Autor Thema: Der Krieg in den deutschen Kolonien  (Gelesen 2811 mal)

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Der Krieg in den deutschen Kolonien
« am: Mo, 19. Februar 2007, 20:32 »
Erst nachdem Deutschland zu einem Reich - dem Zweiten Reich, ausgerufen im Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles - geworden war, konnte es wie die anderen europäischen Großmächte nach einem Weltreich streben. Deren umfangreiche Eroberungen ließen dem neuen Staat nur geringe Beute übrig. Nordafrika war zu diesem Zeitpunkt französisch, Mittelasien und Sibirien russisch, Indien britisch. Heinrich von Treitschke, der Ideologe des deutschen Nationalismus, verkündete, Kolonisation sei eine Frage von Leben und Tod. Dennoch war die Begeisterung für den Erwerb von Kolonien in der Bevölkerung kaum verbreitet, vielleicht weil die einzigen noch verfügbaren Gebiete in den weniger begehrten Teilen Afrikas lagen. Den Anstoß, auf diesem Kontinent Fuß zu fassen, hatten deutsche Kaufleute gegeben. Sie hatten zwischen 1884 und 1914 an der Westküste in Kamerun, Togo und Südwestafrika (heute Namibia) und an der Ostküste im heutigen Tansania Handelsenklaven gegründet, die die deutsche Reichsregierung dann konsolidiert hatte. Darüber hinaus hatte sie durch Kauf und vorsichtigen weltweiten Kräfteeinsatz Papua-Neuguinea, Samoa sowie die Karolinen-, Marshall-, Salomon-, Marianen- und Bismarck-Inseln im Pazifik erworben. 1898 war den Chinesen durch einen Pachtvertrag die Küstenregion von Kiautschou mit dem Hafen Tsingtau abgerungen worden.
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Bei Kriegsausbruch versuchten die Briten und Franzosen sofort, die Schutztruppen der deutschen Kolonien auszuschalten. Die Japaner gingen gegen Tsingtau und gegen die deutschen Inselgruppen im Mittelpazifik vor. Sie waren am 23. August 1914 in den Krieg eingetreten, angeblich weil sie - nach ihrer Auslegung des britisch-japanischen Vertrags von 1911 - dazu verpflichtet waren, in Wirklichkeit jedoch, um ihre strategische Position im Pazifik auf Kosten Deutschlands zu verbessern. Im Laufe des Oktober besetzte Japan die Marianen-, die Marshall- und die Karolinen-Inseln. Diese Inselgruppen, die nach 1918 japanische Mandatsgebiete wurden, sollten im Zweiten Weltkrieg die äußere Peripherie des japanischen Inselbollwerks gegen die Vereinigten Staaten bilden. Samoa wurde am 29. August von neuseeländischen Truppen eingenommen, Deutsch-Neuguinea ergab sich am 17. September bedingungslos einer australischen Expeditionstruppe, ebenso die Salomon-Inseln und der Bismarck-Archipel. Die Niederwerfung von Tsingtau dauerte etwas länger. Stark befestigt und von über 3000 deutschen Marinesoldaten verteidigt, war Tsingtau für jeden Angreifer ein gewaltiges militärisches Hindernis. Die Japaner gingen kein Risiko ein, landeten mit 50 000 Mann und begannen eine regelrechte Belagerung. Später schlossen sich ihnen die 2nd South Wales Borderers und die 36th Sikhs aus dem britischen Vertragsgebiet von Tientsin an.- Vor ihnen lagen drei Verteidigungsstellungen. Die ersten beiden wurden von den Deutschen kampflos aufgegeben; vor der dritten zogen die Japaner Quergräben - nach den Dienstvorschriften für einen Belagerungskrieg - und eröffneten das Feuer mit 28-cm-Haubitzen, ähnlich denjenigen, mit denen sie zehn Jahre zuvor die russischen Verteidigungsstellungen bei Port Arthur bezwungen hatten. In der Nacht vom 6. zum 7. November griff die japanische Infanterie über ein Niemandsland an, das auf weniger als 300 m zusammengeschrumpft war, und am nächsten Morgen kapitulierte Kapitän zur See Alfred Meyer-Waldeck, der Gouverneur von Kiautschou.
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 14:31 von Adjutant »

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Der Krieg in den deutschen Kolonien
« Antwort #1 am: Mo, 19. Februar 2007, 20:37 »
Von seinen Marinesoldaten waren 200, von den japanischen Angreifern 1455 gefallen. Es war ein tapferer, wenn auch nur symbolischer Widerstand gewesen.

In Afrika wurde die winzige Kolonie Togo - zwischen der britischen Goldküste (heute Ghana) und dem französischen Dahomey (heute Benin) - am 27. August 1914 von den West African Rifles und den Tirailleurs senegalais rasch überrannt. Kamerun, so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen, war schwieriger zu bezwingen. Die deutsche Schutztruppe bestand aus etwa 1000 Europäern und 3000 Afrikanern. Die alliierte Streitmacht umfasste Truppen aus Nigeria, der Goldküste und Sierra Leone unter britischem Kommando, französische afrikanische Infanterie und ein belgisches Kontingent aus dem Kongo. Zusammen mit Zehntausenden von Trägern - eine unerlässliche Unterstützung bei jedem Feldzug durch den Urwald oder das Buschland Afrikas - wuchs sie schließlich auf 25 000 Mann an und war den deutschen Schutztruppen zahlenmäßig weit überlegen. Ihre ersten Unternehmen wurden jedoch durch die Entfernungen, das Klima und die geographischen Gegebenheiten beeinträchtigt. Ende August passierten die britischen Marschkolonnen, jeweils durch 400 km unwegsames Gelände voneinander getrennt, die nigeriasnische Grenze. In der Nähe des Tschadsees rückte, auf der alten zentralafrikanischen Sklavenhändlerroute, eine erste Kolonne gegen Mora vor; die zweite näherte sich dem 800 km von der Küste entfernten Garoua; die dritte, der Küste am nächsten, wandte sich gegen Nsanakang. Alle drei Kolonnen stießen auf starken Widerstand und mussten unter schweren Verlusten umkehren.

Die Franzosen hatten etwas mehr Erfolg; sie eroberten einen Brückenkopf an der Küste und gewannen ein Gefecht bei Kousseri, südlich des Tschadsees. Nachdem Verstärkungen eingetroffen waren, gewannen die Briten die Oberhand. Mithilfe von vier britischen und französischen Kreuzern und einer Flotte kleinerer Schiffe nahmen sie die Küste ein, eroberten am 27. September Douala, die Hauptstadt der Kolonie, und zogen entlang den Flüssen und den beiden kurzen Eisenbahnlinien ins Landesinnere. Ihr Ziel war die mehr als 200 km landeinwärts liegende Stadt  Yaounde, wo die Deutschen ein Waffendepot hatten. Geschickter Widerstand der deutschen Schutztruppe, der auch während der sintflutartigen Regenzeit aufrechterhalten wurde, verhinderte die Wiederaufnahme des Vormarsches bis zum Oktober 1915. In der Zwischenzeit legten die afrikanischen Soldaten Gärten an, um ihre zeitweilig ausbleibenden Verpflegungsrationen zu ergänzen. Im November, zu Beginn der Trockenzeit, stießen die Alliierten endlich in die zentrale Bergregion vor und zwangen die meisten Deutschen, in die neutrale Enklave Spanisch-Guinea auszuweichen und sich dort internieren zu lassen. Mora, der letzte deutsche Stützpunkt im äußersten Norden, wo der Feldzug anderthalb Jahre zuvor begonnen hatte, kapitulierte erst im Februar 1916.

Das Kriegsgeschehen in Kamerun unterschied sich kaum von den Kolonialkriegen, in denen die Briten und Franzosen einst die Kriegerstämme unterworfen hatten. Der im September 1914 begonnene Feldzug in Deutsch-Südwestafrika hatte eine ganz andere Qualität.

«Deutsch-Südwest» (heute Namibia) ist ein riesiges Gebiet, sechsmal so groß wie England, trocken und unfruchtbar, und war damals von nur 80 000 Afrikanern bewohnt. Sie gehörten überwiegend zum Stamm der Herero, deren Aufstand 1904 von dem damaligen Gouverneur (dem Vater des späteren Reichsmarschalls Hermann Göring) rücksichtslos niedergeworfen worden war. Jetzt wurden sie von der 3000 Mann starken deutschen Schutztruppe und den 7000 männlichen Siedlern scharf im Auge behalten. Die deutsche Reichsregierung hatte gehofft, in «Südwest », wie in ihren anderen afrikanischen «Schutzgebieten, einen Konflikt vermeiden zu können. Sie vertraute auf eine vage gegenseitige Verpflichtung zur Neutralität in Afrika, auf die sich die Kolonialmächte 1885 geeinigt hatten.
Die Briten wollten davon jedoch nichts mehr wissen und begannen sofort eine Expedition zu Wasser und zu Land gegen die deutsche Kolonie, obwohl sie bei Kriegsausbruch ihre Garnison aus der benachbarten Südafrikanischen Union abgezogen hatten und sich auf die Defence Force verlassen mussten, die zu einem großen Teil aus Buren (ihren Gegnern im Krieg von 1899-1902) bestand. Sie verfügten über rund 60 000 Mann. Ein Teil, etwa die Africah Permanent Force, waren reguläre Truppen, Großbritannien (aus dem viele stammten) treu ergeben. Die Citizen Force war gespalten. Einige ihrer Verbände, etwa die Durban Lightlnfantry oder die Imperial Light Horse, waren Südafrikaner englischer Herkunft und der Krone gegenüber loyal; ebenso die aus Ostafrika zu Hilfe eilenden Kontingente weißer Rhodesier (darunter der spätere Luftmarschall «Bomber» Harris). Bei anderen war die Sache schwieriger. Von den jetzt in britischen Diensten stehenden ehemaligen Burenführern hatte General Louis Botha ein für alle Mal seinen Frieden mit den Briten gemacht. Er fühlte sich Jan Smuts, einem der verwegensten Generale des Burenkrieges, der inzwischen Ministerpräsident der Südafrikanischen Union war, persönlich verpflichtet. Christiaan de Wet, ein Held des Burenkriegs, und Christiaan Beyers, Kommandeur der Defence Force, rebellierten offen, ebenso General Jan Kemp, der seinen Abschied nahm, und Oberst Salomon Maritz, der den Gehorsam verweigerte. Deshalb fand sich Großbritannien gleich zu Beginn nicht nur in einen Kolonialfeldzug gegen die Deutschen, sondern auch in eine Burenrebellion verwickelt.

Zum Glück für die Briten eskalierte die Rebellion nicht. Zwar schlossen sich ihr etwa 11000 Afrikaander an. Ihnen standen jedoch 30000 Loyalisten - Buren und Briten - gegenüber, die bis Januar 1915 fast alle Rebellen zur Unterwerfung zwingen konnten; einige wenige begaben sich auf deutsches Gebiet. Jetzt begann ernsthaft der Krieg gegen die Deutschen. Die Armee wurde in vier Marschkolonnen eingeteilt. Die meisten Soldaten waren beritten, viele von ihnen burische «Burgher», die teilweise 1881 bei Majuba gegen die Briten gekämpft hatten. Sie näherten sich den deutschen Widerstandszentren aus verschiedenen Richtungen: von der Küste, vom Oranje-Fluss und von Betschuanaland, dem riesigen Protektorat (heute Botswana) nördlich der Union. Ihr Ziel war Windhuk, die Hauptstadt der deutschen Kolonie, auf die sich die Deutschen kämpfend zurückzogen. Nach der Einnahme der Stadt am 12. Mai 1915 ging der Widerstand weiter, allerdings unter Austausch von Höflichkeiten zwischen den beiden Seiten. Die Lage der Deutschen war hoffnungslos. Gegen eine vielfache Übermacht kämpfend, noch dazu in einer der ödesten Regionen der Welt, und ohne jede Aussicht auf Nachschub von außen, ergaben sie sich schließlich am 9. Juli 1915 bedingungslos. Die deutschen Offiziere durften ihre Degen behalten; die deutschen Siedler, die als Reservisten gekämpft hatten, durften auf ihre Farmen zurückkehren - mit Waffen und Munition, damit sie sich, ihre Familien und ihr Eigentum schützen konnten. Bis heute ist Windhuk die einzige unverwechselbar deutsche Stadt in der südlichen Hemisphäre.

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Der Krieg in den deutschen Kolonien
« Antwort #2 am: Mo, 19. Februar 2007, 20:47 »
1916 war Deutsch-Ostafrika, das heutige Tansania, das letzte Zentrum deutschen Widerstandes gegen britische und französische Truppen in den Kolonien. Der Krieg hatte hier am 8. August 1914 begonnen, als der britische Kreuzer Astraea den Hafen Daressalam beschoss. Dann legten sich die Feindseligkeiten. Als sie wieder ausbrachen, sollten sie den im November 1918 geschlossenen Waffenstillstand in Europa überdauern, ein Beweis für die außergewöhnliche Zähigkeit und kühne Führung des Generalmajors Paul von Lettow-Vorbeck, der die Schutztruppen der Kolonie kommandierte. Er war mit seinen 44 Jahren bei Kriegsausbruch bereits ein erfahrener Kolonialkrieger: 1900 hatte er im deutschen Kontingent den Boxeraufstand in China, später aufständische Hereros und Hottentotten in Deutsch-Südwestafrika bekämpft. Seine Ernennung zum Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika war bezeichnend für sein Ansehen. Die dänische Baronin Karen Blixen, die Autorin des Buches Out of Africa, die auf demselben Schiff wie Lettow-Vorbeck ausreiste, schrieb in ihren Erinnerungen, kein anderer Deutscher habe ihr einen so starken Eindruck vom kaiserlichen Deutschland vermittelt.Deutsch-Ostafrika war das Juwel unter den überseeischen Besitzungen des Deutschen Reiches. Togo war eine Bagatelle, Kamerun ein fast unbevölkertes, von Malaria geplagtes Land, «Deutsch-Südwest» eine schöne, aber öde Wüste. Deutsch-Ostafrika - im Norden vom britischen Kenia und Uganda, im Westen von Belgisch-Kongo und vom britischen Protektorat Njassaland beziehungsweise Rhodesien, im Süden von Portugiesisch-Mosambique begrenzt - erstreckte sich über den landschaftlich schönsten und potenziell produktivsten Teil des Kontinents. An seinen Grenzen lagen der Viktoriasee, der Tanganjikasee und der Njassasee, und auf seinem Gebiet erhob sich der Kilimandscharo.

Zunächst sah es so aus, als gelte die Vereinbarung der Kolonialmächte aus dem Jahr 1885, Schwarzafrika aus den Feindseligkeiten herauszuhalten. Der deutsche Gouverneur Schnee verbot offensive Operationen. Der Gouverneur von Britisch-Kenia erklärte, seine Kolonie sei „am gegenwärtigen Krieg nicht interessiert». Außerdem verfügte keiner der beiden Gouverneure über nennenswerte Streitkräfte. Sie rechneten nicht mit der Aggressivität ihrer jungen Männer. Lettow-Vorbeck ignorierte einfach die Anweisungen Schnees und begann seine spärlichen Truppen zu sammeln: etwa 2500 Askaris und 200 weiße Offiziere. Gleichzeitig füllte sich Nairobi, die Hauptstadt Kenias, mit kriegerischen jungen Siedlern und weißen Jägern, die alle Waffen trugen und Uniformen und einen Auftrag verlangten. Wie die konföderierten „bloods and dandies“ im April 1861 bildeten sie eigene militärische Verbände mit exotischen Namen und marschierten los, um Lettow-Vorbeck zurückzuschlagen, sobald er sich rührte. Im September begann, unabhängig von den Wünschen der beiden Gouverneure, der Krieg.

Auch die Regierungen in der Heimat wollten Krieg. Als er ausbrach, operierte der deutsche Kreuzer Königsberg vor der Küste Ostafrikas und eröffnete die Feindseligkeiten, indem er das britische Kriegsschiff Pegasus versenkte. Dieser Verlust veranlasste den Admiral der südafrikanischen Flottenstation, seine ganze Streitmacht - bestehend aus drei Kreuzern - gegen die Königsberg einzusetzen. Bald wurde diese in das sumpfige Rufiji-Delta getrieben, wo ihr Kapitän ein brillantes Ausweichmanöver durchführte, das 255 Tage andauerte. Erst nachdem die Admiralität zwei für seichte Gewässer geeignete Kriegsschiffe, die Severn und die Mersey, aus Großbritannien entsandt hatte, um die Königsberg in ihrem Versteck zu stellen, konnte sie außer Gefecht gesetzt werden. Aber selbst noch als Wrack leistete sie ihren Beitrag zum Krieg. Ein großer Teil ihrer Mannschaft ging an Land, um in die ostafrikanische Schutztruppe einzutreten. Vorher baute sie einige Schiffsgeschütze aus, die sie dann als Feldartillerie verwendete.

Die Angriffslust Lettow-Vorbecks hatte inzwischen Großbritannien veranlasst, eine militärische Expedition großen Stils gegen ihn vorzubereiten. Er fiel nicht nur in Uganda und Kenia ein, wo er auf britischem Territorium unterhalb des Kilimandscharo die deutsche Flagge hisste, sondern eröffnete auch Marine-Operationen auf den Großen Seen. Schließlich wurden Kanonenboote aus Großbritannien geschickt, um diese Binnengewässer zurückzuerobern. Die wichtigste Verstärkung waren jedoch zwei Brigaden britischer und indischer Truppen aus Indien. Die indischen Regimenter waren zweitklassig, was die britischen Berufssoldaten ausgleichen sollten. Doch das taten sie nicht. Die Landung der Expeditionstruppen am 2. November 1914 bei Tanga führte zu einer demütigenden Niederlage. Die Inder liefen davon, die Briten verirrten sich. Die Deutschen warfen den achtfach überlegenen Gegner an den Strand zurück, wo er sich am 5. November wieder einschiffte - dabei ließ er 16 Maschinengewehre, Hunderte von Gewehren und 600 000 Schuss Munition zurück.

Dieses Beutegut ermöglichte es Lettow-Vorbeck, die trägen Kämpfe des Jahres 1915 durchzustehen, in dem die Briten ihre Kräfte verstärkten und er selbst die Grundregeln für den Krieg erlernte, den er später führte. Gegen neu eingetroffene, bessere britische Truppen errang er zwar bei Jassin einen kleinen Sieg. Aber die hohen deutschen Verluste und der hohe Munitionsverbrauch - seine Askaris hatten 200 000 Schuss abgefeuert - lehrten Lettow-Vorbeck, dass er mit seinen Kräften sparsam umgehen musste, wenn er einen langen Krieg durchhalten wollte. So beschränkte er sich notgedrungen auf einen Guerillakrieg. Das war von Stund an seine Strategie.

Im März 1916 führte Jan Smuts die Truppen der Defence Force nach Norden, die nach der Eroberung Deutsch-Südwestafrikas frei geworden waren. Er plante eine konzentrische Offensive aus Kenia, Njassaland, Belgisch-Kongo und Portugiesisch-Mosambique, um Lettow-Vorbecks kleine Armee im Landesinneren aufzureiben. Aber dieser hatte nicht vor, sich fangen zu lassen. Er leistete erbitterten Widerstand so gut er konnte und überfiel die Briten immer wieder aus dem Hinterhalt, wenn sie vorrückten. Bevor deren zahlenmäßige Überlegenheit ins Gewicht fiel, entwischte er und zerstörte bei seinem Rückzug alles, was für sie hätte wertvoll sein können. Da seine Soldaten sich aus dem Land ernährten und sich Munition durch Überfälle auf den Feind beschafften, hatte er in den riesigen Weiten des Buschlandes fast unbegrenzte Möglichkeiten, sich der Niederlage zu entziehen, wie er bis zum November 1918 bewies.

Quelle-Der Erste Weltkrieg (J.Keegan)

Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 14:30 von Adjutant »

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« Antwort #3 am: Mo, 19. Februar 2007, 21:47 »
Quelle-Illustrierte Geschichte des 1.WK (Ch.Zentner)

Gruß
Josef
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