Autor Thema: Korea Krieg 1950-1953  (Gelesen 12893 mal)

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Korea Krieg 1950-1953
« Antwort #20 am: Fr, 23. Februar 2007, 21:28 »
Zwei Tage später, am 29., ist MacArthur da, um in der halbausgebrannten, fensterlosen Ruine des Parlamentsgebäudes in einer sehr gefühlsbetonten Feierstunde die südkoreanische Regierung, repräsentiert durch Syngman Rhee, wiedereinzusetzen. Der alte Rhee ist verständlicherweise ergriffen, weinend feiert er MacArthur als „den Retter unseres Volkes", und der sieht sich durchaus auch so. Nur: „Leichengeruch drang durch die zerborstenen Fenster herein", notierte selbst er nüchtern über die Begleitumstände der erhebenden Feier.

Abgesehen von dem düsteren Fleck der militärisch überhaupt nicht notwendigen Vernichtung Seouls erwies sich MacArthurs verrückt-geniales strategisches Konzept als glanzvoller Volltreffer: Säuberlich abgestimmt mit dem Landungsunternehmen faßte General Walker, der Kommandeur im Pusan-Kessel, seine besten Kräfte in der Nordwestecke zusammen, trat - als die Landung gelang - zum Angriff an und durchbrach, wenn auch gegen wütendsten Widerstand, die Einschließung, stürmte nordwestlich vorwärts und traf bei Osan die südostwärts vorstoßenden Verbände des Landungskorps - die Masse der nordkoreanischen Angreifer war damit in der ' Südwestecke des Landes abgeschnitten  und verloren.

Selten in der modernen (auch der klassischen) Kriegsgeschichte hat es einen so kurzfristigen Umschwung von greifbarem Sieg zur totalen Niederlage gegeben. Die Nordkoreaner fassen, begreifen das nicht, sind von einem auf den nächsten  Tag total demoralisiert. Die Amerikaner tun sich nicht schwer, in dem Riesenkessel , zwischen Pusan und Inchon 100 000 entnervte Gefangene einzubringen, und in der Verfolgungsjagd entlang der Westküste  noch einmal 30 000.

Wenn man das zusammenrechnet, und dazu die Verluste des dreimonatigen Kampfes, dann ist das die gesamte nordkoreanische Armee - und so war's auch. MacArthur hatte einen brillanten Sieg errungen - seinen letzten. Und dieser Sieg trug, gerade weil er so perfekt war, den Keim der bitteren Niederlage, die ihm folgte, schon in sich. Anfang Oktober 1950 allerdings scheinen die Weichen immer noch auf Sieg gestellt. Die Armee der nordkoreanischen Angreifer ist zerschlagen, das Opfer des Überfalls, die Republik Südkorea, befreit und wiederhergestellt. Die Frage ist nur, wie geht es weiter?

Für Südkoreas Präsidenten Dr. Syngman Rhee und auch für MacArthur ist die Sache klar: weiter, den Resten des zerschlagenen Feindes folgen, ganz Korea „befreien" und so wiedervereinigen. Präsident Truman in Washington und auch den Joint Chiefs of Staff ist die Sache so klar nicht - ein Vormarsch nach Nordkorea hinein könnte schwer absehbare Folgen haben.

MacArthur erhält zunächst einmal hinhaltende Direktiven: ob er den 38. Breitengrad, die alte Grenzlinie, mit seinen Truppen überschreite oder nicht, das solle er nach militärischen Gesichtspunkten entscheiden; soweit es nötig sei, um die bisherigen Erfolge zu sichern, möge er vorerst nur südkoreanische Truppen über den Breitengrad schicken.
Aber in dieser Hinsicht hatte MacArthur ganz andere Vorstellungen als die Politiker imfernen Washington.

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Josef
« Letzte Änderung: Mi, 16. März 2016, 23:29 von md11 »

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Korea Krieg 1950-1953
« Antwort #21 am: So, 04. März 2007, 18:55 »
Dje Zeichen scheinen, Anfang Oktober 1950, auf Sieg gestellt: Die Armee der nordkoreanischen Angreifer ist zerschlagen, das Opfer des Überfalls, die Republik Südkorea, befreit und wiederhergestellt. Die Frage ist nur, wie geht es weiter?

Für Südkoreas Präsidenten Dr. Syngman Rhee und auch für MacArthur ist die Sache klar: Weiter, den Resten des zerschlagenen Feindes folgen, ganz Korea „befreien" und so wiedervereinigen. Präsident Truman in Washington und auch den Joint Chiefs of Staff ist die Sache so klar nicht - ein Vormarsch nach Nordkorea hinein könnte schwer absehbare Folgen haben.

MacArthur erhält zunächst einmal hinhaltende Direktiven. Ob er den 38. Breitengrad, die alte Grenzlinie, mit seinen Truppen überschreite oder nicht, das solle er nach militärischen Gesichtspunkten entscheiden; soweit es nötig sei, um die bisherigen Erfolge zu sichern, möge er vorerst nur südkoreanische Truppen über den Breitengrad schicken.

MacArthur legt diese Weisung überaus großzügig aus, er hält es halt für zwingend nötig, dem geschlagenen Gegner nachzusetzen. Zwar sind es tatsächlich zwei südkoreanische Divisionen, die als erste - an der Ostküste - über den 38. Breitengrad nach Nordkorea vordringen, aber gleich darauf, am 4. Oktober, stößt auch die 1. US-Kavallerie-Division nördlich von Seoul über die Grenze vor, in Richtung auf die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang.

Als das geschieht; ist noch durchaus zweifelhaft, ob Aktionen gegen Nordkorea von dem UNO-Auftrag gedeckt sind, doch da. bleibt nicht lange so: Am 7. Oktober beschließt die Vollversammlung neuerlich eine Resolution, die es den UNO-Truppen - außer Amerikanern und Südkoreanern sind inzwischen auch eine britische und ein( türkische Brigade eingetroffen - zur Aufgabe macht, „in Verfolgung der Aggressoren die Polizeiaktion auf Nordkorea aus zu dehnen und den gesamtkoreanischer Staat wiederherzustellen."

Dieser weitreichende UNO-Beschluß, de entschieden über das ursprüngliche Ziel der „Polizeiaktion" (Zurückweisung der Angreifer) hinausging, kam nicht zuletzt dadurch zustande, daß die  nordkoreanischen Angreifer in der kurzen Zeit ihre Herrschaft über fast ganz Südkorea dort entsetzlich gehaust hatten. Man fand Massengräber mit von Foltern grausam verstümmelten Leichen echter und vermeintlicher Gegner der neuen roten Herr scher, auch viele amerikanische und süd koreanische Gefangene waren bestialisch gequält und dann erschlagen worden. Dies alles ließ den anfangs unbehaglichen Gedanken, dem alten, autokratischen Dr. Rhee womöglich die Macht über ganz Korea zuzuschanzen, rasch verblassen: verglichen mit dem, was die nordkoreanischen Kommunisten praktizierten, erschien Dr. Rhee nachgerade als Hüter demokratische Rechte und Freiheiten.

Man muß sich auch erinnern, daß der UNO die damals noch in Lake Success auf Long  Island bei New York residierte, 1950 erst knapp 60 Mitgliedstaaten angehörten und daß die Vollversammlung noch nicht, wie heute, von jungen Nationen majorisiert wurde, die selbst mieseste Gewaltakte gutheißen, sofern sie nur in den eigenen Kram passen. Damals stellten noch echt demokratische Staaten die satte Mehrheit.

Diese Mehrheit also gab MacArthur grünes Licht für den Vorstoß nach Nordkorea, zugleich wurde der General nochmals als Oberbefehlshaber der UNO-Streitmacht (CINCUNC) bestätigt.

Den Plan für die Eroberung Nordkoreas hat der CINCUNC zu diesem Zeitpunkt längst fertig, der Plan ist sogar schon von den Joint Chiefs of Staff in Washington gebilligt, trotz großer Bedenken der Stabschefs. Denn es ist abermals ein sehr, sehr merkwürdiger Plan.

Die 8. Armee unter General Walker soll diesem Plan zufolge, nachdem sie inzwischen aus dem Kessel von Pusan bis in die Gegend von Seoul gelangt ist, weiter nordwärts angreifen, Pjöngjang nehmen und dann zum koreanisch-chinesischen Grenzfluß Yalu vorstoßen.

Das X. Corps unter General Almond, das die spektakuläre Landung in Inchon vollzogen hat, soll wieder auf die Schiffe, um ganz Korea herumgeschippert werden und dann bei Wonsan an der Nordostküste abermals tief im Rücken des Feindes landen.

Bild- Abgekämpft und zerlumpt kehren UN-Truppen von der Front zurück.Die Winterkleidung,mit der sie nicht ausgerüstet waren,haben die gegnerischen Soldaten abgenommen.
« Letzte Änderung: Mi, 16. März 2016, 23:29 von md11 »

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Korea Krieg 1950-1953
« Antwort #22 am: So, 04. März 2007, 19:11 »
Der Sinn der Sache ist durchaus klar: in einer riesigen Klammerbewegung soll Nordkorea und das, was von der nordkoreanischen Volksarmee allenfalls übriggeblieben ist, umfaßt, erobert, zerschlagen werden.

So weit, so gut - nur scheint sowohl General Walker als auch MacArthurs eigenem Stab des CINCUNCs Weg zu diesem Ziel bemerkenswert umständlich. Alsmonds X. Corps, so meinen sie, könne Wonsan weit bequemer und schneller zu Lande erreichen: der Weg quer über die Halbinsel ist nur rund 200 Kilometer weit, der Wasserweg um Korea herum aber mißt 1400 Kilometer.

Schlimmer noch: der ohnehin nicht sonderlich leistungsfähige Hafen Inchon würde durch die Verladung des X. Corps weitgehend für den Nachschub blockiert. Zwar erwartete man, alsbald den Hafen von Pjöngjang, Nampo, zu erobern. Doch der war noch kleiner und noch viel weniger leistungsfähig als Inchon, nicht im entferntesten geeignet, die Nachschubmassen zu bewältigen, die extrem technisierte und motorisierte, zudem an perfekte Versorgung gewöhnte Truppen wie die amerikanischen nun einmal brauchen.

Damit noch nicht genug, sah MacArthurs Plan vor, die zum X. Corps gehörende 7.Infanterie-Division, die noch etwas südlich von Seoul stand, nicht in Inchon, sondern in Pusan auf Schiffe verladen zu lassen, was bedeutete, daß diese Division auf ihrem Marsch nach Pusan einige Zeit den Verkehr auf der einzigen guten Nord-SüdStraße behindern würde, der NachschubHauptschlagader von Walkers 8. Armee. Den letzten Einwand gegen MacArthurs Plan lieferte das I. südkoreanische Armeecorps: Es stürmte, seit es in den ersten Oktobertagen den 38. Breitengrad überschritten hatte, entlang der Ostküste so flott gegen nur schwachen, sporadischen Widerstand voran, daß es zweifellos Wonsan etliche Tage, wenn nicht sogar Wochen eher erreichen mußte als das umständlich über See herangeschaffte X. Corps der Amerikaner.

Aber Douglas MacArthur hatte nun mal eine Vorliebe für amphibische Manöver, sein ganzer militärischer Ruhm gründete auf erfolgreiche Landungsunternehmen, von Gualdalcanal (1942) über Leyte (Phillippinen 1944) und Iwo Jima (1944) bis Okinawa (1945). Das letzte, spektakulärste und erfolgreichste, eben das in Inchon, hatte er grade hinter sich. Kein Wunder, daß er hartnäckig bei seinem Prinzip blieb, kein Wunder auch, daß trotz gravierender Bedenken keiner so richtig nachdrücklich widersprach - vor Inchon hatten sie's alle auch besser wissen wollen, bis hinauf zu den Stabschefs in Washington, und er hatte doch Recht behalten.

Der Plan lief ab, wie zu erwarten. Die 8. Armee unter Walker kam bei ihrem Stoß nordwärts sogleich gegen nur mäßigen Widerstand rasch voran. Bereits am 19. Oktoberfiel Pjöngjang, die nordkoreanische Hauptstadt. Schwungvoll stürmten Walkers Panzerspitzen weiter - und mußten alsbald gebremst werden: Es haperte mit dem Nachschub. Im Osten eroberte das 1. südkoreanische Armeecorps bereits am 10. Oktober die Hafenstadt Wonsan. Erst 9 Tage später kamen die Marine-InfanterieDivisionen des X. Corps dort per Schiff an und mußten dann noch eine geschlagene Woche auf den Schiffen herumgammeln: Der Hafen warvermint. Erst am 26. Oktober, als Spezialisten ihn entmint hatten, konnten die „Marines" endlich ausgeladen werden - ausgeladen, keine Kampf-Landung!

Ebenso „ausgeladen" wurde in der Zeit vom 29. Oktober bis 8. November die 7. US-Infanterie-Division in Ivon, einem kleineren Hafen weiter nördlich, den das 1. südkoreanische Corps inzwischen auch schon erobert hatte.

Man beachte die Daten: MacArthurs umständliche und überflüssige Landungsoperation zog sich bis Anfang November hin, kostete mindestens zwei, vermutlich sogar drei Wochen Zeit - doch es scheint niemand bewußt gewesen zu sein, wie kostbar inzwischen Zeit geworden war: Weder das X. Corps, das da Anfang November an Land ging, noch die 8. Armee, die sich in den letzten Oktobertagen immer näher an den Grenzfluß Yalu heranschob, hatten irgendwelche Winterausrüstung

Die nördliche Hälfte Nordkoreas liegt zwischen dem 40. und 43. Breitengrad. Am Ostrand der gigantischen asiatischen Landmasse kommt in diesen Breiten der Winter früh und meistens mit sibirischer Kälte, viel Schnee ist die Regel.

An Vorsorge für solche Naturgegebenheiten scheint MacArthur in seiner grenzenlosen Siegeszuversicht nicht gedacht zu haben, er warf auch bewährte militärische Grundsätze leichthändig über den Haufen. Ein solcher Grundsatz lautet, daß auf einem überschaubaren Kriegsschauplatz (wartheatre nennen es Briten und Amerikaner) auch einheitlich geführt werden muß.

MacArthur war davon bei der Inchon-Landung,abgewichen; er hatte die Landungstruppe - das X. Corps - aus der Befehlsgewalt der 8. Armee herausgelöst und sich selbst direkt unterstellt. Das war aus der Situation heraus sicher richtig: Der bei Pusan eingekesselte Walker konnte nicht gut das Landungsunternehmen führen.

Aber schon wenigeTage nach der Landung, als das Landungscorps und die aus dem Pusankessel ausgebrochene 8. Armee sich bei Osan vereinten, wäre es an der Zeit gewesen, wieder ein einheitliches Kommando auf dem Kriegsschauplatz herzustellen, also die drei Divisionen des X. Corps wieder der 8.Armee zu unterstellen. General Walker erwartete das auch, und er war mehr als verwundert, als MacArthur das nicht tat, sondern das X. Corps selbständig und nur sich selbst unterstellt beließ.

Gruß
Josef
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« Antwort #23 am: Do, 08. März 2007, 19:05 »
Was MacArthur zu dieser gänzlich unüblichen Kommandoteilung bewog, ist nicht ganz klar. Er selber gibt an, die geographische Situation - die Nord-Süd-Teilung Koreas durch das unwegsame TaebaekGebirge - habe den Angriff in zwei unabhängig voneinander operierenden Achsen erzwungen. Aber das überzeugt nicht ganz. Ausschlaggebend dürfte eher gewesen sein, daß der Kommandeur des X. Armeecorps, General Almond, ein ausgesprochener MacArthur-Mann war. Er war seit Jahren mit ihm vertraut, während General Walker nicht zu den MacArthur-Anbetern zählte und überdies von Almond nicht viel hielt. Vermutlich mochte MacArthur es seinem Freund Almond nicht zumuten, dem Rivalen und Erzfeind Walker unterstellt zu sein. Wie auch immer, diese unkonventionelle Aufsplitterung des Kommandos sollte bald böse Folgen haben.

Der General tat noch einiges andere Ungewöhnliche. Er gab allerhand öffentliche Erklärungen ab, die in deutlichem Gegensatz zur Politik der US-Regierung standen. So befürwortete er zum Beispiel das Angebot Tschiangkaischeks, 30000 Mann nationalchinesische Truppen nach Korea zu schicken, obwohl Kriegsministerium wie US-Außenamt das strikt abgelehnt hatten - mit gutem Grund. Außenminister Acheson: „Schließlich wollten wir nicht, daß politische Komplikationen entstünden, die entstanden wären, wenn wir die Kontroverse zwischen National- und Rotchina in die Schlacht um Korea hineingebracht hätten. Die einen erkannten Tschiangkaischek an, die anderen die Rotchinesen. Hätten wir das Angebot angenommen, so wäre das keine einigende, sondern eine trennende Maßnahme gewesen. Deshalb waren wir der Meinung, es sei klug, abzulehnen, und der Präsident lehnte ab."

Ein andermal schickte MacArthur einer Veteranen-Vereinigung zu einem Jubiläum einen Brief mit programmatischen und überaus martialischen Erklärungen zur Fernost-Politik. Das hörte sich unter anderem so an: „Formosa ist für uns Flugzeugträger und U-Boot-Mutterschiff zugleich, unversenkbar. Von Formosa aus beherrschen wir die Pazifik-Küste von Wladiwostok bis Singapur. Wenn wir Formosa nicht verteidigen, geben wir den Pazifik auf." Solche Parolen standen in krassem Gegensatz zu Präsident Trumans Politik (Formosa neutralisieren), was den Präsidenten nach eigener Bekundung in „kalte Wut" versetzte.
« Letzte Änderung: Mi, 16. März 2016, 23:30 von md11 »

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« Antwort #24 am: So, 18. März 2007, 18:51 »
Dazu hatte Truman noch öfter Gelegenheit. Noch vor Beginn des Angriffs auf Nordkoreawarvon den Joint Chiefs of Staff (JCS) eine Linie - etwa Chongju-Hungnam -festgelegt worden, über die hinaus die amerikanischen und europäischen UNO-Truppen keinesfalls nordwärts vordringen sollten; eine Vorsichtsmaßnahme, durch die jede Gefahr eines Zusammenstoßes an der koreanisch-chinesischen und an der koreanisch-sowjetischen Grenze ausgeschlossen werden sollte.

MacArthur scherte sich nicht darum. Er befahl ungerührt Vormarsch über diese „restraining line". Eine Anmahnung von JCS, daß dies nicht der Direktive vom 27. September entsprach, konterte er kühl mit dem Hinweis auf eine andere Direktive, die ihm „militärisch freie Hand" gab - was militärisch nötig sei, bestimme er, und damit basta.

Am 9. Oktober hielt er es für militärisch sinnvoll, einen sowjetischen Militärflughafen gut 80 Kilometer hinter der Grenze, in der Nähe von Wladiwostok, aus der Luft angreifen zu lassen, wobei eine ganze Menge modernster MIGs zerstört wurden. Die Entschuldigung, es handele sich um ein Versehen der Piloten, glaubte niemand, denn so schlecht sind US-Piloten einfach nicht. Ebensowenig war anzunehmen, dass etwa der Kommandeur der US Air Force in Fernost, Stratemeyer, eigenmächtig gehandelt hatte - Stratemeyer gehörte zum engsten Kreis des MacArthur-Clans und tat gewiß nichts ohne Wissen und Billigung des großen Meisters.

Die US-Regierung wurde durch dieses Bubenstück in den peinlichen Zwang gebracht, bei den weidlich verhaßten Sowjets geradezu unterwürfig um Entschuldigung zu bitten, Entschädigung in beliebiger Höhe anzubieten und was dergleichen Unannehmlichkeiten mehr waren.

Das war der Punkt, an dem es Präsident Truman zuviel wurde und er es für nötig hielt, seinem fernöstlichen Prokonsul selber zu sagen, wo seine Grenzen sind. Ursprünglich hatte Truman MacArthur nach Washington zitieren wollen, sich dann aber - sowohl aus praktischen als auch aus politischen Gründen - damit einverstanden erklärt, sich mit ihm auf halbem Wege zu treffen, auf der kleinen PazifikInsel Wake, halbwegs zwischen Tokio und Honolulu.

Bis dahin waren sich die beiden Männer noch nie begegnet. Es scheint, als habe MacArthur sogleich durch gewisse Äußerlichkeiten klarmachen wollen, wer der Größere sei. So versuchte er offenbar, als er und Truman gleichzeitig mit ihren Flugzeugen über Wake-Island eintrafen, seine Landung zu verzögern, um den Präsidenten nicht begrüßen zu müssen (sondern der Präsident ihn). Trumans Arzt, Dr. Graham, erinnert sich:

„Ich flog mit dem Präsidenten, als er mit MacArthur auf Wake Island zusammentraf. MacArthur war immer der Typ eines Showmannes. Er versuchte, seine Landung absichtlich hinauszuzögern, damit wir zuerst ankamen und vor ihm landeten.

Harry Truman merkte sofort, was los war, und wies MacArthur an: Sie gehen zuerst hinunter und landen zuerst. Wir haben jede Menge Treibstoff. Wir werden auf Sie warten.' Und das haben wir gemacht."

Truman selber: „MacArthur hat immer geschauspielert, aber er war nicht einmal gut dabei. Ich wußte, was er da zu drehen versuchte mit dem ganzen Kram, wessen Flugzeug nun zuerst landen würde, und ich wollte ihm das nicht durchgehen lassen. So machte ich ganz klar, daß er zuerst hinuntergehen mußte, und das tat er.

Gruß
Josef
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« Antwort #25 am: Mo, 09. April 2007, 08:25 »
Nachdem wir gelandet waren, war da am Boden ein Empfangskomitee. Ich sah aus dem Fenster, aber MacArthur war nicht da. Auch als die Motoren zum Stillstand gekommen waren und sie die Flugzeugtür öffneten, ließ sich der Kerl noch immer nicht blicken. Also blieb ich einfach sitzen. Ich wartete eben. Wenn es hätte sein müssen, hätte ich bis in alle Ewigkeit gewartet. Ich wollte nicht zulassen, daß einer meiner Generale den Präsidenten der Vereinigten Staaten in Verlegenheit brachte.

Endlich kam der Mistkerl aus einem der Gebäude in der Nähe der Landebahn heraus. Ertrug wieder diese blöde Sonnenbrille, ein nicht zugeknöpftes Hemd und eine Mütze mit allem möglichen Krimskrams. Ich habe nie begriffen, warum ein alter Mann wie er und noch dazu ein FünfSterne-General herumlief wie ein neunzehnjähriger Leutnant.

Wenn er Leutnant in meiner Einheit gewesen und so angezogen herumgegangen wäre, dann hätte ich ... na, jedenfalls wäre der nicht nochmal so rumgelatscht. Aber ich entschloß mich, seinen Aufzug zu übersehen, wir schüttelten uns die Hand und verabredeten ein Gespräch. Ich war pünktlich da, aber er kam 45 Minuten zu spät.

Als er hereintrat, warf ich nur einen Blick auf ihn und sagte:,Nun passen Sie mal auf. Ich komme um die halbe Welt daher, um Sie zu treffen, aber um das geht's nicht. Sie sollen bloß wissen, daß es mir vollkommen egal ist, was Sie von Harry Truman halten oder wie Sie mit ihm verfahren, aber lassen Sie ja nicht noch einmal Ihren Oberbefehlshaber warten. Ist das klar?'

Sein Gesicht wurde rot wie ein Radieschen, aber er ließ erkennen, daß er verstanden hatte, was ich gemeint hatte, und wir begannen unser Gespräch . . .

Wir dürften etwa eine Stunde gesprochen haben, nur wir beide, und ich habe ihm, glaube ich, mehr als ausgiebig klargemacht, daß ich sein Oberbefehlshaber war, daß er Befehle auszuführen hatte und daß er keinerlei öffentliche Erklärungen herausgeben dürfe, die nicht von mir persönlich genehmigt worden waren.

Tödliche Irrtümer MacArthurs

Bei diesem Gespräch war er wie ein kleiner Hund. Ich weiß eigentlich nicht, was schlimmer war, die Art, wie er in der Öffentlichkeit auftrat, oder die, wie er mir bei diesem Gespräch die Füße küßte."

Einer der wichtigsten Punkte dieses Gespräches war die Frage, ob Rotchina in die Kämpfe eingreifen würde. Truman hatte einigen Grund zur Sorge. Schon Anfang Oktober hatte Tschou En-lai, Rotchinas Außenminister, über den indischen Botschafter in Peking eine Warnung an UNO, USA und die in Korea beteiligten Mächte leiten lassen: Die Volksrepublik China, so Tschou, könne sich in Korea zum Eingreifen  gezwungen sehen, falls andere als südkoreanische Truppen den 38. Breitengrad  überschreiten würden.

Weder bei der UNO noch in Washington  war das ganz ernst genommen worden. Man hielt es für einen Versuch, die bevorstehende UNO-Resolution (weiter nach Nordkorea) zu verhindern. Aber Präsident Truman wollte sicher gehen, und wen sollte er fragen, wenn nicht MacArthur? Immerhin unterstanden dem-seit Jahren-alle Nachrichtendienste, militärische wie zivile, in Fernost; wenn einer die Lage zuverlässig beurteilen konnte, dann er.

Und Douglas MacArthurversicherte seinem  Präsidenten, daß eine chinesische oder  sowjetische Intervention nicht zu befürchten sei. Nicht, weil die Chinesen nicht  wollten, sondern weil sie-aus militärischen , Gründen - nicht könnten. Zwar hätten sie  in der Mandschurei an die 300 000 Mann
 stehen, aber davon nur etwa 125 000 am , Grenzfluß Yalu. Und davon könnten sie , höchstens 60 000 über die wenigen YaluBrücken nach Nordkorea bringen, wenn sie  so leichtfertig wären; denn auch die Chinesen wüßten, daß die inzwischen hochüberlegene US-Luftwaffejeden Angriffsversuch gnadenlos zerschlagen könne. Nein, die  Chinesen würden sich hüten, und spätestens am Thanksgiving-Day (Erntedankfest, letzter Donnerstag im November) sei der Krieg zu Ende.

Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Mi, 16. März 2016, 23:30 von md11 »

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Re: Korea Krieg 1950-1953
« Antwort #26 am: Mi, 16. März 2016, 23:19 »
vor 60 Jahren
ein Bericht über den vergessenen Krieg

Bericht:http://www.sueddeutsche.de/politik/korea-krieg-am-morgen-flog-alles-in-die-luft-1.1017885

mfg
Josef
« Letzte Änderung: Mi, 16. März 2016, 23:31 von md11 »

 


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