen. Ich dachte, die Namen fehlen, weil man sie nicht wusste", sagt Anthony Princy, ein Gast aus London, erstaunt. In der Tat fällt der Diestahl Uneingeweihten nicht auf, denn die Grabsteine sind nicht einheitlich. Die Leichen der Opfer wurden erst nachträglich aus Massengräbern auf dem Friedhof bestattet.
Nicht von allen Toten waren daher vollständige Angaben vorhanden, zumal es sich um Gefangene aus ganz Europa handelte. Mal fehlt der Vorname, mal die Gefangenennummer, mal das Geburtsdatum. Nur die Grabsteinnummer hatten bis vor kurzem noch alle.  "Die Studenten würden gar nicht merken, das etwas geklaut ist", bestätigt auch Michaela Bencová, die Studentengruppen durch die Gedenkstätte führt.
Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Nationalfriedhof Bronzeplatten verschwunden sind. Deswegen schließt die Gedenkstätte einen antisemitischen Hintergrund aus. "Hier wird alles Mögliche geklaut, nicht nur Gedenkplatten. Aber dieser Diebstahl hat eine völlig neue Dimension", sagt der technische Direktor der Gedenkstätte Stanislav Krejný schon verzweifelt. Er spricht ein Phänomen an, das nicht nur Tschechien erfasst hat. Die steigenden Rohstoffpreise machen Metalle aller Art zur lohnenswerten Diebesbeute.

In Tschechien werden nicht nur Schienen entwendet. Selbst eine stillgelegte Eisenbahnbrücke verschwand.
Sehr beliebt sind Fallrohre von Regenrinnen. In der Slowakei demontierten Diebe Panzerteile vom Denkmal der tschechoslowakischen Armee am Dukla-Pass. Auf ukrainischen Straßen fehlen Gullydeckel. In Deutschland wurden Kupferkabel an Bahnstrecken entwendet. Der Raub auf dem Nationalfriedhof von Theresienstadt zeigt nur, dass den Metalldieben nicht heilig ist.
Die Bronzeplatten sind je nach Länge des Namens unterschiedlich groß. "Bei einem Gewicht von rund einem Kilo je Platte dürfte der Raubzug insgesamt bis zu 1600 Euro einbringen", vermutet der technische Direktor Krejný. Allerdings muß der Dieb einen Altstoffhandel finden, der Metallplatten mit den Namen von Holocaustopfern annimmt. Die Polizei baut deshalb auf die Ehrlichkeit der Händler, auch wenn nach einer Woche erfolgloser Tätersuche diese Hoffnung gering erscheint.

Harz statt Bronze

Der Großdiebstahl ist für die Gedenkstätte Anlass, Pläne zu forcieren, die so etwas in Zukunft verhindern. Gedacht ist allerdings weder an Wachschutz noch an Beleuchtung. Die Museumsleitung hat eine andere Lösung parat: Die Bronzeplatten sollen durch neue aus Kunstharz ersetzt werden. Damit soll Dieben die Lust am Klau genommen werden. Die Kosten für den Ersatz der entwendeten Platten schätzt Krejný auf 40.000 Euro. Bis alle Gräber wiederhergestellt sind, wird allerdings eine Zeit vergehen. Die traditionelle Theresienstädter Totenfeier, die alljährlich am 18. Mai auf dem Nationalfriedhof stattfindet, wird damit auch zu einem traurigen Gedenken an die Schändung der Gräber.
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« Letzte Änderung: Fr, 12. November 2010, 07:30 von Ulla »
Gruß Ulla

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Re: Theresienstadt
« Antwort #1 am: Fr, 09. Mai 2008, 17:59 »
Ich hab da mal in meinem privaten Archiv gesucht und bin fündig geworden.
Hier Fotos aus dem Jahr 1984.

« Letzte Änderung: Di, 22. Juni 2010, 13:26 von Ulla »
Gruß Ulla

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