Autor Thema: Kriegsjahr 1917  (Gelesen 2749 mal)

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Offline BlackWolf

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Kriegsjahr 1917
« am: Di, 16. Mai 2006, 16:33 »
Im März 1917 zogen sich die an der Somme stehenden deutschen Truppen in die stark ausgebaute Siegfriedstellung zurück. Zuvor verwüsteten sie das freigegebene Gebiet weitgehend und verminten es teilweise.

Im selben Monat unternahmen die Briten einen Vorstoß nach Bagdad und nahmen die Stadt ein.

Vor dem Hintergrund der Kriegsbelastungen und aufgrund des starken Nahrungsmangels kam es am 8. März (23. Februar nach russischem Kalender) in St. Petersburg zu Massendemonstrationen, die sich zur Februarrevolution ausweiteten. Es bildeten sich in Petersburg Arbeiter- und Soldatenräte, während eine provisorische bürgerliche Regierung unter Fürst Lwow errichtet wurde. Am 15. März dankte Zar Nikolaus II. ab. Neben der parlamentarischen Regierung stand als zweite Gewalt der oberste Arbeiter- und Soldatenrat von Petersburg. Zur Enttäuschung großer Teile der russischen Bevölkerung entschied sich die provisorische Regierung zur Weiterführung des Krieges. Aus diesem Grunde ermöglichte die Oberste Heeresleitung im April einer im Schweizer Exil lebenden Gruppe von Bolschewiken um Lenin, mit dem Zug nach Russland zu kommen. Der Zug fuhr über Berlin, wo er mit 40 Millionen Goldmark (entspricht mehr als sieben Tonnen Gold) beladen wurde. Am 16. April traf Lenin in Sankt Petersburg ein, wo er zur sozialistischen Revolution aufrief.

Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg. Anlass war die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Reich, der auch viele zivile Opfer forderte. Außerdem flog die Zimmermann-Depesche auf, in der das Deutsche Reich Mexiko aufforderte die USA anzugreifen. Im Dezember 1917 folgte die Kriegserklärung der USA an Österreich-Ungarn.

Ungeachtet der gewaltigen Verluste im bisherigen Kriegsverlauf starteten die Alliierten auch im Jahre 1917 mehrere Großangriffe auf die deutsche Westfront. Diesmal wählte der britische Oberbefehlshaber Haig die nordfranzösische Stadt Arras als Ziel einer Offensive, während die französische Armee an der Aisne und in der Champagne die deutschen Stellungen angriff. An der Aisne setzten die Franzosen noch mehr Soldaten und Kriegsgerät ein als bei ihrer Gegenoffensive vor Verdun 1916. Die Offensiven der Alliierten begannen im April und mussten bereits im Mai nach hohen Verlusten abgebrochen werden. Das deutsche Heer war dazu übergegangen, die Schützengräben weitaus tiefer und dichter zu staffeln als zuvor. Zudem setzten die Deutschen mobile Reserve-Divisionen ein, die mit großer Schnelligkeit an hart umkämpfte Frontabschnitte herangeführt wurden.

Als Folge der gescheiterten Offensiven kam es in der französischen Armee zu Meutereien, von denen zeitweilig bis zu 16 Korps erfasst wurden. Deshalb wurde der französische Oberbefehlshaber Nivelle durch General Pétain abgelöst, der die Verteidigung Verduns organisiert hatte. Durch den Übergang zu einer strikten Defensivhaltung konnte Pétain die Unruhe in der französischen Armee vorerst eindämmen. Gegen meuternde Soldaten wurde mit äußerster Härte vorgegangen. In Frankreich wurden 1917 mehrere Hundert Soldaten hingerichtet. Obwohl deutsche Verbände weitergemeldet hatten, dass der französische Widerstand an größeren Frontabschnitten praktisch nicht mehr existierte, nutzte die deutsche Heeresleitung die Meutereien in der französischen Armee nicht aus. Pétain erkannte die Gefahr und sorgte für Verbesserungen in Hinsicht auf Verpflegung und Ruhezeiten der Truppen. Die Soldaten wurden künftig durch sorgfältiger geplante und vorsichtigere Operationen sowie verstärkten Materialeinsatz etwas entlastet; in der Folge setzte in der französischen Armee ein langsamer Regenerationsprozess ein; die Moral festigte sich wieder.

Nach den verlustreichen Kämpfen im Frühjahr begann im Juni 1917 eine britische Großoffensive in Flandern. Wie mehrfach zuvor setzte man dabei auf den massiven Einsatz von Kriegsgerät und Infanterie auf großer Breite. Die Flandernschlacht, die durch die widrigen Geländebedingungen geprägt war, dauerte mehrere Monate und brachte den Briten geringe Gebietsgewinne bei hohen Verlusten. Sie musste im Herbst 1917 abgebrochen werden.

Am 27. Juni 1917 trat Griechenland auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein. Das neutrale Griechenland stand bereits seit 1916 unter Druck, da britische und französische Schiffe die griechische Küste blockierten. Nach einem Ultimatum des französischen Oberkommissars Jonnart dankte im Juni 1917 der griechische König Konstantin ab. Es folgte die Bildung einer neuen, den Alliierten wohlgesonnenen Regierung unter Ministerpräsident Venizelos. Diese erklärte den Mittelmächten den Krieg.

Die Alliierten drängten zu ihrer Entlastung Russland zur Durchführung einer Offensive, die von dem russischen Kriegsminister Kerenski geplant wurde und am 30. Juni begann. Nach Anfangserfolgen lief sich die Offensive am 11. Juli fest. Bereits am 19. Juli gingen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen bei Tarnopol zum Gegenangriff über. Dabei gelang ihnen die Rückeroberung von Galizien und der Bukowina. In Russland selbst kam es am 17. Juli zu einem Putschversuch der Bolschewiki, der durch das Militär zerschlagen wurde. Lenin floh daraufhin nach Finnland, während Fürst Lwow am 21. Juli von dem aus einer gemäßigten sozialistischen Partei stammenden Kerenski als Ministerpräsident der provisorischen Regierung abgelöst wurde. Trotz der militärischen Misserfolge und der kritischen Situation im Inneren beharrte Kerenski auf einer Weiterführung des Krieges. Im September eroberten deutsche Truppen die Stadt Riga und im Oktober die baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon, woraufhin der militärische Widerstand der russischen Armee nahezu zusammenbrach.

Ende Oktober 1917 gelang am Isonzo österreichisch-ungarischen Truppen, die durch die deutsche 14. Armee (darunter das Deutsche Alpenkorps) starke Unterstützung erhielten, der Durchbruch bei Flitsch (Bovec, Slowenien) und Tolmein (Tolmin, Slowenien). Die Italiener verloren mehr als 200.000 Mann an Kriegsgefangenen und wurden bis an die Piave zurückgeworfen. Die Front konnte nur mit Mühe stabilisiert werden. Britische und französische Divisionen wurden zur Unterstützung Italiens entsandt.

Anfang November eskalierte die Situation in Russland. Durch die von dem inzwischen aus Finnland zurückgekehrten Lenin geführte Oktoberrevolution vom 6. bis 7. November wurde die provisorische Regierung gestürzt und die Macht von den Bolschewiki übernommen. Bereits am 8. November wird von den neuen russischen Machthabern das Dekret über die Beendigung des Krieges erlassen, wodurch sich für die Mittelmächte eine starke militärische Entlastung an ihrer Ostfront anbahnte.

Im Gegensatz zu der sich Ende 1917 entspannenden Situation im Osten kam es in Frankreich nach wie vor zu schweren Kämpfen. Am 20. November unternahm die britische Armee nach kurzer Artillerievorbereitung einen Überraschungsangriff auf die deutschen Stellungen bei Cambrai und setzte dabei mehrere hundert Panzer ein. Dabei gelang den Briten ein tiefer Einbruch in die deutsche Front. Die deutsche Armee musste alle verfügbaren Reserven heranführen. Wenige Tage nach Beginn der Schlacht gingen die Deutschen zum Gegenangriff über, wobei sie erstmals in großem Umfang Sturmtruppen an der Westfront einsetzten. Am 3. Dezember endete die Panzerschlacht von Cambrai mit annähernd unveränderten Fronten. Insgesamt waren über 80.000 britische und deutsche Soldaten verwundet, getötet oder gefangengenommen worden. Aus taktischer Sicht hatte die Schlacht großen Einfluss auf das weitere Kriegsgeschehen. Ein nach kurzem Geschützfeuer schnell vorgetragener Angriff mit Panzern und Sturmtruppen schien einen Durchbruch in dem völlig statischen Grabenkrieg möglich zu machen.

Bei dem britischen Angriff auf das von den Osmanen kontrollierte Palästina handelte es sich um die letzte größere Offensive des Kriegsjahres 1917. Der Angriff endete am 10. Dezember mit der Eroberung Jerusalems durch britische Truppen.

Am 15. Dezember wurde ein Waffenstillstand zwischen den Mittelmächten und Russland vereinbart und eine Woche später in Brest-Litowsk die zunächst ergebnislosen Friedensverhandlungen eröffnet.
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 14:56 von Adjutant »

Offline md11

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Kriegsjahr 1917
« Antwort #1 am: Fr, 19. Mai 2006, 00:15 »
Im Alpenkrieg starben mindestens 150.000 Menschen-vom Feind getötet,abgestürzt,verhungert oder unter Lawinen begraben.
Über allen Gipfeln herrscht Ruh.Auch am Kleinen Lagazuoi in den Dolomiten,2778 Meter hoch.Es ist der 22.Mai des Jahres 1917,der Berg liegt in der Abenddämmerung.
Dann plötzlich kommt,über die provisorische Telefonleitung,der verabredete Code."Hauptmann Eymuth trifft heute 10 Uhr abends beim Kampfabschnittskommando ein."
Eymuth ist ein österreichischer Offizier.Seine Kameraden haben,in müheseliger Arbeit,durch einen eigens vorgetriebenen Stollen 24 Tonnen Sprengstoff ins Innere des Berges verfrachtet.24.000 Kilogramm,verpackt in über 1000 kisten.Eine Supermine im Abwehrkampf gegen die Italiener.Eymuths Name ist ein dass Signal,diese Mine vom Gewicht eines Panzers zum verabredeten Zeitpunkt zu zünden.Auf die Sekunde ganau um 22 Uhr explodiert der Berg."Die Felsen barsten",schildert ein Augenzeuge,umher"schossen häusergroße Blöcke,Wände sanken um wie ein Bücherstapel.Menschenleiber,Köpfe,Beine,Arme flogen empor-eine grausige Himmelfahrt."
Wie viele italienische Alpini bei dem Massaker oben auf dem Kleinen Lagazuoi den Tod fanden,ist bis heute ungeklärt.
Der strategisch aberwitzige Coup war nur ein Etappensieg in einem fast surreal anmutenden Kampf zwischen Himmel und Erde,den europäische Soldaten bislang so nicht kannten.Der Alpenkrieg war ein Krieg auf Skiern und an Kletterseilen,auf schmalen Grat,in bis zu zehn Meter hohen Schneewüsten oder mitten im ewigen Eis.
Was sich da oben wirklich abspielte,oft nur unter vier Augen u.ohne Zeugen,muss ein archaisches Ringen gewesen sein-ein Kampf mit dem Feind u.mit der Natur gleichermaßen.Temperaturen bis zu minus 40 Grad konnten,buchstäblich,das blut gefrieren lassen,schwere Stürme u.mächtige Gewitter lähmten oft alle Sinne,die Lunge musste doppelte Arbeit leisten.Und wenn in der rauen Höhe die automatischen Waffen versagten,Pistolen oder Karabiner,dann kämpften die Soldaten auf kleinen Felsvorsprüngen mit Steinen in den Fäusten.
Mindestens 150.000 Menschen,wahrseinlich mehr als 180.000 starben in den Alpen.Eine genaue Zahl der Opfer gibt es nicht,auch keine der Vermissten.Wohl 60.000 von ihnen wurden durch Lawinen in den Tod gerissen.
Rom,23.Mai 1915.Italien erklärt Österreich-Ungarn offiziell den Krieg-und stürzt die Donaumonarchie in eine verzweifelte Lage.Fast das gesamte k.u.k.Heer operiert an der Ostfront u.auf dem Balkan,für die notwendige Sicherung der 600 Kilometer langen Grenze zu Italien stehen nur schwache Kräfte zur Verfügung.Knapp 100 Kilometer der Grenze im Westen verliefen auf einer geschlossenen Eisfront,fast durchweg in Höhen von über 3000 Metern.Um da oben überhaupt Krieg führen zu können,mußten erst Straßen angelegt werden,dann Wege u.letztlich Steige.Vom Gletscher des Zebru zum Gipfel der Thurwieserspitze im Ortlergebiet etwa zogen die Italiener eine Steiganlage mit Strickleitern hoch,die sie durchaus treffend"Himmelsleiter"nannten.So konnten auf 3000 Meter Länge über 700 Höhenmeter überwunden werden,von 2900 ging es auf 3648 Meter.Seilbahnen schleppten Material heran,Mulis u.Pferde.Bohrmaschinen u.Srpengsätze schufen Kavernen,in denen das ganze Jahr über Schützen hockten-wochenlang zu zweit oder zu dritt.Irgendwo im Nirwana außerhalb des Weltgeschehens,den Feind aber im Auge.
Viele waren für eine solche Extremsituation nur schlecht gewppnet,weil es im Arsenal der Zeugmeister oftmals keine Pelzmütze gab,keine warmen Filzstiefel u.keine wattegefüllten Fäustlinge.Häufig fehlte auch Ersatz."Heute",schrieb ein Kaiserjäger in sein Tagebuch,"habe ich nach 20 Tagen erstmals meine nassen Schuhe ausgezogen."
So zerstörten Italiener am 17.April 1916 die von Österreichern gehaltene Spitze des Col di Lana nahe Cortina d'Ampezzo.Am 13. März 1918 zündeten die Österreicher nach dreijährigen heftigen Kämpfen mit Tausenden von Toten im Monte Pasubio südlich von Trient eine 55 tonnen schwere Mine-dreieinhalb Stunden bevor die Italiener ihre Mine hochjagen wollten.
Gruß
Josef

Offline md11

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Kriegsjahr 1917
« Antwort #2 am: Sa, 12. August 2006, 21:59 »
Eine Karte dazu-Die Ostfront 1917-1918.
Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 14:56 von Adjutant »

 


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