Autor Thema: Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen  (Gelesen 1860 mal)

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Offline Ulla

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Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« am: So, 01. April 2007, 17:31 »
In den Jahren 1941 bis 1945 wurden in der nördlich von Riesa gelegenen Heide auf einem alten Truppenübungsplatz Zehntausende Soldaten aus der Sowjetunion und vielen anderen Ländern, darunter auch viele italienische Militärinternierte, gefangengehalten.
Für Zehtausende war das Kriegsgefangenenlager Stalag 304 ein Ort des Todes.
Auf dem während des Krieges angelegten "Russenfriedhofes", dem heutigen Ehrenhain sowie in drei weiteren Massengräbern liegen hier mindestens 33.000 sowjetische Kriegsgefangene. Ein großer Teil davon kam im nahegelegenen Jacobsthal ums Leben.
Italienische Kriegsgefangene wurden geborgen und in die Heimat überführt.
Unter dem dazugehörigen Parkplatz sollen noch weitere Tote liegen die bisher nicht geborgen wurden.
« Letzte Änderung: Do, 24. Juni 2010, 22:33 von Ulla »
Gruß Ulla

"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur ein einziges mal gegeben......" (N.Ostrowski)

Offline md11

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Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #1 am: So, 01. April 2007, 19:25 »
Kriegsgefangenen-Reservelazarett Zeithain 1943-1945


Als Zweiglager des Stalag IV B Mühlberg diente Zeithain ab September 1942 vorrangig der Unterbringung längerfristig dienst-, d. h. arbeitsunfähiger sowjetischer Kriegsgefangener. In den folgenden Monaten setzte die Umwandlung des Lagers in ein Lazarett für die in den Arbeitskommandos verunglückten und erkrankten Gefangenen ein. Im Endausbau hatte es eine Kapazität von 7.700 Betten. Ab dem 1. Februar 1943 wurde das Kriegsgefangenenlager Zeithain nicht länger als Stalag IV B/Z, sondern als Kriegsgefangenen-Reservelazarett bezeichnet; es blieb aber weiterhin Zweiglager des Stalag IV B Mühlberg.

Je länger der Krieg andauerte, desto mehr Bedeutung gewannen die sowjetischen Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte für die deutsche Kriegswirtschaft. Im Verlauf des Jahres 1942 erhielt die Erhaltung der in der deutschen Wirtschaft dringend benötigten Arbeitskraft der sowjetischen Kriegsgefangenen Priorität vor ihrer Vernichtung. Infolge unzureichender Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungs- und Lebensbedingungen in Verbindung mit einem kräfteraubenden Arbeitseinsatz setzte sich die fortschreitende Entkräftung der Gefangenen fort und begünstigte insbesondere Tuberkuloseerkrankungen, die sich epidemisch ausbreiteten.

Die Zahl der in Zeithain untergebrachten tuberkulosekranken sowjetischen Kriegsgefangenen stieg kontinuierlich an. Überwiesen wurden sie aus den Arbeitskommandos oder anderen Lazaretten des Wehrkreis IV. Angesichts kaum verbesserter Lebensbedingungen und völlig unzureichender medizinischer Therapiemöglichkeiten bestand für sie kaum Aussicht auf Heilung. Nach unterschiedlichen Angaben verstarben täglich zwischen 10 bis 20 Gefangene. Das Lazarett Zeithain blieb bis Kriegsende für die sowjetischen Gefangenen ein Sterbelager.

Am 23. April 1945 befreiten Einheiten der Roten Armee die Kriegsgefangenenlager Zeithain und Mühlberg. Viele der in Zeithain befindlichen Gefangenen starben noch Wochen nach der Befreiung an den Folgen der Gefangenschaft.

Quelle-Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Gruß
Josef

Offline md11

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Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #2 am: So, 01. April 2007, 19:50 »
Hallo Ulla,
so hier sind Deine Bilder dazu!Danke daß Du Deine Bilder hier zur Verfügung stellst.

Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Do, 24. Juni 2010, 22:30 von Ulla »

Offline md11

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Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #3 am: So, 01. April 2007, 20:00 »
weitere Bilder!

Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Do, 24. Juni 2010, 22:33 von Ulla »

Offline Munfrosch

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Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #4 am: So, 01. April 2007, 20:26 »
hab gehört das das lager danach für deutsche diente. stimmt das?
Nichts im Leben gibts umsonst, das hat man dir oft gesagt.
Es tut nur weh wenn es Freunde mit dem Leben bezahln...

Offline md11

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Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #5 am: So, 01. April 2007, 20:45 »
Hallo Munfrosch,
hab hier was für Dich gefunden!

Dort fanden ab 1944/45 auch 44 Polen und 12 Serben ihre letzte Ruhestätte. Von der Roten Armee, die den Truppenübungsplatz Zeithain nach 1945 militärisch als Übungsgelände nutzte, wurde der Friedhof zu einem unbekannten Zeitpunkt zerstört und war bis 1990 für Angehörige der Opfer nicht zugänglich.
Das öffentliche Gedenken an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers blendete die nichtsowjetischen Gefangenen von Beginn an aus. Die sterblichen Überreste der italienischen Opfer wurden 1991 durch die italienische Armee in ihre Heimat überführt. Die Gräber der polnischen und serbischen Kriegsgefangenen konnten im Mai 2004 lokalisiert werden. Ihre sterblichen Überreste wurden auf den Soldatenfriedhof Neuburxdorf - Ortsteil der Stadt Bad Liebenwerda in Brandenburg - am 30. Juli 2004 umgebettet. Dort wurde jeweils ein Gemeinschaftsgrab für die Polen und die Serben neu angelegt. Die Namen der Verstorbenen sind auf den beiden Grabstellen auf Bronzetafeln verzeichnet.

Gruß
Josef

Offline md11

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Re: Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #6 am: Mo, 31. März 2008, 22:07 »
Hier noch was dazu:

Unter der Bezeichnung Stalag 304 (IV H) entstand im Frühjahr 1941 auf einem Truppenübungsplatz in der Nähe der sächsischen Kleinstadt Riesa das Kriegsgefangenenlager Zeithain. Bereits im Juli 1941 trafen die ersten Kriegsgefangenentransporte von der Ostfront ein. Wie in den anderen Lagern gab es auch hier keinerlei Vorkehrungen für die Unterbringung und Versorgung der Rotarmisten, die zunächst in selbstgeschaffenen Erdhöhlen leben mußten. Vier Wochen später befanden sich bereits 32.000 sowjetische Kriegsgefangene im Lager.

Das Stalag 304 diente als regionales Aufnahme- und Verteilungslager, von hier wurden die Kriegsgefangenen auf andere Stalags und von dort weiter auf die Arbeitskommandos im Wehrkreis IV verteilt. Ab September 1942 war Zeithain Zweiglager des Stalags IV B Mühlberg und fungierte als Kriegsgefangenenreservelazarett mit 7.700 Betten.

Insbesondere eine Ruhrepidemie im Sommer 1941 sowie eine Fleckfieberepidemie zwischen November 1941 und April 1942 kosteten Tausenden sowjetischen Kriegsgefangenen das Leben. Während der Lazarettzeit starben die Gefangenen vor allem an den Folgen ihrer Tuberkuloseerkrankungen. Für das Lager Zeithain ist von einer Opferzahl zwischen 25.000 und 35.000 Menschen auszugehen.

NACHKRIEGSAUSSAGEN - ZEITHAIN
4.Dezember 1961,Nikolaj G.ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener

Nach einigen Tagen ludt man uns in einen Güterwagen zu 100-120  Personen, die Waggons wurden mit Schlössern verschlossen, man schlug die Fenster ein, und unter verstärkter Bewachung der Hitlersoldaten schleppte sich der Zug in unbekannte Richtung. Einige Tage pochten die Räder der Waggons auf den eisernen Schienen entlang, und wir waren erschöpft von den Wunden, vor Hunger und anderen Nöten.
Man hört nur das Gebell eines Schäferhundes ähnlich diesem Geräusch. Das im Waggon Durchlebte läßt sich nicht mit dem menschlichen Geist beschreiben.

Menschen verbluteten, schmutzige Wunden ätzten alles schwarz, in jedem Waggon starben zum Tode verurteilte Menschen an Blutverlust, Wundstarrkrampf, Blutvergiftung, Hunger, Wasser- u. Luftmangel, sowie anderen Entbehrungen. Der Zug hielt an und stand einige Stunden. Es begann das Ausladen der Kriegsgefangenen aus den Waggons. Es war zur Mittagszeit. Der frische Wind, der für kurze Zeit in den offenen Waggon hineinströmte, brachte für kurze Zeit Erleichterung. Die Toten wurden aus den Waggons auf den Platz geworfen. Diejenigen, die sich nicht fortbewegen konnten, wurden mit Maschinenpistolen niedergeschossen. Auf die erschöpften und zur Erde sinkenden warfen sich rasende Schäferhunde. Nur die, die sich mit Mühe selbst oder mit Hilfe ihrer Genossen fortbewegen konnten, wurden, nachdem sie einen Schlag mit dem Kolben bekommen hatten, in die Reihe gestellt.


30.Januar 1967
Alfred L.ehemaliger Angehöriger der Wachmannschaft im Stalag 304

Meine Aufgabe war vor ollen Dingen den Aufbau der Barracken für die Kriegsgefangenen zu fördern. Mir unterstanden direkt etwa 160 Mann Lagerpersonal. Die Wachkompanien, die außerhalb des Lagers mit der Außenbewachung beauftragt waren, hatten die Unterkunft in meinem Bereich, unterstanden sonst aber direkt dem Kommandanten, d.h. ich hatte keine Weisungsbefugnis über sie. Nördlich diese sogen. Zwischenlagers befand sich das Lagerlazarett für Kg. (unter Stabsarzt Dr. Sonntag) und noch weiter nördlich das Vorlager ,Aufnahmelager mit Entlausungsanstalt, unter Hauptm. Zerbes.

Die besondere Schwierigkeit war, daß trotz Einsatz eines franz. Pionierbattallions der Aufbau der Barracken nicht Schritt halten konnte mit den schnell aufeinander eintreffenden Transporten der kriegsgefangenen Russen, z.B. einmal an einem Tage drei Züge mit 8.400 Kriegsgefangenen, die teilweise schon in gesundheitlich schlechtem Zustand ankamen. Ein Verhängnis war derzeitig eintretende Herbst mit viel Regen.
Quelle:Verbrechen der Wehrmacht (Austellungskatalog 2002)

mfg
Josef
« Letzte Änderung: Do, 24. Juni 2010, 22:32 von Ulla »

Offline Ulla

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Re: Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #7 am: Do, 20. November 2008, 00:22 »
Hier nochmal eine Seite zur Geschichte von Zeithain.

http://www.pib-11.de/

Gruß Ulla
Gruß Ulla

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Offline Ulla

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Re: Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen
« Antwort #8 am: Fr, 20. November 2009, 00:27 »
Mittwoch, 12. August 2009
(Sächsische Zeitung)

200.000 Inhaftierte

1941 wurde das Kriegsgefangenenlager Jacobsthal eingerichtet. Auf 66Hektar waren bis 1945 etwa 200.000Soldaten inhaftiert – v.a. Russen, aber auch Italiener, Polen.Etwa 30.000starben. Ihnen wird auf den Kriegsgräberstätten Zeithains gedacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Sowjetarmee das Gelände als Panzerübungsstrecke – als Tankodrom.


Anmerkung:Jacobsthal gehört zum  Lager Zeithain
Gruß Ulla

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