Autor Thema: Potsdam - Sammelgrab, Pappelallee  (Gelesen 1268 mal)

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Offline Thomas

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Potsdam - Sammelgrab, Pappelallee
« am: Di, 16. April 2013, 17:44 »
Die Verlorenen des Krieges von Peer Straube

In der Pappelallee wurden 60 Skelette von Wehrmachtsangehörigen entdeckt – nach weiteren 440 wird noch gesucht

Jägervorstadt - Ein schauerlicher Fund? Für Joachim Kozlowski ist es eher „gelebte Geschichte“. Wenn irgendwo in Deutschland, Mittel- oder Südosteuropa Soldatengräber aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg entdeckt werden, wird Deutschlands einziger hauptamtlicher „Umbetter“ gerufen. Kozlowskis Job ist es, die Knochen zu bergen, zu identifizieren und schließlich dafür zu sorgen, dass sie erneut – diesemal in angemessener Weise – bestattet werden.

Seit einigen Tagen ist der 40-jährige Angestellte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge nun in Potsdam aktiv. Auf zwei Grundstücken in der Pappelallee – eines gehört der Groth-Gruppe, das andere der Pro Potsdam – wurden am Dienstag vergangener Woche bei Leitungsarbeiten der Energie und Wasser Potsdam mehr als 60 Skelette entdeckt. Bei den Toten handelt es sich um Wehrmachtssoldaten, die in den letzten Kriegstagen offenbar in aller Eile verscharrt worden waren.

„Früher befand sich hier die Adolf-Hitler-Kaserne“, erzählt Kozlowski. Deren Gelände war riesig – einzelne Gebäude stehen noch heute und werden von der Fachhochschule genutzt. Zu der Kaserne gehörte damals auch ein Lazarett. Jene Soldaten, die ihre Verwundungen nicht überlebten, wurden vor Ort beerdigt. Normalerweise ordentlich in Reih und Glied, doch hier lagen die Toten wild durcheinander. „Hier muss das reine Chaos geherrscht haben“, glaubt Kozlowski. An den Knochen lassen sich die Verletzungen der Soldaten gut nachvollziehen: Bei manchen musste ein Arm oder ein Bein amputiert werden, anderen wiederum wurde der Schädel zertrümmert, von einem Splitter oder einem Geschoss. Der Jüngste, sagt Kozlowski, sei 17 oder 18 Jahre alt gewesen. Bei den Skeletten fanden sich einige persönliche Gegenstände, ein Damenring etwa und ein Medaillon, aber auch viele Uniformteile, darunter ein Wehrmachtskoppel mit Hakenkreuz und eines mit einem Spaten als Symbol.

 Dass an der Pappelallee Kriegstote im Boden liegen, darauf hatte die Kriegsgräberfürsorge seit Langem Hinweise. Vor zwei Jahren, bei den Bauarbeiten für die Geschäftsstelle der Pro Potsdam auf der anderen Straßenseite, sei er schon einmal hier gewesen, sagt Kozlowski. Damals seien umfangreiche Sondierungen mit dem Bagger durchgeführt worden, allerdings ergebnislos. Als ihn in der vergangenen Woche der Anruf erreichte, hatte Kozlowski eigentlich ein größeres Gräberfeld erwartet: Denn insgesamt werden auf dem Areal die Leichen von rund 500 Wehrmachtsangehörigen vermutet – allesamt Tote aus dem Kasernen-Lazarett. „Die Hauptfundstelle“, sagt der Exhumator, „ist das nicht“.

Bis die gefunden ist, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. Nur wenn planmäßige Bauarbeiten anstehen, werde auf Verdachtsflächen auch nach Grabfeldern gesucht, sagt Kozlowski. Dafür sei das Budget zu schmal. So sei ein Fund oft auch nur Zufall – so wie hier. Zwei Tage, schätzt der Umbetter, wird er hier noch zu tun haben, obwohl auch dann noch Tote in der Erde liegen bleiben. Denn das Gräberfeld erstreckt sich bis unterhalb eines Gehwegs, unter dem aus Kostengründen nicht gegraben wird. Es werde nun alles genau dokumentiert und bei der nächsten Baumaßnahme vor Ort weitergegraben, so Kozlowski.

Ein Großteil der Knochen wurde bereits abtransportiert. Die Gebeine werden nun untersucht, das Alter der Toten und die Art der Verletzungen bestimmt. Kozlowski glaubt, dass die meisten der rund 60 Toten zweifelsfrei identifiziert werden können. Bei 13 Skeletten wurden noch die Erkennungsmarken gefunden, bei zwei Toten waren sie sogar vollständig. Laut Kozlowski ein Hinweis darauf, dass sie von Zivilisten ins Grab geworfen wurden. Soldaten hätten nämlich, wie es üblich ist, die Marke an der Perforierung durchbrochen und die eine Hälfte an die Wehrmachtsauskunftsstelle geschickt. Dieser Behörde, nach dem Krieg in Deutsche Dienststelle umbenannt, obliegt die Identifizierung anhand alter Vermisstenlisten und auch die Suche nach Angehörigen. Wohl im November werden die 60 Toten dann auf der Kriegsgräberstätte des Neuen Friedhofs beerdigt. In der Kapelle der Garnisonkirche soll es einen Gedenkgottesdienst geben.

Quelle: pnn.de 18.09.2012
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Offline Hubert

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Re: Potsdam - Sammelgrab, Pappelallee
« Antwort #1 am: Di, 16. April 2013, 20:03 »

Und wieder werden einige vermisste Soldaten identifiziert werden können und ein gesichertes Soldatengrab erhalten.
Für einige der Hinterbliebenen wird sich dieses Ereignis wohl zu spät ergeben haben.

Grüße Hubert
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Offline Thomas

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Vorbereitung zur Einbettung
« Antwort #2 am: Sa, 27. April 2013, 16:55 »
Im Chaos verscharrt, in Würde begraben

Im September 2012 wurden die sterblichen Überreste von 83 Wehrmachtssoldaten an der Potsdamer Pappelallee gefunden. Am Montag finden sie in Bornim ihre letzte Ruhe

Sanft steigt das Gelände zum Wald hin an. Aus der Wiese des Neuen Friedhofs in Bornim ragt zentral ein vier Meter hohes Holzkreuz. Die Grabplatten erinnern an Dominosteine, sie sind in Reih und Glied angeordnet, angetreten wie eine Kompanie Soldaten auf dem Exerzierplatz. Jede der acht Reihen oberhalb des Kreuzes besteht aus 42 Steinen; in den fünf Reihen unterhalb des Kreuzes sind es weniger, da ist noch Platz, da grünt das Gras. Am Montag kommender Woche werden dort die Gebeine von 83 Wehrmachtssoldaten ihre nun wirklich letzte Ruhestätte finden, nachdem sie 67 Jahre lang unweit der Pappelallee verscharrt lagen. Bei Bauarbeiten am Voltaireweg kamen sie im September 2012 zutage. Sie sind im Frühjahr 1945 „sehr zügig bestattet worden, ohne sich Mühe um Grab und Identität zu geben“, sagt Oliver Breithaupt von der Kriegsgräberfürsorge, „der Einzelne spielte in dem Chaos keine Rolle mehr“.

Sechs der gefundenen Toten erhalten Einzelgräber, da sie auch einzeln gefunden wurden. Sie werden die neunte Reihe komplettieren, auf deren Grabplatten Name, Dienstgrad, Geburts- und Todestag eingraviert sind. Diese Daten ermittelt die Berliner WASt, ein Kürzel, das einmal Wehrmachtsauskunftstelle bedeutete, bis Deutsche Dienststelle besser klang. Diese Deutsche Dienststelle (WASt) – so nun die korrekte Bezeichnung – wird nach Auskunft ihres Mitarbeiters Herbert Pieske noch Monate für die genaue Identifizierung der Wehrmachtstoten von der Pappelallee inklusive der Benachrichtung der etwaigen Angehörigen brauchen. Ist sie damit fertig, gibt die WASt die Daten an die Stadt Potsdam und diese die Grabsteine in Auftrag. Nur so viel kann Pieske jetzt schon sagen: „Einige wurden schon identifiziert.“

Joachim Kozlowski weiß noch mehr: „Es sind definitiv Leute dabei, die in Potsdam ihren gemeldeten Wohnsitz hatten.“ Der 41-Jährige von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ist Umbetter von Beruf, er ist der Mann, der jeden gefundenen Knochen aus der Erde birgt. Der diese Gebeine in Minisärge legt, in Pappkartons der Größe 35 mal 70 Zentimeter, in denen die Gebeine der zumeist im Militärlazarett der Adolf-Hitler-Kaserne verstorbenen Soldaten nun bestattet werden. Auch die Gebeine aus den an der Pappelallee gefundenen Kameradengräbern mit bis zu 35 Skeletten kommen in diese Kartons. Sie werden am Montag dicht an dicht in einem Gemeinschaftsgrab liegen, das ein Bagger des Grünflächenamtes am Freitag aushob.

Kozlowski, seine genaue Berufsbezeichnung lautet „Exhumator“, nimmt Maß an Reihe neun. Schließlich soll sie in gerader Linie verlängert werden. Den Anfang dieser Reihe macht Karl Weyer, Soldat, 24. 7. 1922 bis 1.5. 1945. Zweiter ist Gerhard Iwanowski, Soldat, 23. 4. 1928 bis 1.5. 1945. Dann kommt das Grab von Albert Zimmermann, Soldat, 25. 8. 1880 geboren, gestorben auch am 1. Mai 1945. Im Unterschied zu den anderen beiden, die jung fielen, war er bei seinem Tod fast 65 Jahre alt. Gerade diese Älteren sind es, die die Vermutung nahelegen, dass unter den Toten von der Pappelallee auch Potsdamer waren.

Denn gegen Kriegsende, als viele Wehrmachtstruppen schon aufgerieben waren, zog der NS-Staat Jugendliche, aber auch ältere Männer ein – in reguläre Armeeeinheiten, aber auch in den Volkssturm, das letzte Aufgebot des untergehenden Tausendjährigen Reiches, wie die Propaganda den NS-Staat bezeichnete. Dieser Volkssturm, erklärt der Chef der Brandenburger Kriegsgräberfürsorge, habe besonders hohe Verluste gehabt. „Sie waren den kampferprobten sowjetischen Soldaten total unterlegen“, sagt Breithaupt und ergänzt: „Die Volkssturm-Einheiten haben in Potsdam besonders stark gelitten.“ In Potsdam hätten diese Jungspunde- und Altherren-Verbände eine besonders große Rolle gespielt. Etwa für die Propaganda: Berlin war zerstört, nur in Potsdam gab es noch heile Häuserzüge, vor denen die Verbände in fröhlichem Siegesmarsch fotografiert werden konnten – zumindestens bis zum Bombenangriff auf Potsdam am 15. April 1945. In einer Ausgabe letzter Tage brachte es eine Einheit des Potsdamer Volkssturms sogar aufs Titelbild der „Neuen Berliner Illustrierte“.

Neben Ringen und einer silbernen Taschenuhr wurden 14 Erkennungsmarken bei den Toten an der Pappelallee gefunden, sieben davon komplett, sieben nur mit der oberen Hälfte. Komplette Marken bei toten Soldaten bedeuten, dass diese von unwissenden Zivilisten beerdigt wurden oder dass sie unter Bedingungen unter die Erde kamen, unter denen sich niemand mehr drum schert, ob Hinterbliebene informiert werden können. Eigentlich soll es so sein: Von der Erkennungsmarke bleibt der obere Teil beim Gefallenen, der untere Teil wird an die WASt geschickt, die die Angehörigen informiert. Auf beiden Teilen des Aluminiumblechs sind die jeweiligen Kenndaten des Soldaten eingraviert. Allerdings, erklärt Breithaupt, war auf keiner der 14 Marken ein „DV“ zu finden, das Erkennungskürzel des Volkssturms.

Doch deute das hohe Alter einiger Soldaten auf Mitglieder des letzten Aufgebots hin. Unklar ist, sagt Umbetter Kozlowski, ob nunmehr auch Hermann Wernecke gefunden wurde. Nach dem Potsdamer Volkssturm-Mann sucht die Kriegsgräberfürsorge im Auftrag der Familie schon lange. Bereits Anfang der 1990er-Jahre wurde nach ihm an der Pappelallee gegraben, doch vergebens. Wernecke hinterließ ein Kriegstagebuch. Demzufolge erlitt er am 27. April 1945 einen Steckschuss am Oberschenkel und wurde am 28. April ins Lazarett der Adolf-Hitler-Kaserne eingeliefert. Am dritten Mai vermerkt Wernecke eine „Vergiftung des Beckens“, am 4. Mai klagt er über verheerenden Wassermangel. Am 10. Mai 1945 verstarb Hermann Wernecke an einer Lungenembolie. Kozlowski, ausgebildeter Rettungsassistent und Pathologe, vermutet, dass die Kugel den Oberschenkelknochen beschädigte und Knochenmarkfett in die Blutbahn gelangte. Kozlowski weiß, dass der Mann auf dem Lazarettfriedhof begraben wurde. „Wir wissen bloß nicht genau wo.“

Wenn die 83 von der Pappelallee am Montag an der Golmer Chaussee ihre letzte Ruhe gefunden haben, ist die Arbeit von Kozlowski in Potsdam noch lange nicht getan. Im Gegenteil: Über 1000 konkrete Suchanfragen allein für das Potsdamer Stadtgebiet liegen dem freundlichen, besonnen wirkenden Totenausgräber vor. Von über eintausend Soldaten nicht nur aus der deutschen Wehrmacht wird vermutet, dass sie unerkannt in der Potsdamer Erde ruhen. Allein weitere 500 Tote vermutet Kozlowski noch im Umfeld der Pappelallee im Bornstedter Feld. Anträge auf weitere Grabungen sind bei der Stadt Potsdam bereits gestellt. Wesentlich bestimmt wird der Erfolg der Arbeit Kozlowskis vom Wohlwollen der Verwaltungen. An der Pappelallee hatte er Glück: Mit dem entsprechenden Formular für eine Exhumierungsgenehmigung betrat er das Hauptgebäude des Grundstückseigentümers, der städtischen Pro Potsdam GmbH, „und nach 30 Minuten war der Willi drauf“. Es gebe Fundstellen, da warte er seit drei Jahren auf die nötige Unterschrift. Und gut lief auch dies: Die an der Pappelallee tätige Baufirma hat ihre Arbeiten sofort eingestellt und den Fund der Skelette umgehend gemeldet, lobt Kozlowski – denn es laufe oft auch anders: „Es gibt Firmen, die baggern mitten durch den Brustkorb.“

Die Bestattung am Montag ab 13 Uhr wird in aller Würde geschehen, sagt Kozlowski. Einzeln werde er seinem Chef Oliver Breithaupt die kleinen Särge reichen, die dieser dann in die Erde senkt. Begraben werden „Menschen, die mit dem Wertvollsten bezahlt haben, das sie haben, ihrem Leben“. Viele seien „ideologisch völlig verstrahlt“ worden durch die NS-Propaganda oder hatten die Wahl, „ob sie von vorn erschossen werden oder von hinten“. Am Montagnachmittag, nachdem Kozlowski in Bornim alles getan hat, was er für die Toten tun kann, wird er im Potsdamer Norden nachsehen, ob er „Louis“ bergen kann. Für den französischen Soldaten liegt ihm eine Suchanfrage vor – und eine genaue Beschreibung, wo er ihn finden könnte.

Quelle: pnn.de Ausgabe 27.04.2013
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Einbettung
« Antwort #3 am: Mo, 29. April 2013, 16:36 »
Hier einige Bilder der Einbettung.
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83 Kriegstote nachträglich beigesetzt
« Antwort #4 am: Mo, 29. April 2013, 18:17 »
Nach Fund bei Bauarbeiten in Potsdam
83 Kriegstote nachträglich beigesetzt

Die Gebeine von 83 Kriegstoten wurden am Montagnachmittag in Potsdam beigesetzt. Bei Bauarbeiten im Spätsommer vergangenen Jahres waren die Skelette an der Pappelallee entdeckt worden.

Dort in der Nähe der heutigen Fachhochschule Potsdam am ehemaligen Standort der Adolf-Hitler-Kaserne waren auf zwei Grundstücken Erdarbeiten vorgenommen worden.

Bei den Gebeinen handelt es sich um Wehrmachtssoldaten, die nach Angaben der Stadtverwaltung vermutlich kurz vor Kriegsende in einem Lazarett starben. Anschließend wurden sie in dessen unmittelbarer Umgebung in mehreren Sammelgräbern bestattet.

Noch viele Kriegstote in Hauptstadtnähe verscharrt

Bei einer Andacht erinnerte Oberbürgermeister Jann Jakobs an das unermessliche Leid, das Kriege und Gewalt über viele Länder und Menschen gebracht hätten. Frieden sei keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse täglich, mühsam und ausdauernd erkämpft werden. "Wenn wir wirklich die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts annehmen wollen, dann müssen wir die Erinnerung an die Katastrophen des 20. Jahrhunderts bewahren."

Ihre letzte Ruhe fanden die Soldaten jetzt auf dem Neuen Friedhof im Potsdamer Stadtteil Bornim. An der Andacht nahmen auch Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge teil.

Noch immer birgt der Volksbund in Brandenburg jährlich rund 300 Kriegstote. Auf dem Gebiet rund um die frühere Reichshauptstadt Berlin tobten in den letzten Kriegsmonaten erbitterte Abwehrschlachten.

Quelle: rbb-online.de
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Neue Verdachtsstelle
« Antwort #5 am: Di, 30. April 2013, 19:11 »
Neue Verdachtsstelle Kriegstote von der Pappelallee in Bornim beigesetzt Neue Verdachtsstelle für Notgrab von 29 deutschen und einem französischen Soldaten.
von Guido Berg

Bornim - Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hat genaue Hinweise auf einen konkreten Ort, wo weitere 29 deutsche und ein französischer Soldat gegen Ende des Zweiten Weltkrieges notdürftig begraben wurden. Das erklärte Volksbund-Mitarbeiter Joachim Kozlowski am Montag am Rande einer Beisetzung von 83 sterblichen Überresten von Wehrmachtssoldaten auf dem Kriegsgräberfeld des Neuen Friedhofs in Bornim. Die Skelette der Soldaten waren im September 2012 bei Bauarbeiten an der Potsdamer Pappelallee auf Höhe des Voltaireweges gefunden worden.

Auch die weitere Verdachtsstelle befindet sich an der Pappelallee unweit des Rewe-Marktes. An der Pappelallee befand sich bis 1945 die Adolf-Hitler-Kaserne der deutschen Wehrmacht, in dessen Lazarett gegen Kriegsende Hunderte verletzte Soldaten starben und teils nur notdürftig begraben wurden. Insgesamt vermutet die Kriegsgräberfürsorge noch etwa 500 Kriegstote in der Erde des ehemaligen Kasernenareals. Kozlowski, der die Umbettung der sterblichen Überreste vornimmt, besah sich noch am Montag die neue Verdachtsstelle, an der „in einer Linie“ 29 deutsche und ein französischer Soldat begraben liegen sollen. Von dem Franzosen wird derzeit nur der Vorname kommuniziert: „Louis“. Kozlowski stellte fest: „Die Grablage liegt frei“, ist also noch nicht überbaut worden. Eine Bergung sei möglich. Kozlowski zufolge bedarf es dafür einer Genehmigung durch die Stadt Potsdam und des Grundstückseigentümers. Ein Vertreter der Stadtverwaltung signalisierte bereits ein Entgegenkommen: „Wir werden eine Lösung finden“, erklärte Gunther Butzmann, Bereichsleiter Friedhöfe, gegenüber den PNN.

Eine Beerdigung der Lazarett-Toten „in Linie“, wie Kozlowski sagte, geht auf den Umstand zurück, dass die Leichname notdürftig in Splittergräben begraben wurden. Diese waren 1,50 Meter tief und einen Meter breit – Platz für „immer drei Tote nebeneinander“, wie der heute 86-jährige Herbert Moldenhauer am Rande der Beisetzung der Kriegstoten berichtete. Moldenhauer wurde als 18-jähriger Soldat nach einem Lungenriss infolge der Explosion einer Luftmine in dem Lazarett an der Pappelallee behandelt. Der Zeitzeuge erzählte: „Jeden Morgen kamen wir in den Waschraum und da standen die Tragen, darauf die in der Nacht Verstorbenen.“ Es habe gegen Kriegsende kein Fahrzeug gegeben, um die Toten zu einem Friedhof zu bringen. Die nun vollzogene würdevolle Beisetzung der Soldaten verschaffe ihm Genugtuung.

Vier der 83 Wehrmachtssoldaten konnten bereits anhand von Erkennungsmarken identifiziert werden, erklärte Gabriele Zehms von der Deutschen Dienststelle, ehemals Wehrmachtsauskunftstelle (WASt), auf PNN-Anfrage. Überhaupt seien nur sechs der 14 gefundenen Erkennungsmarken der Soldaten nach weit mehr als 60 Jahren in der Erde noch lesbar. Keiner der vier nun namentlich bekannten Toten stamme aus Potsdam. „Sie sind weder in Potsdam geboren noch waren sie in Potsdam gemeldet“, sagte Gabriele Zehms.

„Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen.“ Mit diesem Platon-Zitat begann Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) seine Trauerrede für die 83 Toten von der Pappelallee. Kriege endeten nie wirklich, „nur die Toten finden ihren Frieden“. Jakobs brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Platonsche Realität – Frieden als nur die Zeit zwischen zwei Kriegen – einmal überwunden werden kann. Klar erklärte Jakobs, er handele sich bei den Toten „um Opfer des von Deutschland angezettelten Weltenbrandes“. Erinnert sei an alle, die im Zweiten Weltkrieg Opfer von Gewalt und Terror wurden. Gleichsam schlug Jakobs einen Bogen in die Gegenwart: In Syrien, Mali und Afghanistan hielten Krieg und Verfolgung noch an. Seit 1992 seien 101 Bundeswehrsoldaten bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommen, 53 davon allein Afghanistan, erinnerte Jakobs.

Mit einem Zitat des Arztes und Humanisten Albert Schweitzer eröffnete die Potsdamer Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Ute Bankwitz (Bürgerbündnis), ihre Rede: „Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens.“ Jeder Mensch habe ein Recht auf eine würdevolle Ruhestätte – „ganz besonders nach einem nicht würdevollen Tod“, sagte die Stadtverordnete.

Auf ein würdiges Grab für ihren Großvater hofft die Potsdamerin Silke Gopp indes noch immer. Hermann Wernecke – „Korvettenkapitän, eine Lichtgestalt in unserer Familie“ – war noch gegen Kriegsende zum Volkssturm eingezogen worden, dem letzten Aufgebot des nationalsozialistischen Regimes. In Drewitz erlitt ihr Großvater einen Oberschenkeldurchschuss, am 10. Mai 1945 starb er im Lazarett an der Pappelallee. Irgendwo dort liegt er bis heute, mehr verscharrt als begraben.

Quelle: pnn.de 30.04.2013
Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.
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In die DB eingetragen
« Antwort #6 am: Di, 30. April 2013, 19:30 »
Bis her habe ich die Zwei Toten aus dem Artikel vom 30.04.2013 übernommen.

id: 30743   
Nachname: keine Angabe 
Vorname: Louis
Todesort: im Reservelaz. 101 Potsdam
mögliches Todesdatum: 04/05.1945
Todesursache: möglicherweise an seinen Wunden erlegen
Nationalität: Frankreich     
ursprüngliche Grablage: Pappelallee, Notgrab am Lazarett
gesichertes Grab: Deutschland   Potsdam - Bornim KGST
zusätzliche Informationen:Wird nach der Bergung auf die KGST Potsdam-Bornim Umgebettet.

id: 30744   
Nachname: Wernecke 
Vorname: Hermann
Geburtsort: Klein Lübars     
Geburtsdatum: 01.05.1889   
Todesdatum: 10.05.1945   
Todesort: im Reservelaz. 101 Potsdam
Todesursache: an den folgen eines Oberschenkeldurchschuss in Potsdam-Drewitz erlegen
Nationalität: Deutschland     
ursprüngliche Grablage: Pappelallee, Notgrab am Lazarett     
gesichertes Grab: Deutschland   Potsdam - Bornim KGST
letzter bekannter Dienstgrad: Korvettenkapitän
militärischer Werdegang: Kriegsende zum Volkssturm eingezogen     
zusätzliche Informationen: Wird nach der Bergung auf die KGST Potsdam-Bornim Umgebettet.





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