Autor Thema: IRO-International Refugee Organization  (Gelesen 2925 mal)

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IRO-International Refugee Organization
« am: Fr, 15. September 2006, 19:48 »
Am 1.Juni 1947 übernahm die IRO (International Refugee Organization),eine im Dezember 1946 gegründete Organisation(UNRRA),die Flüchtlingsbetreuung von 718.600 Flüchtlingen,von denen 5.794 deutsche Emigranten waren.Sie verfolgte,wie bereits die UNRRA,das Ziel,den Flüchtlingen rechtlichen und politischen Schutz zu gewährleisten und eine Identifizierung und Registrierung zu ermöglichen.
Wie in dem Fünf-Mächte-Abkommen festgelegt worden war,sollte der "Liquidationserlös deutscher Auslandsvermögen in neutralen Ländern zur Wiedereingliederung"der nicht in ihre Heimatländer zurückkehrenden Flüchtlinge genutzt werden.So wurde den DPs weitgehend das gleiche Recht zuteil,wie den in Deutschland lebenden Bürgern.Ein Problem gab es dennoch.Die Arbeit der IRO galt ihrer Satzung nach nur echten Flüchtlingen.Damit war ein Teil der Flüchtlinge ohne Unterstützung der IRO:
Es waren von der Betreuung ausgeschlossen:

1.Kriegsverbrecher,Quislinge und Verräter
2.Personen,die dem Feind halfen (Kollaborateure)
3.gewöhnliche Verbrecher,die laut Vertrag auslieferbar sind
4.Personen volksdeutscher Abstammung,ob deutscher Nationalität oder Mitglieder von deutschen Minoritäten anderen Ländern,die
a)schon nach Deutschland gebracht worden sind oder von anderen Länder nach Deutschland gebracht werden sollen
b)während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland in andere Länder evakuiert sind
c)von oder nach Deutschland oder in ihren Wohnsitzen in anderen Ländern nach Deutschland geflohen sind,um nicht in die Hände der alliierten Armee zu fallen
5.Personen,die finanzielle Unterstützung vom Land ihrer Nationalität erhalten.
6.Personen,die sich seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges an Organisationen des Terrors beteiligten.
Durch die Ausschließung gewisser Flüchtlingsgruppen von der IRO-Unterstützung wird deutlich,dass der Schutz von Minderheiten,der in den Minderheitenschutzverträgen von 1919 festgelegt wurde,nicht mehr galt.Aber es gab noch weitere Schwierigkeiten.In einem Bericht der Flüchtlingskomission des Weltkirchenrates,im August 1948,ist die Rede davon,dass besonders Hilfsorganisationen ungewollt dazu beitrügen,dass noch mehr Menschen entwurzelt würden.Durch die Verschleppung und Deportation (z.B.in die UdSSR),aber auch durch eine Verlagerung der Heimatlosen Ausländer,wie sie unter anderem auch die IRO durchführte,mögen noch einmal Tausende ihre Heimat verloren haben.Oftmals wurden beispielsweise Kinder und Mütter deportiert,während die Väter zurückbleiben mussten.
Nach Schätzungen des Weltkirchenrates gab es 1948 in Europa 12 Millionen entwurzelte Personen.
Die IRO stellte ihre Arbeit 1952 ein,nachdem sie etwa eine Million Menschen betreut hatte.Sie wurde ersetzt durch das Büro des United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR).
Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 07:46 von Ulla »

 


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