Autor Thema: Die Einführung der österr. Feldküchenwagen  (Gelesen 3175 mal)

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Offline Graf Greifenburg

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Die Einführung der österr. Feldküchenwagen
« am: Do, 12. April 2007, 14:47 »
Die Einführung von Feldküchenwagen
in der k.u.k. Armee

Im Jahr 1905 erhielt Alfred Krauß, k.u.k. Oberst im Generalstabskorps und Chef der Sektion III im Technischen Militärkomitee den Auftrag, eine Studie über die Einführung von fahrbaren Feldküchen in der k.u.k. Armee zu erstellen.

Bis zu diesem Zeitpunkt musste das ganze Feldkochgerät, darunter versteht man alle Geräte die zur Zubereitung einer warmen Mahlzeit notwendig sind, aufwändig auf Planenwagen durch den Gefechtstrain mitgeführt werden. Dieser befand sich jedoch – wie heute noch – in der Etappe, das heißt weit hinter der kämpfenden Truppe in der Tiefe des Gefechtsstreifens. Dies bedingte, dass zum Teil sehr weite Strecken zu den zu verpflegenden Soldaten zurückzulegen waren, und meistens war das Essen nicht mehr richtig warm, und musste nochmals aufgewärmt werden. Das dies der Qualität der verabreichten Speisen nicht gerade zuträglich war, liegt auf der Hand. Meistens war das Fleisch zäh und hart, die Suppe schwach und das Gemüse zerkocht mit Rauchgeschmack. Zudem mussten die Soldaten, die den ganzen Tag gewaltige Strapazen ertragen mussten, auch noch Kochgruben ausheben, Wasser und Holz heranschleppen und dann auch noch Kochen!
Dieser ganze Vorgang dauerte meist bis zu sechs Stunden, und oft waren die Soldaten danach zu müde um ihre Mahlzeit noch zu genießen. Oft war der ganze Einfluss der Offiziere notwendig, um die zum Teil schon schlafenden Soldaten zum Essen zu zwingen. Die erschöpfte Mannschaft schlief lieber, als zu essen.

Fuhrwerke fuhren mit zwei bis vier Pferden bespannt, oftmals auch mit Ochsen als Bespannung. Damit konnten täglich nicht mehr als 19 Kilometer Wegstrecke bewältigt werden. Die Futtermittel für die Eigenversorgung des Train nahmen einen nicht unerheblichen Platz in Anspruch, sodass es meist nur sehr schwer möglich war, die Truppe ausreichend mit Verpflegung zu versorgen.

Kraus stellte dabei fest:
„Der Feldherr darf nicht mit dem Hunger der Soldaten rechnen, er muss so wie Friedrich II. und Moltke wissen und sagen: Der Magen ist das Fundament jeder Armee. Er muss daher zur Vorbereitung eines Krieges so handeln wie Napoleon, er muss so vollkommen für die Ernährung des Soldaten vorsorgen, als es nur möglich ist, mit dem Willen und in der Überzeugung, mit gut genährten Truppen den Krieg so rasch zu beenden, dass der Feldzug zu kurz sein werde, um Versäumtes nachzuholen.
Die Truppe aber soll wissen, dass sie genügsam sein muss und dass im Kriege selbst bei den besten Vorsorgen ihrer Führer Tage kommen werden, an denen sie hungern muss, will sie siegen!
So verteilen sich die Rollen und nicht umgekehrt!“
Der Armeeintendant Engelhard stellte aufgrund seiner Kriegserfahrung in den Jahren 1870/71 fest, dass die militärische Führung danach zu trachten habe, für die Verpflegung sowohl in Quantität als auch Beschaffungsmodus doppelt und dreifach Vorsorge zu treffen.
Die Beschaffung erfolgte aus den militärisch-ärarischen Verpflegsdepots oder die Truppe ernährte sich „aus dem Lande“, das heißt, das die Verpflegung bei der ortsansässigen Bevölkerung angekauft, bzw. in Kriegszeiten requiriert wurde.

Kraus stellte daher weiters folgerichtig fest:
„ Große psychische Anstrengungen, schlecht gekochte, unzureichende und zu wechselnden Zeiten verabfolgte Nahrung sind daher von jeher die Ursachen größerer Verluste gewesen, als sie die blutigsten Schlachten mit sich brachten.“

Wie richtig diese Feststellungen lagen, sollen folgende Beispiele illustrieren:

Im Jahre 1812 im russischen Feldzug der napoleonischen Armee hatte man „nur“ 5000 bis 6000 Mann durch Feindeseinwirkung verloren, der Mannschafts-Stand sank in dieser Zeit um 144.000 Mann! Das heißt, dass 138.000 Mann an Erschöpfung und Schwächeanfällen aufgrund mangelhafter Ernährung starben.

1866 im preußisch-österreichischen Krieg starben auf preußischer Seite 4000 Mann, fast 13.000 Soldaten waren verwundet.
Hingegen wurden 58.000 Mann mit anderen Erkrankungen an Spitäler übergeben, von denen 5000 Soldaten verstarben.

Noch extremer ein Beispiel aus dem Russisch-türkischen Krieg 1877/78:
16.600 Gefallene, 40.300 Verwundete. Dieser Zahl gegenüber steht die Zahl der erkrankt in Lazarett eingelieferten Soldaten: 952.000 Mann, davon verstarben mehr als 54.000 Soldaten!!!

Diese Riesenverluste waren bedingt durch mangelnde Körperhygiene, als auch Lebensmittelhygiene und körperliche Erschöpfung, die Krankheiten wie Ruhr, Cholera und Typhus hervorriefen.
Dazu Kraus:
„Eine in jeder Beziehung gut genährte Truppe wird nicht nur zu größeren Marschleistungen befähigt sein, sie wird auch den Krankheiten besser wider-stehen können und daher rascher und mit höherem Stande auf den entscheiden-den Schlachtfeldern eintreffen können; sie wird dem Kriege weniger Opfer darbringen müssen, als eine schlecht genährte Truppe.“


Daher sei es nun oberstes Gebot, den Österreichern, die ihrer Wehrverpflichtung nachkommen, die Opfer möglichst auf das Schlachtfeld zu beschränken, und daher vor allem die Folgen schlechter Ernährung zu vermeiden. Dies gebiete schon die Menschlichkeit.
Es war daher höchste Zeit, durch Anschaffung von modernen Feldküchenwägen diesen Problemen Abhilfe zu schaffen. In anderen Armee – zB. in der Schweiz – waren sie zu diesem Zeitpunkt (1906) ohnehin schon über 20 Jahre in Verwendung!!
Mit angeschafft werden sollten gleichzeitig Kochkisten mit Isolierbehältern, um die Speisen warm zu halten bzw. um die Möglichkeit zu haben das Essen nach-ziehen und fertiggaren zu lassen.

Es dürfte österreichisches Schicksal sein:
Im Jahre 1906 hatte die russische Armee schon jahrelang einen österreichischen Küchenwagentyp, nämlich von der Maschinenfabrik Wilhelm Brun und Sohn aus Warschau, in Verwendung.
In Deutschland und in Frankreich begann man zeitgleich (1905) mit der Erprobung verschiedener Feldküchentypen.
Durch das Reichskriegsministerium wurde daher befohlen, während der schlesischen Manöver des 2. (Wiener) Korps in Schlesien im Jahre 1906 diverse Fahrküchen zu erproben. Als Versuchstruppenkörper fungierten das Infanterieregiment No. 4 „Hoch und Deutschmeister sowie das Infanterieregiment No. 84 „Freiherr von Bolfras“ und das bosnisch-hercegowinische Infanterieregiment No.4. Sie wurden noch vor den Manövern in ihrer Heimatgarnison Wien mit dem Umgang mit den Küchenwagen vertraut gemacht.
Erprobt wurden:
1 russischer schwerer Feldküchenwagen für Infanterie
1 russischer leichter Feldküchenwagen für Infanterie
1 russischer Kavallerieküchenwagen
1 Küchenwagen der Firma vorm. Johann Weitzer in Graz
2 Küchenwagen des Trainzeugdepots in Klosterneuburg (Type I und II)
4 Küchenwagen Firma Manfred Weiß Budapest (Type I bis IV)

Die Typen der Firma Weiß und des Trainzeugdepots unterschieden sich zumeist nur in Gewicht und Fassungsmenge der Kessel.

Als Küchen bestanden alle Fabrikate den Test, das Fleisch war weich und wohl-schmeckend, die Suppe kräftig, und die Speisen blieben noch 3 bis 4 Stunden nach Ablöschen des Kesselfeuers genügend warm.
Anders sah es da schon mit dem Material aus:
Zu hohes Gewicht der Fahrwerke, durchgebrannte Kessel, übermäßig hohes Gewicht der abgefüllten Kochkessel (200 kg!), falsche Bespannung, aber auch zu komplizierte Handhabung machten den Erprobungstruppenkörpern zu schaffen.
Durch wahrscheinlich falsche Handhabung kam es zu der Situation, dass bei den Verpflegsausgabezeiten der verschiedenen Regimenter zu Zeitunterschieden bis zu zehn Stunden kam!

Aufgrund dieser gewonnenen Erfahrungen modifizierten die Hersteller ihre Modelle, die Materialien wurden verbessert, vor allem war man bestrebt Gewicht einzusparen, und die Qualität der Räder zu verbessern.

Es dauerte bis zum Jahre 1909, dass die Feldküchen in der k.u.k. Armee normiert und zugeliefert wurden. Man entschied sich für zwei Typen:
Die Fahrküche M 09 der Firma Manfred Weiß in Budapest und die Drehküche der Firma August Warchalowski – Werner & Pfleiderer aus Wien.

Diese Einführung verbesserte die Situation der Soldaten erheblich, man konnte nun sicher sein, die Verpflegung für die damaligen Verhältnisse auf maximale Qualität gehoben zu haben.


Quellen:
KRAUSS Alfred: Feldküchenwagen, Wien 1907
HEIMATMUSEUM KIERLING:Der fahrbare Feldbackofen M. 1901 und sein Einsatz im Ersten Weltkrieg 1914-1918
Urbaner Hans (Hrsg) „Ohne Mampf kein Kampf“ – Die Geschichte der Verpflegung im Heer, Projektarbeit HVS, Wien 2003
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 14:06 von Adjutant »
Besser einen Doppeladler als einen Pleitegeier
Grüsse aus Wien
Graf Greifenburg

Offline zirkulon

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Die Einführung der österr. Feldküchenwagen
« Antwort #1 am: Do, 12. April 2007, 17:38 »
Sehr interessanter Beitrag. Danke dafür und noch ein
Herzliches Willkommen bei uns.

Gruß
Michael
Bei allen von mir erstellten Beiträgen berufe ich mich auf :
Artikel 5, GG der BRD.
Artikel 11, Charta der Grundrechte der EU.
Artikel 19, Menschenrechtscharta der UN.

Was Du nicht willst dass man Dir tu,
das füg´ auch keinem Andern zu

Offline Adjutant

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Die Einführung der österr. Feldküchenwagen
« Antwort #2 am: Do, 12. April 2007, 17:52 »
ist ein Kamerad von mir :D
seht euch mal seine Homepage an !!

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« Letzte Änderung: Mi, 30. Juli 2008, 10:31 von Adjutant »
" Tradition ist die Flamme hüten und nicht die Asche bewahren "
Grüße aus Wien

 


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