Autor Thema: Der Vorposten Dale 16.April 1954  (Gelesen 1533 mal)

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Der Vorposten Dale 16.April 1954
« am: Fr, 09. März 2007, 23:46 »
300 m vor der Hauptkampflinie in Korea befand sich auf einem kleinen Hügel der Vorposten Dale. In dieser Außenstellung standen Leutnant Bressler 42 Mann zur Verfügung, darunter befanden sich auch die Soldaten Mott, Pfaff, Scully, Serpa, Smith und Spencer. Am 16. April 1954 wurden sie und ihre Kameraden von chinesischen Kommunisten angegriffen und überrumpelt.


Erst als Wachtmeister Smith aus dem Bunker rannte, um Pfaff zu suchen, merkte er, daß die Chinesen bereits in der Stellung schwärmten und den Felsbuckel besetzt hatten. Mindestens zwanzig von ihnen sah er über sich hinaufsteigen. Sie warfen Handgranaten nach ihm; eine prallte von seiner  Schulter ab und explodierte zwischen den Sandsäcken, ohne ihm zu schaden. Als ihn Pfaff erblickte, zeigte Wachtmeister Smith  nach dem Buckel und schrie: „Paß auf, sie greifen dich von hinten an!"


Pfaff begriff sofort und eilte durch den Graben, um seine Leute statt hangab aufwärts feuern zu lassen. Er schrie Wachtmeister Smith zu: „Ich versuche, sie aufzuhalten!" Das war das letzte, was der große Smith während dieses Kampfes von Pfaff  sah, denn er rannte bereits zurück, um  nach der eigenen Gruppe zu schauen.


Smith erfaßte die Lage. Es war sinnlos, mit  seiner schwachen Gruppe nach beiden  Seiten zu kämpfen; er mußte die Chinesen  auf dem Unterhang der Artillerie überlassen. Er rannte nach dem Maschinengewehrbunker. Bevor er drin war, explodierte  eine Phosphorgranate in der Luft. Er schüttelte die Körner ab und sprang ans Gewehr mit dem Ruf: „Scully, Scully." Es war so dunkel, daß er den Gefreiten nicht sah der lag neben dem Maschinengewehr tot auf dem Boden.


Der Wachtmeister suchte nach Serpa, konnte den Füselier aber nicht finden und hatte das schauderhafte Gefühl, das einen Infanteristen packt, wenn er sich im Kampf allein befindet. So lief er in Pfaffs Abschnitt hinüber, wo das leichte Maschinengewehr gefeuert hatte. Die Waffe war dem kleinen Smith mittlerweile von einer Maschinenpistolen-Salve durch die Scharte unter den Händen zerstört worden. Der Füselier war bereits im Graben und warf seine Handgranaten hangauf, als der große Smith ihn zum erstenmal sah. Er sagte: „Ich bin Smith." Der Füselier antwortete: „Ich auch. Paß auf; ich fange erst richtig an."


Sie hatten an die 40 Handgranaten geworfen; beim Licht der Explosionen und am Schreien der Feinde erkannten sie, daß sie nicht umsonst kämpften. Ein Dutzend feindlicher Handgranaten war weniger als 10 m vor ihnen explodiert. Rasche Bewegung rettete sie. Nun waren sie an den zwei letzten Granaten.


Jetzt rief der Wachtmeister: „Spar die Handgranaten!" Er zeigte seine Absicht dadurch an, daß er die Maschinenpistole anlegte. Der Vordergrund war gesäubert und die überlebenden Chinesen hatten sich im Hauptgraben gesammelt. Für weitere fünf Minuten zwangen sie den Feind zum Respekt, indem jeder auf seiner Seite in den Graben feuerte. In dergleichen Sekunde gingen beiden die Munition aus. Der Wachtmeister hatte eine ganze Tasche  verschossen, der Füselier wenigstens  sechs Lader. Auf der Seite des kleinen  Smith setzte jetzt eine chinesische Gruppe zum Sturm an. Beide hatten die letzte Handgranate bereits entsichert. „Wurf!"  brüllte der Wachtmeister. Die zwei Granaten schlugen mitten ins feindliche Rudel. Mehrere Chinesen fielen, die übrigen  wichen zurück. „Was jetzt?" fragte der  Füselier.


„Über die Grabenwand", sagte der Wachtmeister. „Halt den Fuß her." Der kleine  Smith wog vielleicht 70 Kilo. Der Wachtmeister warf ihn im Schwung über die  Grabenwand und folgte mit einer mächtigen Flanke.
Hintereinander rollten sie  15 m hangab. Dann packte der Wachtmeister den Kameraden beim Bein und hielt  ihn fest. Serpa rollte ihnen nach.


„Was jetzt?" fragte der Füselier wieder. „Du bist tot", antwortete der Wachtmeister.  Was auch geschieht, beweg dich nicht!  Das ist unsere einzige Chance."


Inzwischen drängte Pfaff zu einem weiteren Bunker und konnte sich dort kaum durch die Trümmer zwängen.


Er erkannte Bressler. Während er zu ihm hinkroch, hörte er noch näher ein schwaches Flüstern: „Hilfe ... Hilfe ... Hilfe . . ."


In der Finsternis tappte er mit der Hand über Wachtmeister Spencers Gestalt. Der Körper endete unter den Hüftgelenken. Wieder rief Bressler schwach, aber eindringlich: „Komm zu mir! Komm zu mir!" Pfaff kroch auf den Leutnant zu. Vom zerstörten Eingang her feuerte ein Chinese aus einer Maschinenpistole. Die Kugeln zischten in das niedergestürzte Holzwerk. Der Füselier erreichte den Leutnant, dessen Beine von zwei dicken Balken auf den Boden gequetscht wurden. Umsonst mühte sich Pfaff mit aller Kraft, den Zugführer frei zu bekommen; ein Haufen Sandsäcke drückte die eingeknickten Deckenbalken herunter. Während er riß und schob, segelten drei Handgranaten durch das Tor herein und explodierten in Armweite; die gleichen Balken, die Bressler festhielten, schirmten ihn vor der Explosion.


Der Leutnant sagte: „Gib's auf. Du kannst mir nicht helfen." Der Füselier antwortete: „Dann bleibe ich bei dir." - „Nein", antwortete Bressler, „du mußt Hilfe holen. Nur das kann uns nützen. Sag, man soll Dale mit Granaten eindecken lassen."


Pfaff war verblüfft. Hörte der Leutnant denn nicht, wie die Artillerie bereits auf den Hügel trommelte? Er antwortete: „Ich bleibe besser hier."


„Du gehst", sagte der Leutnant. „Das ist ein Befehl."


Der Bunker hatte eine kleine Öffnung auf der anderen Seite. Als Pfaff sich hindurchwand, wollte ein verwundeter Chinese, der auf allen Vieren die Bunkerwand entlangkroch, die Maschinenpistole anlegen. Pfaff trug eine entsicherte Handgranate. Er rollte sie hin und die Explosion riß den Mann in Stücke.


Als dann der Feuerschlag mit Splittergranaten einsetzte, kümmerte dies die beiden Smith', die sich noch immer tot stellten, recht wenig, bis ein Splitter in Serpas Rücken schlug.


Er stöhnte laut auf, erhob sich halb. Wachtmeister Smith riß die Beine unter ihm weg, so daß er platt hinfiel. Serpa blieb unbeweglich liegen. Sie schielten zu ihm hin und sahen, daß sein Gesicht in den Staub gedrückt war; da fragten sich die beiden, ob ihr Kamerad tot sei. Aber Serpa war bei vollem Bewußtsein. Er biß sich in die Lippen, um jeden Schmerzenslaut zu unterdrücken. Eine neue chinesische Kompanie kam im Laufschritt vor und rannte den Angelgrat herauf. Eine Gruppe lief direkt  auf die drei Amerikaner zu, und der vorderste stolperte über Wachtmeister Smith. Die anderen stürzten über ihn und in einem Knäuel auf Füselier Smith und Serpa. Das war der Höhepunkt. Wie leblos rollten ihre Körper unter dem Stoß. Die chinesische Gruppe sprang auf und rannte weiter. Wachtmeister Smith flüsterte: „Wir haben's überstanden." Als Serpa flüsterte, „und wie", da wußten sie, daß sie immer noch zu dritt waren.


In dieser Nacht sprachen sie kein Wort mehr. Hin und wieder schielte Wachtmeister Smith zu Serpa hinüber und fragte sich, wie stark er blutete. Er war entschlossen,  Serpa zurückzutragen, wenn nicht vor dem Morgengrauen Hilfe käme.


Quelle-S.L.A. Marshall,Um Außenposten u.Patrouillen,Frauenfeld 1959.


Bild-Die Herausgeberdesgroßen amerikanischen Nachrichtenmagazins Time lassen alljährlich seit 1927 ihren „Man of the year"; ihren „Mann des Jahres"; wählen. Für das Jahr 1950 fiel diese Wahl auf den amerikanischen Frontkämpfer in Korea. Symbol für die Tapferkeit der US-Soldaten, Symbol für den Willen der freien Welt, kommunistische Aggressionen nicht hinzunehmen


Gruß
Josef


 


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