Autor Thema: Die k. k. LANDWEHRGEBIRGSTRUPPEN  (Gelesen 2449 mal)

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Die k. k. LANDWEHRGEBIRGSTRUPPEN
« am: Do, 13. November 2008, 12:49 »
DIE k. k. LANDWEHRGEBIRGSTRUPPEN Teil 1

von Hauptmann  SCHUBERT


Zu den originellsten und modernsten Truppen unserer Armee zählen die
k. k.  Landwehrgebirgstruppen  - Touristen, die der Gletscherwelt des Ortler oder der zerklüfteten Felsregion der Dolomiten und der Karawanken einen Besuch abstatten, finden häufig Gelegenheit, diese im Volksmund “Kaiserschützen” genannten Truppen bei der Arbeit zu sehen.
Ihre Entstehung reicht auf das Jahr 1906 zurück;  damals hatten die Erfahrungen der 1905 in Nonstale abgehaltenen Kaisermanöver die Notwendigkeit einer für die Kriegführung und die Grenzsicherung im Hochgebirge speziell organisierten, ausgerüsteten und ausgebildeten  Truppe neuerlich vor Augen geführt, weshalb der damalige Innsbrucker Divisionär und jetzige Chef des Generalstabes G.d.I. Freiherr Conrad von Hötzendorf die Errichtung einer solchen Truppe anregte.
Tatsächlich wurden mit 1. Juni 1906 die beiden Tiroler Landesschützenregimenter und das Landwehrinfanterieregiment Klagenfurt Nr. 4 in Gebirgsregimenter umgewandelt;  in den folgenden Jahren wurde das III. Landesschützenregiment neu aufgestellt und auch das Landwehrinfanterieregiment Laibach Nr. 27 als Gebirgsregiment organisiert, so dass gegenwärtig fünf solche Regimenter mit zusammen  51 Kompagnien und 16 Gebirgs-Maschinengewehrabteilungen bestehen.
Der Friedensstand der Gebirgskompagnien (5 Offiziere und Fähnriche, 120 Mann) ist höher als jener der normalen  Landwehr-Infanteriekompagnien, was durch Ausbildungs- und Schlagfertigkeitsrücksichten bedingt ist;  er erfährt während des Sommers durch Heranziehung von Reservisten eine weitere Erhöhung. Die Bataillone sind zu selbständiger Verwendung geeignet gemacht.
Die Gebirgstruppen ergänzen sich vorwiegend aus der Umgebung ihrer Standorte;  weil aber die Gebirgsländer, insbesondere Tirol, die zur Eränzung der Gebirgstruppen nötige Anzahl von Landwehrrekruten allein nicht aufzubringen vermögen,  muss ein Teil der Mannschaft anderen Territorialbereichen entnommen werden.
Bei den Gebirgstruppen werden nur Offiziere eingeteilt,  die volles Verständnis für das Wesen und die Wichtigkeit des Gebirgsdienstes und grosse physische Leistungsfähigkeit besitzen. Sehr gross ist mit Rücksicht auf die vielen detachierten Kompagnien die Zahl der Ärzte bei diesen Regimentern,  meist junge Militärärzte die Vorliebe für das Gebirge bekunden und gleich ihren Frontkameraden die grössten Strapazen frohen Mutes auf sich nehmen.
DieErgänzung des Reserveoffizierskorps erfolgt grösstenteils durch Einjährig-Freiwillige, die bei den Landwehrgebirgstruppen  gedient und so ihre physische Eignung für den Gebirgsdienst erwiesen haben.
Die Bewaffnung der Landwehrgebirgstruppen besteht aus Repetierstutzen und Bajonett für das Gros der Mannschaft,  Karabiner und Bajonett für die Tragtierführer und Fahrsoldaten, kurzem Offizierssäbel, beziehungsweise kurzem Unteroffizierssäbel für die Offiziere und Feldwebel (Oberjäger, Stabsführer, Rechnungsunteroffiziere, Sanitätsunteroffiziere, Waffen- und Beschlagmeister)  und Pioniersäbel für die Bandagen- und  Blessiertenträger.
Die Bekleidung ist den speziellen Anforderungen des Gebirgsdienstes angepasst;  sie besteht aus einer kurzen Kniehose mit Wadenstutzen und aus einer Joppe, welche so weit geschnitten ist (Rückenfalte), dass darunter ein oder mehrere Wollleibchen zum Schutze gegen Kälte angezogen werden können;  Mantel ist keiner normiert, sondern nur ein kurzer Kragen, zum Schutze gegen Regen.
Die ganze Mannschaft ist mit einer reichen alpinen Ausrüstung (Bergstöcke, Steigeisen, Seile, Eispickel, Schneereifen, Ski, Schneebrillen und dergleichen) versehen.
Als besonderes Abzeichen tragen die Gebirgstruppen silbergesticktes Edelweiss auf Rockkragen und Joppenparoli und einen Spielhahnstoss auf der  Kappe,  die Offiziere überdies Achselklappen mit dem Allerhöchsten Namenszug. Während für die Offiziere und längerdienenden Unteroffiziere, dann für die Einjährig-Freiwilligen auch Waffenröcke normiet sind,  erscheint die übrige Mannschaft auch zur Parade in der Joppe mit dem Spielhahnstoss auf der Kappe.
Ein wesentlicher Untersschied in der Organisation der Gebirgstruppen gegenüber allen anderen Truppen ist ihre Dotierung mit einem Teile des Trains schon im Frieden. So besitzt jede Kompagnie drei Tragtiere, die zur Fortbringung von Munition, Verpflegung, der Kochkörbe etc. benützt werden und daher den Unterabteilungen eine für die Ausbildung sehr vorteilhafte Freizügigkeit verleihen.- Überdies hat jedes Bataillon ein ärarisches Automobil,  das zum Krankentransport und bei grösseren Übungen zur Fortbringung der Bagage etc. verwendet wird.
Die Dislokation der Gebirgstruppen steht mit ihrer Ausbildung in engem Zusammenhange. Man unterscheidet die in den Grenzabschnitten der Kompagnien liegenden “Sommerstationen”, in welchen auch die spezielle alpine Ausbildung erfolgt, und die tiefer im Tale gelegenen “Winterstationen”, in denen die Rekrutenausbildung, Spezialausbildungen aller Art, dann meist auch die Skiausbildung stattfinden.
Das Zierl der Ausbildung ist die Überwindung auch des schwierigsten Terrains durch ganze Abteilungen;  dieses Ziel wird durch unausgesetzte praktische Schulung im Terrain und durch zahlreiche Patrouillierungen zu jeder Jahreszeit erreicht.


« Letzte Änderung: Fr, 18. Juni 2010, 22:07 von Adjutant »
" Tradition ist die Flamme hüten und nicht die Asche bewahren "
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Re: Die k. k. LANDWEHRGEBIRGSTRUPPEN
« Antwort #1 am: Do, 13. November 2008, 12:53 »
DIE k. k. LANDWEHRGEBIRGSTRUPPEN Teil 2

Eine Anzahl von Offizieren und Mannschaft erhält noch eine spezielle Schulung zur Lösung besonders schwieriger Aufgaben im Hochgebirge. Dies geschieht im Sommer durch Bergführerkurse,  im Winter durch alpine Skikurse.
Die Bergführerkurse sollen den Gebirgstruppen einen gewissen Kern von Offizieren und Mannschaft schaffen, der allen Lagen, auch den schwierigsten Situationen, in welche Gebirgstruppen einerseits durch auszuführende Aufgaben, andererseits durch  Witterungsverhältnisse kommen können,  gewachsen ist.
Daher werden für diesen Kurs Offiziere und Mannschaft entsprechend ausgewählt;  in erster Linie kommen  freiwillig sich meldende Leute in Betracht,  die von Haus aus mit Lust und Liebe,  die grossen sich ergebenden Strapazen auf sich nehmen und diesem schwierigen Sport das unbedingt notwendige Interesse entgegenbringen.
Die Ausbildung im Skilaufen spielt sich während des Winters zunächst bei den Unterabteilungen ab;  nach  Beendigung dieser Ausbildung werden die besten Skiläufer in Regimentsskikurse (“alpine Winterkurse”) vereinigt, in denen die Ausbildung ins Hochgebirge verlegt wird,  um ebenfalls eine Anzahl von Offizieren und Mannschaft heranzubilden,  die mit den Eigentümlichkeiten und Gefahren des Hochgebirges im Winter vollkommen vertraut sind.
Besonders rege wird bei den Landwehrgebirgstruppen die Schiessausbildung betrieben. Jeden zweiten Sommer findet abwechselnd bei einem der fünf Regimenter ein Preisschiessen statt, das von Seiner Majestät, zahlreichen Mitgliedern des Allerhöchsten Kaiserhauses, vom Kriegsministerium, Ministerum für Landesverteidigung und militärischen sowie zivilen Würdenträgern mit hohen Ehren- und Geldpreisen dotiert wird, und an dem alle Offiziere und zahlreiche Unteroffiziere dieser Truppen, überdies von jedem Regiment fallweise bestimmte Mannschaft teilzunehmen haben. Der beste Schütze dieser Regimenter erhält eine auf der rechten Brustseite zu tragende Medaille mit der Aufschrift “Der Oberste Kriegsherr dem Meisterschützen”.
Speziell bei den Tiroler Landsschützen dienen noch zwei besondere Institutionen zur Hebung der Schiessausbildung:  das Tiroler Standschützenwesen und die Oberscharfschützen-Institution. Jeder siebzehnjährige Tiroler und Vorarlberger wird zur Inskription an einem der in jeder grösseren Ortschaft bestehenden Gemeindeschiessstände aufgefordert;  die sich freiwillig Meldenden erhalten an Sonn- und Feiertagen von einstigen Unteroffizieren der Landessschützen die erste Schiessausbildung und  beteiligen sich an den zahlreichen Preisschiessen der Gemeinden. Die besten Schützen werden nach mehrjähriger Beteiligung zu Standschützen ernannt.
Alle 17- bis 20-jährigen Tiroler und Vorarlberger werden alljährlich zu den mehrtägigen  “Landsturmschiessübungen” einberufen, die unter Leitung von Offizieren diesen Landsturmpflichtigen die elementare militärische Schiessausbildung vermitteln.
Mehjährige erfolgreiche Betätigung bei diesen beiden Institutionen gibt Anspruch auf Erleichterungen in der Erfüllung der Wehrpflicht durch Entfall von Waffenübungen und dergleichen.
Die Oberscharfschützen-Institution bezweckt die Hebung der Schiessausbildung jener Mannschaft , die bei den drei Tiroler Landesschützenregimentern und bei der Reitenden Tiroler Landesschützendivision aktiv dient. Alle im Laufe des Jahres nach den Bestimmungen der Schiessinstruktion zu “Scharfschützen” ernannten Leute unterziehen sich einer strengen Prüfung im Schiessen, die im Juni jeden Jahres unter Vorsitz dess Landesschütrzenbrigadiers in Bozen stattfindet.
Die besten Aspiranten werden zu “Oberscharfschützen” ernannt, erhalten ein besonderes Abzeichen  (goldene Schnur mit Metalleicheln auf der linken Brustseite) und eine Zulage von 20 Heller täglich auf die ganze Dauer ihrer aktiven Dienstzeit.
Hand in Hand mit der Schiessausbildung geht eine intensive Schulung im Distanzschätzen, das im Gebirgsterrain infolge der geringen Garbentiefe und der oft schwer sichtbaren Geschoss-Aufschläge besonders wichtig ist. Auch der Ausbildung im optischen Signaldienst, besonders bei Nacht, wird grosser Wert beigemessen.
Infolge ihrer vorzüglichwen Organisation und Ausrüstung und ihrer zielbewussten intensiven Ausbildung stellen die  k.k. Landwehrgebirgstruppen eine Gebirgstruppe ersten Ranges,  eine treffliche Wacht an unserer Grenze dar, mit der unser Vaterland voll und ganz rechnen kann, wenn sie einst unser Oberster Kriegsherr als erste an den Feind rufen sollte.


Auszug aus dem Buch "Die Wehrmacht der Monarchie"
" Tradition ist die Flamme hüten und nicht die Asche bewahren "
Grüße aus Wien

 


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