Autor Thema: Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz  (Gelesen 5261 mal)

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Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz
« am: So, 17. Januar 2010, 20:25 »
Sächsische Zeitung vom 25.07.2009


In Berlin wird ein Lenin-Monument wieder ausgegraben. Es soll in einer Ausstellung gezeigt werden. Auch in der Oberlausitz gab es einst Dutzende Ehrenmale für kommunistische und sozialistische Geister, für sowjetische Soldaten, für die Opfer des Faschismus. Nach der Wende sind viele verschwunden-auch, um den Bruch mit dem SED-Regime zu verdeutlichen. Trotzdem, die SZ hat einige Denkmalen nachgespürt.

WEGGERÄUMT
2,60 Meter hoch ist das Bautzener Ernst-Thälmann-Denkmal.
Geschaffen wurde es Ende der 1950er Jahre vom Bildhauer Wieland Förster, der sich heute von dieser Plastik distanziert.
1991 verschwand Thälmann aus den Schiller-Anlagen. Er wurde in den magazinen des Bautzener Stadtmuseums eingelagert.
2007 diskutierte Bautzens Stadtrat darüber, ihn im Museum zu zeigen. Dazu kam es nicht. Thälmann könnte man sich im Depot anschauen, so wollte es damals Bautzens Oberbürgermeister Christian Schramm. Aber das ist aktuell nich möglich, weil das Depot zu voll und man an Thälmann nicht rankommt.

Bild-Quelle: Stadtarchiv
« Letzte Änderung: Do, 17. Juni 2010, 12:03 von Ulla »
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Re: Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz
« Antwort #1 am: So, 17. Januar 2010, 21:32 »
AUFBEWAHRT


Er war wohl einer der letzten monumentalen Auftragsarbeiten in der DDR: Dieser Karl-Marx-Kopf aus Gusseisen.
Eine Krauschwitzer Eisengießerei hat ihn 1989 noch gefertigt, zusammen mit einem Friedrich-Engels-Kopf und drei weitere Büsten. Letztere gingen verloren. Marx und Engels sollten schließlich vom Ebersbacher Recycling-Unternehmer René Jannasch verschrottet werden. Doch das brachte der nicht übers Herz. Nicht aus "Ostalgie-Gründen". Sondern weil die Figuren ein Stück deutsche Geschichte verkörpern. Die konnte er nicht einfach entsorgen. Nun stehen die Köpfe in seinem garten, gleich neben dem Teich.

Foto-Quelle: Hennig
« Letzte Änderung: Mi, 16. Juni 2010, 13:35 von Ulla »
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Re: Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz
« Antwort #2 am: So, 17. Januar 2010, 21:38 »
WEGGEGEBEN

Bei Regen wurde diese Büste von Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) in Bischofswerdas heutiger Bischofsstraße aufgestellt. Und zwar am 22.April 1970, zum 100.Geburtstag des Gründers der Sowjetunion. Nach der Wende ging die Büste, die vor dem Haus der SED-Kreisleitung stand, an die Treuhand über. Lenin verschwand vom Sockel. Gerüchte machten die Runde: Er sollte an einen reichen Sammler verkauft worden sein. Doch mittlerweile steht die Büste in einem Museum in Chemnitz. Im Sockel des Denkmals befand sich eine Kassette, unter anderem mit Ansichtskarten von Bischofswerda. Sie liegt nun im Stadtarchiv.

Foto-Quelle: Stadtarchiv
« Letzte Änderung: Mi, 16. Juni 2010, 13:35 von Ulla »
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Re: Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz
« Antwort #3 am: So, 17. Januar 2010, 21:58 »
Abgerissen, verschrottet, verkauft, vergessen

Nostalgie? Ostalgie gar? Nein.
Als sich der Ebersbacher Recycling-Unternehmer René Jannasch entschloss, Karl Marx und Friedrich Engels nicht zu verschrotten, hatte das nichts mit Verklärung der Vergangenheit zu tun.
Die gusseisernen Büsten aus Krauschwitz waren für ihn ein Stück deutsche Geschichte. Das konnte man nicht einfach entsorgen. Doch genau das ist mit so manchen Denkmalen aus DDR-Zeiten passiert. Sie wurden abgerissen, eingeschmolzen. Oder, wie viele Oberlausitzer Denkmale, in Museen, Bauhöfen oder Stadtarchiven eingelagert.

Aber immerhin, sind einige noch vorhanden. Stehen für Forschung und Ausstellungen zur Verfügung: Wenn zum Teil auch nur mit Mühe und nach viel Vorbereitung. Denn manche sind so weg-und zugeräumt, dass Städte erst suchen oder ein ganzes Lager umkrempeln müssen, um sie hervorzuholen. Der Umgang mit diesem oft monumentalen Stück Geschichte fällt nicht leicht. Das zeigte beispielsweise eine heftige Diskussion in Bautzen, über die Zukunft des dortigen Ernst-Thälmann-Denkmals. Die Debatte blieb ohne rechtes Ergebnis, das Denkmal im Museumsdepot.
Die Unsicherheit im Umgang mit Lenin-Büsten, Wilhelm-Pieck-Statuen oder Rote-Armee-Gedenksteinen ist nachvollziehbar. Viele Menschen haben Leid erfahren, durch die sozialistischen und Kommunistischen Regime und ihre  - teilweise personenkultartig dargestellten - Repräsentanten. Aber die Denkmale sind da, wo sie noch stehen, eine der ganz wenigen sichtbaren Zeichen der DDR-Vergangenheit.

Gerade auch für junge Menschen. Die, vielleicht, stutzig werden und nachfragen, was es denn mit dieser Gestalt auf sich hat. So bekommen sie auch ein Stück deutsche Geschichte vermittelt. Dass dies bitter nötig ist, zeigen aktuelle Studien, die auch sächsischen Schülern äußerst mangelhaftes DDR-Wissen bescheinigen.


Gruß Ulla

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Re: Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz
« Antwort #4 am: So, 17. Januar 2010, 22:56 »
Folgende Denkmale stehen bis heute in der Oberlausitz - einige wurden sogar saniert

In Löbau steht bis heute ein Karl-Liebknecht-Denkmal am Stadtrand vor einer Gaststätte (ehem.Natursteinkombinat). Es gehört zum Bestand des Löbauer Stadtmuseums.


An Fritz Heckert, einen führer der deutschen Arbeiterbewegung, erinnert bis heute ein Denkmal in Hoyerswerdas Fallersleben-Straße. 2007 wurde es gereinigt.


Der Trommler aus Bronze steht bis heute gut sichtbar vor Löbaus Musikschule im Stadtzentrum. Er gehört zum Bestand des Löbauer Stadtmuseums.


Dieser Ernst-Thälmann steht in Löbau. Das Symbol "JP" für Junge Pioniere und der Schriftzug "Seinen Namen tragen wir, sei seiner Wwürde Pionier" sind ins Denkmal graviert.


Auf Deutsch, Russisch und Sorbisch erinnert das Denkmal in Bautzen an das 13.Panzergarderegiment der Roten Armee, das 1945 in Bautzen einmarschierte.

« Letzte Änderung: Mi, 16. Juni 2010, 13:36 von Ulla »
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Re: Was wurde aus den DDR-Denkmalen in der Oberlausitz
« Antwort #5 am: So, 17. Januar 2010, 23:12 »
Das Sowjetische Ehrenmal in der Juri-Gagarin-Straße am Friedhof in Weißwasser wurde nach einem Entwurf des Bildhauers Herbert Burschik aus Eisenhüttenstadt gefertigt. Das Relief symbolisiert den Kampf der Sowjetsoldaten. 1974 wurde das Ehrenmal neu gestaltet. Es ist bis heute zu sehen.
Foto-Quelle: Stadt Weißwasser


Diese Gedenktafel hängt am ehemaligen Görlitzer Gasthof "Goldener Löwe" im Görlitzer Nikolaigraben. Es erinnert die Vereinigung der Görlitzer Kommunistischer Partei Deutschlands mit dem linken Flügel der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei. Wer die Tafel gemacht hat, ist unbekannt.


Kosmonaut Sigmund Jähn, 1978 erster Deutscher im All, wurde u.a. in Kamenz zum Flugzeugführer ausgebildet. Seine Büste stand in der Kamenzer Offiziersschule, kam dann ins Luftwaffenmuseum nach Gatow. Seit 2008 steht sie im und als Duplikat vor dem Stastitischen Landesamt in Kamenz.
Foto-Quelle: Hennig


Der russische Schriftsteller Konstantin Fedin war Vorsitzender der Sowjetischen Gesellschaft für Freundschaft mit der DDR. Er lebte eine Zeit lang in Zittau und wurde posthum Ehrenbürger der Stadt. Sein Denkmal steht in Zittau vor einer Schule. Es wurde anlässlich seines 90.Geburtstages aufgestellt.
Foto-Quelle: M.Weber


Die Stele "Energie und Gesellschaft" wurde 1987 nahe der Volksschwimmhalle Weißwasser aufgestellt. Sie sollte Entstehung und Nutzen von Energie sowie ihre Bedeutung für die Entwicklung der Gesellschaft verdeutlichen. Entworfen hat sie der Berliner Künstler Siegfried Krepp.
Foto-Quelle: Stadt Weißwasser


« Letzte Änderung: Mi, 16. Juni 2010, 13:37 von Ulla »
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