Autor Thema: Operation Bolo  (Gelesen 4815 mal)

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Operation Bolo
« am: Fr, 13. April 2007, 23:41 »
Am frühen Morgen des 2. Januar 1967 brachte Oberst Robin Olds seine Phantom auf der Rollbahn des Luftwaffenstützpunktes Ubon Royal Thai auf dem Mittelstreifen der Startbahn in Position und machte sich fertig zum Sprung. Nach einem Zeichen zu seinem Flügelmann löste er seine Bremsen und betätigte beide Hebel für die Nachbrenner. Als er über die Startbahn röhrte und die Maschine in den Himmel hob, reihten sich Dutzende anderer Phantoms zum Start ein. Das 8. Taktische Kampfgeschwader, das Wolfsrudel, verließ sein Lager.


Das Ziel ihrer Operation mit dem Codenamen Bolo war eine Kopf-an-Kopf-Begegnung mit den nordvietnamesischen MiG-Kampfflugzeugen. Zu lange schon waren die MiGs sowjetischer Bauart ein ständiges Hindernis der amerikanischen Bomber über dem Norden. Die Kampfpiloten fanden, daß sie bisher zu sehr gehindert wurden, Gegenschläge auf nordvietnamesische Flugplätze zu fliegen. Die Feindflugzeuge griffen zu oft die US-Bomber an und erzwangen zu häufig eine vorzeitige Rückkehr zum Stützpunkt. Für die Amerikaner schien es an der Zeit, dem Feind eine Lehre zu erteilen. Operation Bolo sollte den Feind unvorbereitet treffen. 56 F-4-Phantoms des 8. Taktischen Kampfgeschwaders (TKG) flogen in den Norden. Sie verwendeten die Rufzeichen, Funkverbindungen und Flughöhen der F-105 Thunderchiefs. Für den Feind sollte es aussehen als wäre eine F105Rollender-Donner-Streitmacht auf dem Wege. Das sollte eine Überraschung werden.


Sperre der Fluchtrouten


Die F-4s vom 366. TKG sollten zwei Flugplätze abdecken und die Fluchtrouten der MiGs in den Norden sperren. Das Wolfsrudel sollte am Zielgebiet in Schwärmen von vier Phantoms im Abstand von jeweils 5 Minuten eintreffen. Es war kein einfacher Auftrag, denn sie sahen sich der neuen MiG21 Fishbed mit den Atoll Luft-Luft-Raketen und ihrer überlegenen Manövrierfähigkeit gegenüber.


Es begann alles nach Plan. Trotz schlechten Wetters stiegen die MiGs auf, um die Bomber nach Überschreiten der Grenze zu Nordvietnam abzufangen. Doch das war der Köder, denn die MiGs flogen plötzlich frontal in einen Haufen Phantoms. Vorneweg flog der legendäre Robin Olds. Er beschreibt die Aktion:


„Zu Beginn des Kampfes schossen die MiGs aus den Wolken. Die erste tauchte unglücklicherweise in meiner 6.00-Uhr-Position auf. Das war wohl eher Zufall als Planung. Nach ihr stießen weitere MiGs in Rund-um-die-Uhr-Positionen aus den Wolken zu uns hoch.


Diese hier hatte Glück. Sie wurde von unserem zweiten Schwarm zum Kampf herausgefordert, der gerade ins Gebiet hereinflog, auf mich runtersah und die MiG-21 beobachtete. Ich zog so weit nach links, um aus seiner Bahn zu kommen und wartete darauf, daß sich meine Kollegen der MiG annahmen. Jetzt sah ich etwa 2 km entfernt in meiner 11.00-Uhr-Position eine weitere MiG aus den Wolken stoßen. Als sie wieder in den Wolken verschwand, folgte ich ihr.


Ich gab ihr zwei Sidewinder


Ich sah noch eine MiG in meiner 10.00-UhrPosition von links nach rechts fliegen. Als die erste von mir beschossene MiG verschwand, haute ich voll den Nachbrenner rein, um in Position für die zweite MiG zu kommen. Ich zog in ihren Kreis hinein, die Nase auf 45 Grad hoch. Sie drehte nach links herum, ich zog die Nase hoch und rollte nach rechts. Dies nennt man die Vektorrolle. Ich kam über ihr hoch, hing da halb kopfüber, wartete, daß sie ihre Wendung vollendete, und richtete es so ein, daß ich hinter ihr runterrollte. Ich war nun im Winkel von 20 Grad und im Abstand von etwa 1500 Meter hinter ihr. Ich weiß nicht einmal, ob der Pilot mich überhaupt sah. Die MiG hob sich in der Sonne deutlich gegen den strahlenden Himmel ab, und ich gab ihr zwei meiner Sidewinder-Raketen, von denen eine ihren rechten Flügel abblies."


Nach der Taktik der Nordvietnamesen, von der Bodenkontrolle aus gesteuert, sollten je zwei MiGs aus verschiedenen Richtungen eine F-4 von Old angreifen und so zum Beidrehen zwingen, daß ein Angriff der MiGs von hinten erfolgen konnte.


Die Besatzungen von Olds Maschinen 02 und 03 hatten jedoch beide erfolgreiche Abschüsse, und eine zweite Welle der Phantoms, der Schwarm von Ford, war auf dem Schlachtfeld erschienen. Obwohl James selbst keine MiG erwischte, beobachtete er die MiG-Abschüsse und registrierte die Feindtaktik der Doppelangriffe von vorn und hinten. Er beschreibt seinen Teil im Kampf:


„Gegen 15.04 Uhr wurde mein Schwarm von drei MiGs angegriffen, zwei von 10 Uhr oben und von der dritten zur gleichen Zeit von 6 Uhr unten. Ich sah die MiG aus 6 Uhr erst, als ich schon den Angriff auf die von vorn aufschließenden zwei begonnen hatte.


Mein Co-Pilot hinter mir warnte mich, daß eine MiG in Raketenreichweite meiner Maschinen 03 und 04 einflog. Ich brach den Angriff auf die anderen zwei MiGs nur zögernd ab, da ich Olds Schwarm gerade unter uns gesehen hatte und dachte, mein Co-Pilot hätte ihn mit dem Feind verwechselt.


Ich rollte jedoch von einer Links- in eine Steilkurve nach rechts und beobachtete die genannte MiG nun unter mir. Ich rief Nr. 03 und 04 zum Abdrehen nach rechts auf; sie führten den Befehl aus. Da brach unerklärlicherweise die MiG nach links aus, und eine kurze Sekunde flogen wir Kanzel an Kanzel. Deutlich erkannte ich den Piloten und das Feldzeichen des Roten Sterns.


Ich machte sofort eine Rolle, um auf Angriffsdistanz zu kommen und feuerte die Sidewinder. Die MiG beschleunigte und zog hart nach links, und meine Rakete ging daneben; aber dann flog die MiG in die Bahn meiner Maschine 02, geflogen von Hauptmann Everett T. Raspberry. Ich befahl Hauptmann Raspberry den Angriff fortzuführen, denn die zwei Maschinen von vorhin schwenkten nun in meine Reichweite vorn ein. Ich hatte einen guten Raketenkasten und feuerte in schneller Folge zwei AIM-9 auf sie. Ich rollte sofort zurück, um wieder neben meiner 02 mit Hauptmann Raspberry in Kampfposition zu kommen. Während dieses Manövers sah ich, wie die F4 von Olds wenige Kilometer voraus einer MiG die Tragfläche abschoß.


Ich machte mit Raspberry weiter und erinnere mich, daß ich noch dachte, er flöge etwas zu weit in die optimale Raketenreichweite hinein. Aber dann vollführte er eine Rolle und brachte sich in perfekte Schußposition. Er feuerte eine AEM-9, die den Schwanzteil der MiG 21 erwischte. Die MiG bäumte sich wild auf und begann langsam und flach wegzutrudeln. Ich folgte zur Wolkenobergrenze, beobachtete, wie sie explodierte und in den Wolken verschwand."


Als den Maschinen von Olds und Fords der Treibstoff ausging und sie abdrehten, kam der dritte Phantom-Haufen - der Rambler Schwarm, geführt von Hauptmann John B. Stone. Major Philip P Combies, der Mann auf dem Rücksitz von Rambler 04, erinnert sich:


„Wir flogen in 4.800 Meter Höhe und mit rund 1.000 Stundenkilometern. Kurz nach Beendigung der Nordwestkurve machten wir einen Schwarm von vier MiG 21 aus. Er flog in loser Formation in Richtung 2 Uhr in etwa 9 bis 12 km Entfernung. Zwei bis drei Kilometer dahinter waren weitere zwei MiGs. Entsprechend ihrer Position Vor dem Leitstrahl` fragte ich mich, ob sie auf uns zugeleitet würden oder auf die Maschinen von Olds und Ford, die sich aus dem Raum abzusetzen begannen.


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Operation Bolo
« Antwort #1 am: Fr, 13. April 2007, 23:43 »
Als die MiGs vor Stone vorbeiflogen, ging er auf sie los und brach nach links unten aus. So rutschte der Schwarm nach rechts, und ich - als 04 - zog hinter 03 nach rechts oben. Die MiGs zogen nach links, und der Schwarm begann den Kampf. Meinem Piloten gelang es, unser Raketensystem voll auf eine der MiGs zu halten. Ich glaube nicht, daß ich während des gesamten Luftkampfes irgendwann einmal mehr als vier Gs ziehen mußte. Ich benutzte die Marinetaktik und vernachlässigte die Zielvorhalteeinrichtung. Wenn ich das Gefühl hatte, die richtige Position erreicht zu haben, dann betätigte ich den Abzug, gab ihn frei, zog wieder ab und hielt. Den ersten Spatz` sah ich gar nicht.

Aber den zweiten sah ich vom Abschuß bis zum Einschlag. Wir befanden uns beim Abschuß etwa 1,5 km hinter der MiG in einer Linkskurve in etwa 3.600 Meter Höhe. Der zweite Spatz` schlug in der hinteren Treibstoffleitung ein; ein orangefarbiger Feuerball folgte der Maschine."

Hauptmann Stone und Maschine 02 hatten zwei Abschüsse. Somit summierten sich die Feindverluste auf sieben, fast die Hälfte dieses vietnamesischen Einsatzes. Bei besserem Wetter hätten noch mehr Flüge der F-4s - es waren 14 an diesem Tag - die MiGs auf sich ziehen und abschießen können. Doch auch so war der Himmel in den nächsten Monaten frei von MiGs. Später sagte Oberst Olds den Reportern: „Wir haben sie niedergeflogen, niedergeschossen und niedergekämpft."

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Operation Bolo
« Antwort #2 am: Fr, 13. April 2007, 23:49 »
Bild 1.-Brigadegeneral Robin Olds war Kommandeur der 8.Taktischen Kampfgeschwader und führte sie bei der Operation Bolo.

Bild 2.-Oberst Chappie James führte die zeite Welle der Phantoms in die Operation Bolo.

Bild 3.-Major Tran Hanh,ein Pilot der vietnamesischen Volks-Luftwaffe,aufgenommen nach Abschuß einer F105-D Thunderchief.

Bild 4.-Oberst Dean Macho,einer der in den Operationen über dem Norden eingesetzten Phantom-Kommandeure.

Bild 5.-F4 Phantom

Gruß
Josef
« Letzte Änderung: Mo, 01. September 2008, 20:12 von Impuls »

 


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