Autor Thema: Meine Geschichte von Stalingrad  (Gelesen 3679 mal)

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Arturo

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Meine Geschichte von Stalingrad
« am: Mi, 02. Mai 2007, 21:30 »
Meine Geschichte von Stalingrad

 
So sehr vieles ist und wurde von Stalingrad geredet, erzählt und geschrieben. Viel Wahres und auch viel Unwahres. Vieles wurde verschönert und verschwiegen. Der Deutsche Soldat sollte ja nicht für das, was er war, als tapfer und heldenhaft erscheinen. Die Soldaten beider Seiten, die in Stalingrad kämpften und starben, waren Helden und tapfere Soldaten. Die Einen kämpften gegen die Invasion und Besetzung ihres Vaterlandes. Wir, die Deutschen und ihre Verbündeten, um zu verhindern, dass die Asiaten und der Kommunismus in Europa eindringen. Dieses alles trug dazu bei, dass der Kampf um Stalingrad ein so verbissener Kampf auf Leben und Tod wurde.

In Stalingrad kämpften sehr bewährte Elite-Divisionen, die ihre große Kampfkraft schon in den Kämpfen in Polen, Frankreich, dem Balkan und in Griechenland bewiesen hatten. Ganz zu schweigen von den siegreichen Kämpfen beim Übergang ueber den Dnjepr bei Djnepropetrowsk und der Kesselschlacht bei Scharkow. Es ist war, wir hatten starke Verluste, und auch die Kämpfe beim Übergang ueber den Don war verlustreich. Mit einem Teil des Ersatzes, der zu uns kam, waren wir in Stalingrad voll einsatzfähig.

In Stalingrad waren unsere Ausfälle enorm. Es begann das Ausbluten unserer Infanterie-Einheiten. Die Russen hatten erstklassige Scharfschùtzen, was bei uns fehlte. Der Ersatz, der kam, war schlecht ausgebildet. Die Schützenkompanien waren nur noch 30 bis 50 Mann stark. Ich musste aus diesem Grunde in der Nordriegelstellung mit meiner schweren Granatwerfer-Gruppe eine Lücke auffüllen und bis auf 150 Meter vor den Russen in Stellung gehen. Offiziere waren meist unerfahren und jung. Die Hauptlast lag auf den alten Obergefreiten und Unteroffizieren. Als Ersatz schickte man uns die Fahrer und Leute vom Tross.

Links von uns war eine unbesetzte Lücke von 500 Metern. Der Russe versuchte dort durchzubrechen. Sie wurde daraufhin von einem Maschinengewehr-Bataillon aufgefüllt. Der Russe brach dann bei den Rumänen durch und wir waren eingeschlossen. Die Verpflegung wurde gekürzt und es wurde auch mit Munition gespart. Wir waren fest davon überzeugt, dass uns frische Truppen zu Hilfe kommen würden. Man wird uns nicht aufgeben, daran glaubten wir. Wir müssen halten, bis die Truppen aus dem Kaukasus heraus sind. Dann holt uns der Führer raus. Das sagte man uns und das glaubten wir auch am Anfang. Durch unser Durchhalten gelang den Einheiten im Kaukasus der Rückzug.

Die uns versprochene Befreiung blieb aus und wir wurden unserem Schicksal preisgegeben. In uns war eine verbissene Wut. Wir fühlten uns verraten und verkauft. Unsere Gegner versprachen uns Tod und Verderben. Wollt ihr Hunde ewig leben und Anderes schrien die russischen Lautsprecher. Wäre es nicht so gewesen, viele von uns  hätten in unserer so aussichtlosen Lage die Gefangenschaft und nicht den Heldentod gewählt. Bis Mitte Dezember hatten wir noch Mut und  Kraft auszubrechen. Dann begann die Agonie unserer Einheiten. Verlaust, verdreckt und ausgehungert. Wir wussten, es ging unserem Ende entgegen. Einige entfernten sich von ihren Einheiten, aus Panik, Hunger und Verzweifelung. Sie wurden hinten aufgefangen und erschossen. So hatten wir vorne und auch hinten den Tod. Das war das wahre Gesicht von Stalingrad. Eine der tapfersten Deutschen Armeen, aus welchen Gründen auch immer, wurde dort geopfert.  

Ende November 42 wurde ich durch Granatenbeschuss am linken Arm und am Kopf verletzt und kam am Flugplatz Gumrak zum Verwundeten-Sammelplatz und von dort wurde ich mit einer Ju ausgeflogen. Ich war einer der Letzten meiner Kompanie, die Stalingrad lebend verlassen haben. Aus der Gefangenschaft kamen nur einige vom Tross zurück, und zwar der Hauptfeldwebel, der Waffenunteroffizier, der Verpflegungsunteroffizier und der Sanitätsunteroffizier. Es starben den sogenannten Heldentod, unser Kompanieführer Oberleutnant Kessler und 56 Unteroffiziere und Mannschaften. Der Rest verreckte in russischer Gefangenschaft.  

Stalingrad hat sich tief in unsere Seele eingebrannt und lässt uns nicht mehr los. Es hat unser ganzes Leben beeinflusst. Auch heute noch, nach 62 Jahren, kehren unsere Gedanken immer wieder dorthin zurück, wo unsere Jugend, unsere Hoffnung und unsere besten Kameraden starben. Alle Jahre trafen wir uns in Limburg und Gemünden Österreich, wo unsere Stalingrad-Denkmäler stehen. Mit einer großen Feier gedachten wir unserer Kameraden, die in Stalingrad blieben. Nun sind wir alt und gebrechlich geworden und nur noch eine Handvoll Überlebender. Wir konnten unseren Verein nicht mehr aufrechterhalten und mussten ihn auflösen. Aber in unserm Herzen wird er weiter leben, solange wie wir noch atmen können.  

In Stalingrad Starben: die 3. ID (mot.), 29. ID (mot.), 60. ID (mot.), 44. ID, 71. ID, 76. ID, 79. ID, 94. ID, 113. ID, 295. ID, 297. ID, 305. ID, 371. ID, 376. ID, 384. ID, 389. ID, 100. Jàger-Div,  14. PD, 24. PD, 16. PD,  9. Flak-Div,  Rumänische 1. Kavallerie-Division,  und 20. ID,  sowie Armee- und Choreinheiten und  Werferregimenter.

Man sollte auch in Deutschland den Stalingradern die Ehre erweisen, die ihnen gebührt.

Arthur Krueger
Feltre-Italien.
Januar 2006
« Letzte Änderung: Do, 01. Juli 2010, 07:06 von Adjutant »

Offline adrian

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Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #1 am: Mi, 02. Mai 2007, 21:43 »
Hallo Arthur,

vielen Dank für Deinen unermüdlichen Fleiß. Ich weiß ja nun, dass Dir das Schreiben nicht so leicht fällt und deshalb ist dies für uns besonders wertvoll. Ich bin froh, dass Du immer wieder mit Deinen Erinnerungen unsere Wissenslücken füllst. Weiter so.

Gruß Werner
Suche alles zur 60. Inf.Div. (mot.) (Danziger Division) bis Stalingrad

Arturo

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Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #2 am: Do, 03. Mai 2007, 11:26 »
Italiener  und  Deutsche  Verbùndete im  Krieg  1939 - 1943
Kameraden  im Kampf  gegen den  Komunismus

Ueber die Zusammenarbeit  zwischen den deutschen und den italienischen Soldaten ist viel Wahres und auch Unwahres geredet und geschrieben worden.Vieles ist auch nicht bekannt geworden, weil keiner darùber reden wollte. Die Schuld fùr das schreckliche Abenteuer der braven italienischen Soldaten nach der Kapitulation ist nicht die Schuld der Deutschen und der  Italiener. Die Schuld hatte allein die italienische Fùhrung, die ihre Soldaten unvorbereitet und mit schlechten und veralterten Waffen in einen Krieg gegen moderne Armeen schickte. Man denke nur an die russischen T.34 Panzer, gegen sie hatten die Soldaten keine wirksame Abwehr. Ich denke dabei an den Polenfeldzug, als die polnische Kavallerie gegen unsere Panzer stùrmte.

In alldem, was ich  hòre und lese, ist wohl viel Warheit enthalten, aber es fehlen  darin die Aussagen der echten Zeitzeugen, die ohne irgendeine Beeinflussung und ohne Hass das sagen, was sie erlebt haben. Deutsche und italienische Soldaten, die zusammen vorne im Dreck lagen und nicht die Leute, die in der Etappe waren, wie auch Offiziere und Generàle, die in ihren warmen Bunkern den Krieg erlebten und heute die Helden spielen. Sie kònnen bestimmt  nicht darùber berichten, was die Soldaten fùhlten und dachten.

Leider sind nur noch wenige unter uns, die ùber den Krieg in Russland berichten kònnen. Ich kenne die Schwierigkeiten, die mein Freund Carlo Balestra bei der Erstellung des Buches  „Brùder in der Nacht“ ( Fratelli nella Notte ) hatte. Es fehlten die lebenden Zeitzeugen, die ùber den Krieg in Russland berichten konnten. Er musste um das Buch aufzufùllen, Berichte von Soldaten, die in Afrika, Albanien, Grichenland und Jugoslavien kàmpften, aufnehmen.

Diese Schwierigkeiten findet man auch in Deutschland. Nicht aber, weil es wie in Italien an Zeitzeugen fehlt, nein, weil die deutschen Soldaten diffamiert, entwùrdigt und beleidigt werden. Nicht nur von den Siegermàchten, nein, auch von den eigenen Kindern und Kindeskindern. Man denke nur an den Ausspruch: Jeder Soldat ist ein Mòrder und die Ausstellung : Die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht.

Dieses alles hat mich inspiriert, ùber meine Erlebnisse mit den italienischen Kameraden in Griechenland, Russland und Italien zu berichten. Ich sehe es als meine Pflicht an, da ich trotz meines Alters noch ein gutes Erinnerungsvermògen habe, meine Erinnerungen der Nachwelt zu ùberlassen. Vieleicht wird es auch dazu beitragen, dass die Menschen sich besser verstehen und sich nicht von Vorurteilen leiten lassen.

Im April 1941, im Griechenland-Feldzug, befreiten wir mit unserer Aufklàrungsstaffel in Korint 2000 gefangene Italiener. Sie begrùssten und umarmten uns und riefen, es lebe der Packt Rom - Berlin, es leben Hitler und Mussolini. Fùr mich war das ein unvergesslicher Beweis fùr Freundschaft und Dankbarkeit und ehrliche Kameradschaft unter Soldaten.

In Russland, im Juli 1941, war unsere 60.I.D.mot. im Sùdabschnitt immer mit italienischen Truppenteilen zusammen. Auch bei den Kàmpfen und der Eroberung von Kiew, Poltawa, Mariopol, Tanganrock und Dnjepropetrowsk. Beim Kampf um den Uebergang  ùber den Dnjepr war unsere Division in erster Linie mit unser Reg.120 mot., das zum gròssten Teil aus Danziger Freiwilligen bestand im Einsatz.

Wir fanden ùber den Dnjepr noch eine Potonbrùcke, setzten  ùber und bildeten auf der anderen Seite einen Brùckenkopf.  Die russische Artillerie zerschoss mit gut gezieltem Feuer und zerstòrte die Brùcke. Es war nicht mehr mòglich, uns mit Munition und Verstàrkung zu versorgen. Der Russe leistete starken Wiederstand und unsere Ausfàlle waren enorm. Ein italienisches Brùckenbau-Bataillon, der Folgore, schafften es, unter starken Verlusten und im starken Artilleriefeuer  immer wieder, die Brùcke zu reparieren. So konnte Verstàrkung  ùbersetzen und so konnten unsere vielen Verwundeten in Sicherheit gebracht werden. Weiter im Norden hatte die sogenante Gespenster-Division ùbergesetzt, die uns zu Hilfe kam. Diese Panzer-Division hatte als Zeichen eine Hexe, die auf einem Besen ritt. Sie war von den Russen sehr gefùrchtet, weil sie wie ein Gespenst immer wieder auftauchte. Den braven  italienischen Pionieren aber hatten wir es zu verdanken, dass viele von uns nach der Ablòsung wieder lebend über den Fluss zurùck kamen. Den Friedhof am Fluss, auf dem so viele dieser tapferen Italiener ihre Ruhe fanden, werde ich nie vergessen. Im deutschen Wehrmachtsbericht wurden sie erwàhnt. Hier in Italien habe ich nie etwas von Ihnen gehòrt. Vieleicht, weil sie so genannte Faschisten waren.

Arturo

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Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #3 am: Do, 03. Mai 2007, 11:27 »
2. Teil

Mit den Italienern, die mit uns in vorderer Linie waren, hatten wir ein gutes Verhàltnis, wenn auch oft ùber ihre schlechte Ausrùstung gelacht wurde. Sie waren tapfere Soldaten. Wir kannten ihre Schwàchen und halfen, wo wir konnten. Nach den schweren Kàmpfen nach der Kesselschlacht um Charkow wurden wir herausgezogen und kamen zur Auffrischung in die hinteren Linien. Hier waren die italienischen Versorgungstruppen. Dort hatten wir die Mòglichkeit, auch diese Truppenteile kennen zu lernen. Wir merkten sofort, dass die Italiener auf uns neidisch waren. Sie sahen, dass wir eine bessere Behandlung und bessere Waffen hatten. Sie mussten zu Fuss laufen, wàrend wir unsere Fahrzeuge hatten. Sie sahen, dass unsere Offiziere mit uns aus unseren Gulaschkanonen assen. Wenn wir von der Front in Ruhestellung kamen, so suchten wir fùr unsere Soldaten die bestmògliche Unterbringung und weit verteilt, um auch fùr die Bewohner Raum zu lassen, wàrend die Italiener gròsstenteils kasernenmàssig untergebracht wurden. Fùr die 10-15 Tage lebten wir mit den Bewohnern wie in einer Familie. Es gab dort auch schòne Frauen, die wohl mit den Italienern schon Freundschaft geschlossen hatten. So wurden wir wohl von den Italienern als Stòrer angesehen.

Am Abend des ersten Tages kam mein Truppfùhrer zu mir und sagte mir: „Herr Unteroffizier, kommen Sie sofort mit, in unserem Haus sind Italiener eingedrungen und bedrohen uns mit Handgranaten.“ Ich fand dort 4 Italiener, die mit Handgranaten herum fuchtelten und schimpften und fluchten. Es ging ihnen um die Frauen, die dort wohnten. Mit Hànden und Fùssen und ein paar Worten auf italienisch erklàrte ich ihnen, dass wir hier nur in Ruhestellung sind und in ein paar Tagen wieder an die Front gehen und dort bestimmt nicht ihre Frauen mitnehmen. Eine Umarmung und ein Hàndedruck und der Spuck war vorbei. Oft musste ich feststellen, dass große Schwierigkeiten entstanden, weil einer des anderen Sprache nicht verstand. Einer sagte, wir sollen den Russen unsere Kultur bringen. Aber wie ich sehe, haben wir von ihnen zu lernen. Sie hòrten, dass die Russen 10 Jahre Schulpflicht hatten, wàrend die meisten von ihnen aus Sùditalien oder aus den Alpen  kamen und es dort nur 5 Jahre Schule gab.

Es war so, die Russen hatten eine gute Kultur und Bildung und es war nicht so, wie es  uns unsere Politiker einreden wollten, dass es sich um Untermenschen handele. Alle Soldaten erhielten in Russland im Frontgebiet zwei Mark Frontzulage. Ein Italiener sagte mir, wir bekommen aber nur eine Mark fùnfzig. Warum, fragte ich, ja sagte er, es werden wohl die Unkosten sein. Ich weiß nicht, ob es so war, ich habe aber sehr viele Ungerechtigkeiten gesehen. Auf dem Schwarzmarkt fanden unsere Soldaten Sachen, die aus italienischen Bestànden kamen. Unter anderem schòne Alpinibergschuhe. Auch ich ließ mir ein Paar mitbringen. Wir aus der Ebene hatten noch nie .solche Schuhe gesehen. Beim ersten Einsatz zog ich sie an. Die Schneefeuchtikeit wurde von dem Leder wie ein Schwamm aufgesogen. Beim ersten Frost wurden sie hart gefroren und brachen auseinander. Schnell ließ ich mir wieder meine Knobelbecher bringen und ùberliess die schònen Alpenschuhe der russischen Steppe. Mit solchen Schuhen befanden sich bei 40 grad unter null 1942/43 die italienischen Truppen auf dem Rùckzug vom Don bis Nikoleijewka. Viele andere Sachen wàren hier zu berichten. Aber oft tut die Wahrheit weh und wird verschwiegen.

In diesem schrecklichen Krieg sind Sachen geschehen, die fùr den Außenstehenden unbegreiflich sind. Viele Heimkehrer sagten, dass wir lebend aus der russischen Umklammerung heraus gekommen sind, haben wir den deutschen Panzern zu verdanken. Wàrend andere sagten, die Deutschen hàtten uns das Benzin gestohlen. Ja nennen wir es auch so. Die Panzer hatten kein Benzin mehr. Sie nahmen es, wo sie es fanden. Diese Panzer waren die einzige Funkverbindung und nur sie konnten den Druck der Russen aufhalten. Ohne diese Panzer wàre kein Italiener und kein Deutscher mehr lebend aus diesem Kessel heraus gekommen.

Dieses alles macht es wohl verstàndlich, das wir oft schwierige Entscheidigungen treffen mussten. Nachdem ich als Verwundeter Ende November wie ein Wunder aus Stalingrad ausgeflogen wurde, kam ich Ende Dezember bei Millerowo wieder an die russischen Front. Keiner wusste mehr richtig, wo Feind oder Freund war. Mir wurden dort zwei Unteroffiziere und 25 Mann unterstellt und ab ging es, suche den Feind. So ging es tagelang, halten und sich zurùck ziehen, bis wir nach 15 Tagen wieder die neue H.K.L. erreichten und abgelòst wurden. Beim Lebensmittelempfang versuchte ich, fùr meine Leute eine Reserve fùr drei Tage zu erhalten, da wir ja 10 Tage keine Verflegung erhalten hatten. Der Verflegungsbuchhalter, ein Wehrmachtsbeamter, wollte mich anzeigen. Mein ehemalieger Kompanieschef Hauptmann Franz Schmidt, der mich vom Frankreich- und Griechenlandfeldzug kannte, verhinderte diese Anzeige.
Ein anderes Geschehnis, als wir dort ohne Panzer und schweren Waffen kàmpften, waren es die aus dem Urlaub und Lazaretten zu uns gekommenen Soldaten und Offiziere der Panzertruppen, die in dem durcheinander in die Panzerwerkstàtten gingen und dort Panzer und Fahrzeuge klauten, um uns armen Schweinen zu helfen.

Ich glaube, man sollte nicht immer dem andern die Schuld zuschieben. Alle Soldaten haben nur ihre Pflicht getan und wenn es Schuldige gibt, so sind sie nur unter den Politikern zu suchen, seien es die Deutschen oder die Italiener. Am Ende des Krieges haben sie uns wie eine heisse Kartoffel fallen lassen, in ein trauriges Schicksal in Not und Armut geschickt. Auch fùr die Soldaten von heute wiederholt sich das gleiche Schicksal. Sie alle, die in fremden Làndern fùr den sogenanten Frieden und die Demokratie im Einsatz sind. Sie alle, ob sie im Kampf oder durch giftige Waffen ihre Gesundheit verlieren, werden am Ende sich selbst ùberlassen.

Gedanken von Arthur Krùger
Feldwebel der Infanterie Jahrgang 1920.
Feltre, Italien 04. Dezember 2005

Impuls

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Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #4 am: Do, 03. Mai 2007, 11:55 »
Ich danke Arturo für  diesen besonders beeindruckenden Bericht.Er ist für uns und für die Nachwelt von hoher Bedeutung und ich persönlich schätze Arturos Engagement hier sehr.

Danke lieber Arturo für deine Zeilen und immer weiter so!



Gruss Peter.

Arturo

  • Gast
das Drama von Stalingrad
« Antwort #5 am: So, 27. Mai 2007, 19:07 »


Der Brief eines Freundes ,an einen  Stalingrad  Veteranen.

Stalingrad – das ist mehr als eine Ortsbezeichnung einer bedeutsamen Schlacht des Zweiten Weltkrieges. Stalingrad steht für ein erbittertes und blutiges Ringen  zweier Nationen, das pathologische Züge auf beiden Seiten trug. Nur die wenigen überlebenden Soldaten und Teilnehmer dieses Ringens haben das Recht zu urteilen, andere mögen schweigen. Nur das Wissen dieser Soldaten, die mitten in diesem furchtbaren Kampf standen, ist entscheidend. Nur sie sind berechtigt, das Vermaechnis  ihrer toten Kameraden weiter zutragen, und sie zu schützen.

Stalingrad, dieser Name zitterte durch die Geschichte des großen Krieges und war wie ein Schrei voll Schmerz. Zwei Nationen verbissen sich hier in unerbitterlichen  Kämpfen. Tausende kamen und wurden aufgerieben. Die Besten wurden in dieser Schlacht zur Schlacke ausgebrannt. Hier zeigte der Krieg alle seine apokalyptischen Schrecken. Die Kriegsfurie hielt blutiges Gericht über so viele Menschen auf beiden Seiten, über zwei Nationen und ihre besten Söhne. Ihr Leiden und Sterben soll zum Voelkerfrieden  mahnen, auch jetzt wieder in  diesen Tagen, wo das  grosse Sterben der Männer von  Stalingrad vor 64 Jahren  seinen Fortgang nahm. Es darf kein Vergessen geben.
Wenn man in Wolgograd/Rossoschka das schwarze Kreuz über die Toten  wachen sieht, dann klingt leise und mahnend durch das eigene Herz“ Gedenkt der Toten!“

Sind wir denn heute bereit und reif für eine Versöhnung über den Gräbern? Man ist geneigt zu sagen; Dieses bleibt der Jugend von heute vorbehalten, einer neuen Generation, die aus heutiger Sicht urteilt, die nicht verstehen kann, das große Nationen, Trägerinnen  abendländischer Kultur, sich gegenseitig zerfleischen wollten. Man erregt immer noch Anstoß, sogar befremden wenn man Solidarität mit der Kriegsgeneration  bezeugt. Wenn man sagt,dass man sich diesen Menschen, die soviel Elend und Gefahren überlebt haben, sehr viel näher fühlt als der jetzigen Gesellschaft. Die sich immer wieder anmasst, mit kaltem Herzen eine ganze Generation zu verurteilen. 

23 Januar 1943 – auf der Strasse von Gumrak nach Stalingrad – Stadt.
Auf den ausgefahrenen vereisten  Weg nach Stalingrad, den wir nun mit den  Resten unserer Einheit zurücklegten,  lagen an den Strassen  überall und im grauenhaften Umfang Verwundete ,Erfrorene und Erfrierende, die unseren langsam fahrenden Wagen den Weg mit ihren Leibern versperrten, die sie mitten auf die Fahrbahn  gewälzt hatten. Ihre Schreie sie zu uebefahren  oder mitzunehmen , wiederholten sich  in ähnlichen  Bildern über die ganze Strecke. Viele hatten die Hände verbunden mit durchfeuchteten Verbänden, flehend erhoben, manche schüttelten die Fàuste, manche rührten  sich gar nicht.


Der Grund, warum  weshalb

wir Deutsche unseren toten Soldaten keine Ehre erweisen und um sie trauern, ist wohl der, dass wir ihren Tod nicht mehr nachvollziehen können. Wir können ihren Tod heute nicht mehr verstehen, da uns die Erkenntnis  fehlt, wofuer sie eigentlich gelebt haben. Sie lebten für Ideale ,Werte wie beispielsweise für die Vaterlandsliebe. Dafür waren sie bereit Opfer zu bringen, ja sogar zu sterben. Das Verstaendniss  für solche Selbstlosigkeit ist uns verlorengegangen, gradezu aberzogen worden ,In der Gegenwart lebt man eher für sich ,ist konsumorientiert und materialistisch. Unser Leben besteht darin, Spass zu haben, mit der Hoffnung, ihm  dadurch einen Sinn zugeben. Einen Gedanken an einen sinnvollen Tod verschwendet man nicht. Alles dreht sich nur um das Hier und Jetzt.
Es muss uns aber wieder neu bewusst werden, dass nur ein selbstloses Leben  ein  wirklich erfülltes Leben ist. Dann würden wir auch den Tod unserer Soldaten verstehen  und um sie trauern und sie ehren.

Arthur Krueger.

Offline adrian

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Re: Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #6 am: So, 27. Mai 2007, 21:32 »
Lieber Arthur,

habe heute unendlich viele Probleme mit dem Portal. Hatte einen langen Beitrag geschrieben, der nicht angenommen wurde. Wollte eigentlich schon beleidigt abziehen, doch Dein Beitrag fordert eine Antwort heraus.
Ich habe viel über Stalingrad und den Kessel gelesen, habe mit Dir diskutiert und versucht, mir ein Bild zu machen, was aber keines wird. Ich glaube, nur wer die Schrecken des Krieges selbst mitgemacht hat, wer erlebte, wie die treuesten Kameraden fielen, wer selbst bis zum Halls im Dreck gesteckt hat, kann nachvollziehen, was uns Nachgeborenen von unserer Väter- bzw. Großvätergeneration überliefert wird. Und deshalb kann ich verstehen, dass Du den Brief eines Freundes hier hineinsetzt. Ich habe die Zeit des 3. Reiches nicht erlebt, ich habe auch das aufrechte preußische Danzig nicht kennen lernen können, aber ich habe viel von Deinen Erlebnissen, Arthur, gelesen und wir haben viel diskutiert. Ich kann mir nach meiner geschichtlichen Verbildung endlich ein Bild machen, was ich Dir verdanke. Und deshalb bin froh, Deine Berichte hier im Forum lesen zu können. Jemand hat mir mal gesagt, niemand kann etwas dafür, dass er dumm ist, aber dass er dumm bleibt, ist seine eigene Schuld. Dazu gibt es keine weiteren Erläuterungen.
Arthur, ich weiß, was meine Vätergeneration erleben musste und mit wie viel Enthusiasmus man in den Krieg für Deutschland zog. Ich kann nicht nachvollziehen, was sie leiden musste, denn nur wer es selbst erlebte, weiß, wovon ihr redet. Ich habe diese Generation nicht verurteilt für das, was geschehen ist. Ich verurteile heute aber die Geschichtsschreiber, die die Vergangenheit nur halb überlieferten und Gründe für manche Taten nicht anführten und vielfach nur die Wahrheit der Sieger aufschrieben. Vieles wird noch ans Tageslicht kommen, vieles bleibt im Ungewissen, weil viele Veteranen ihre Erlebnisse mit ins Grab nahmen. Ich habe durch den Krieg zwei meiner Onkel nicht kennen lernen können, meine Frau drei. Ich habe angefangen zu suchen, um mehr zu erfahren, als in unseren Geschichtsbüchern stand. Ob ich die Wahrheit zu allem je kennen lernen werde, wage ich zu bezweifeln. Jedenfalls ist mir mein in Stalingrad vermisster Onkel inzwischen schon viel vertrauter als ich das noch bei Beginn der Suche für möglich gehalten hatte.
Was habt ihr im Krieg durchmachen müssen und wie seid ihr danach selbst  und vor allem in Deutschland behandelt worden. Ich habe erlebt, wie man in Italien der Kriegstoten gedenkt und würde mir einiges für unser Deutschland wünschen. Das dadurch vielleicht auch die Erkenntnis reift, dass ein Krieg, wo auch immer, kein Mittel zur Konfliktlösung ist, oder einer siegen wird. Es gibt m.E. nur Verlierer, bis auf wenige Kriegsgewinnler, die nie selbst im Schützengraben liegen würden. Wenn Deine Berichte dazu beitragen, dass sich die Menschen über den Gräbern die Hände reichen und aus dieser schrecklichen Vergangenheit die richtigen Lehren ziehen könnten, wäre mir vor der Zukunft nicht bange. Wenn wir in Deutschland endlich anfangen, unsere Vätergeneration auch als Opfer einer unmenschlichen Ideologie zu sehen und ihnen im Tod vielleicht ihre Namen zurückgeben könnten, wie z.B. in Rossoschka, wo deutsche und russische Soldaten ihre letzte Ruhestätte fanden, wäre das schon sehr viel.
Auch deshalb, Arthur, danke ich Dir, dass Du Dich hier zu Wort meldest und wenigstens unserer Generation noch etwas hinterlässt, was wir in Deutschland dringend nötig haben.

Gruß Werner
« Letzte Änderung: Mo, 28. Mai 2007, 09:03 von adrian »
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Arturo

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Re: Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #7 am: So, 27. Mai 2007, 22:09 »
Lieber Werner,
 
Ich danke Dir fuer Deine lieben und verstandlich und reichen Worte.
Du hast das grosse Glueck mit einem Veteranen auf Tuchfuehlung zu
sein hast mit mir persohnlichen Kontackt gehabt,und hast gesehen, dass
wir genau wie Alle Menschen ,gefuehle,ein Herz auch Leiden und Freuden haben.Dieser Konntakt fehlt den meisten Menschen,darum ist es auch begreiflich,warum das Verstehen der Vergangenheit fuer Viele so
schwierig ist.Viele machen den Fehler anstelle die trennende Bruecken
 abzureissen,bauen sie unueberwindliege  Barikaden.Es wird auch noch
 viel Zeit und Arbeit kosten um diese zu ueberwinden.Ich sehe aber,wir
 sind auf einen guten Weg,wir muessen uns aber oeffnen und mit einander reden.

 Dein Freund Arthur.

Offline adrian

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Re: Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #8 am: Do, 31. Mai 2007, 22:15 »
Lieber Arthur,

das mit den Brücken ist eine gute bildliche Darstellung. Ich weiß, dass wir Brücken bauen müssen.
Immer und immer wieder. Ich weiß, wie es ist, wenn man sich in sein Schneckenhaus zurückzieht
und muffelt, weil man zu stolz ist, mal dem anderen die Hand zu reichen. Eine Brücke bauen heißt
auch, dem anderen einen Weg zu öffnen, den wir in der jetzigen Zeit ganz dringend brauchen, um
den Weg zu finden. Reich mir die Hand Kamerad, ich reiche sie Dir. Nur wer mehrmals von seinem Gegenüber
enttäuscht wurde, wird sich fragen, wie oft er das noch ertragen will. Hierzu zählt Größe. Ich muss dann immer
an Ghandi denken, der zu dem britischen Besatzerterror sagt, wenn sie ihre Hand mit dem Knüppel nicht mehr
heben können, hören sie von selbst auf zu schlagen. Also nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir wissen
doch, Gewalt erzeugt in der Regel wieder Gewalt und die Spirale dreht sich unaufhörlich, bis jemand einen
anderen, einen friedlichen Weg einschlägt, der dem "Feind" den Wind aus den Segeln nimmt und ihm zeigt,
eigentlich sind wir Freunde, haben es bisher nur noch nicht gewusst. Dann wird das Leben auch wieder lebenswert
und freundlich. Und es muss keine Mutter mehr um ihren toten Sohn weinen, oder die Frau um ihren Ehemann, oder ...
Lasst uns den Weg gemeinsam gehen und wir werden Großes erreich. Der Anfang ist doch schon gemacht. Hier
verständigen sich Generationen untereinander und lernen voneinander, auch den anderen zu verstehen.

Gruß Werner
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Arturo

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Re: Meine Geschichte von Stalingrad
« Antwort #9 am: Do, 31. Mai 2007, 22:54 »

 Lieber Werner,

 ich danke Dir fuer diese lieben und sinnvollen Woerter.Wir haben uns
 als Freunde gefunden.Zwei Menschen aus so unterschidliechen
 Genrationen und auch kulturellen Schichten.Wir haben uns ueber sehr
 vieles unterhalten,und haben bewiesen,nur wer aus sich heraus geht
 und mit dem Anderen redet und versucht ihm zu verstehen.Nur so kann
 es eine Verstaendigung geben,auch mit Menschen anderer Nationen.
 
 Am jeden letzten Samstag und Sonntag im Juni treffen wir uns seit 30
 Jahren zum Internazionalen Soldatentreffen in Hermagòr - Pontebba
 in Oestereich - Italien.Dort trafen sich vor 50 Jahren Oestereicher und
 Italiener,Freunde und Feinde,und schworen sich fuer Frieden und
 Voelkerverstandigung in Europa zu kaempfen.Nie wieder Krieg unter
 den europaeischen Brudervoelkern.unter dem Motto,
   Cha la man Fradi, Reich mir die Hand Bruder.
 
  Mit diesem Ruf  Cha la man Fradi, rufe ich Euch allen zu
  Reichen wir uns die Haende Brueder!
  Euer Arturo.








 

 


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