Autor Thema: Manfred von Richthofen (Der Rote Baron)  (Gelesen 2127 mal)

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Offline BlackWolf

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Manfred von Richthofen (Der Rote Baron)
« am: Fr, 01. Dezember 2006, 18:56 »
Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen (* 2. Mai 1892 in Breslau; † 21. April 1918 bei Vaux-sur-Somme) war ein deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Er erzielte die höchste Zahl von Luftsiegen, die im Ersten Weltkrieg von einem einzelnen Piloten erreicht wurde. Den berühmten Beinamen Der Rote Baron erhielt von Richthofen, der einen Großteil seiner Einsätze in mehr oder weniger rot gestrichenen Flugzeugen flog, erst nach dem Krieg. Er geht auf ein englisches Nachkriegsbuch zurück, das seinen Titel „Freiherr“, den es im Englischen nicht gibt, mit „Baron“ übersetzte. Im Ersten Weltkrieg wurde Richthofen auf französischer Seite „Le Diable Rouge“ (Der rote Teufel) genannt, seine Autobiographie trägt den Titel „Der rote Kampfflieger“.

Leben

Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen wurde am 2. Mai 1892 in Breslau als zweites von vier Kindern des Kavallerieoffiziers Albrecht Freiherr von Richthofen und seiner Frau Kunigunde, geb. von Schickfus und Neudorff, in die Familie derer von Richthofen, geboren. Er war ein Nachfahre des berühmten preußischen Feldmarschalls Leopold von Anhalt-Dessau, der - zur Unterscheidung von seinen Söhnen - „der alte Dessauer“ genannt wurde. Manfreds Geschwister waren die Brüder Lothar (1894-1922), ebenfalls ein Fliegerass, und Karl-Bolko (1903-1971) sowie seine Schwester Ilse (1890-??).

Im Alter von 9 Jahren zog er mit seiner Familie nach Schweidnitz. Der Junge interessierte sich sehr für die Jagd und das Reiten. Nach dem Besuch der Kadettenanstalt Wahlstatt trat er 1911 ins preussische Ulanen-Regiment Kaiser Alexander III. von Russland (1. westpreußisches) ein.

Kriegseinsatz

Zum Beginn des Krieges war von Richthofen als Patrouillenführer an der Ost- und Westfront eingesetzt. Um dem nach dem Erstarren der Fronten einsetzenden Grabenkrieg zu entkommen, ersuchte er 1915 um Versetzung zur Fliegertruppe. „Ich bin doch nicht in den Krieg gezogen um Käse und Eier zu sammeln“, soll er dabei gesagt haben. Anfangs diente er als Beobachter in der Brieftauben-Abteilung-Ostende, der ersten deutschen Bomberformation. Später ließ er sich zum Flugzeugführer ausbilden. Im September 1916 kam er schließlich zur Jagdstaffel 2 (Jasta 2), die unter dem Kommando von Oswald Boelcke stand. Seinen ersten Abschuss erzielte er am 17. September 1916 über Cambrai.


Von Richthofen war ein kluger Taktiker, der die von seinem Lehrer Boelcke aufgestellten taktischen Grundsätze genau beachtete und vor einem Kampf meist alle Vorteile auf seine Seite brachte. Am 23. November 1916 traf die Jasta 2 über Le Sars auf die Staffel des bekannten britischen Fliegers Lanoe Hawker. Im Verlauf des Kampfes entwickelte sich ein Kurvenkampf zwischen Richthofen, der einen Albatros D.II-Doppeldecker flog, und Hawker in seinem Airco D.H.2. Der Westwind trieb die Gegner über deutsches Gebiet, weshalb Hawker schließlich den Kampf abzubrechen und auf alliiertes Gebiet zurückzukehren versuchte. Von Richthofens Albatros war das schnellere Flugzeug, und er schoss den im Zickzack fliehenden Gegner ab, wobei Hawker ums Leben kam.

Nach seinem 18. Luftsieg erhielt von Richthofen den Orden Pour le Mérite, die damals höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung.

Im Januar 1917 wurde von Richthofen die Führung der Jagdstaffel 11 (Jasta 11) übertragen. Diese Staffel wurde bald als „Fliegender Zirkus“ bekannt, da die Männer ihre Flugzeuge in allen möglichen Farben anstrichen, wobei Richthofen die Farbe Rot bevorzugte.

Nach dem Tode von Max Immelmann und Oswald Boelcke galt Manfred von Richthofen als der größte deutsche Jagdflieger. Bei den Briten war er inzwischen derart gefürchtet, dass den eigenen Piloten für Richthofens Abschuss das Viktoria-Kreuz, ein eigenes Flugzeug und eine Geldprämie von 5.000 Pfund Sterling versprochen wurden. Ein „Anti-Richthofen-Geschwader“ existierte aber nur als Gerücht.

In den Monaten, als Richthofen die Jasta 11 anführte, entwickelte sich die Einheit zur Elite am Himmel. Er selbst schoss über 20 britische Flugzeuge ab, und auch seine Männer erzielten sehr hohe Abschusszahlen. Diese Staffel hatte großen Anteil daran, dass die Briten den April 1917 als „Blutigen April“ (bloody April) bezeichnen. Dass damit die durchschnittliche Lebenserwartung eines Piloten des Royal Flying Corps (zusammen mit dem Royal Naval Air Service der Vorläufer der Royal Air Force) von 295 Stunden auf 92 Stunden gefallen war, schockierte die Alliierten.

Im Juni 1917 wurde das Jagdgeschwader 1 aus den Jagdstaffeln 4, 6, 10 und 11 aufgestellt. Alle vier Staffeln operierten unter dem zentralen Kommando Manfred von Richthofens. Im Juli 1917 wurde er während eines Luftkampfes schwer am Kopf verwundet und musste, kurzzeitig erblindet, notlanden. Von dieser Verwundung sollte er sich nicht mehr erholen.

Tod im Luftkampf

Am 21. April 1918 hob der Rote Baron mit einem Fokker Dr.I-Dreidecker und 9 anderen Fliegern vom Flugplatz Cappy ab. An diesem Tag verwickelte sich die Gruppe in einen Luftkampf mit den Sopwith Camels der No. 209 Squadron RAF, angeführt von dem Kanadier Arthur Roy Brown. Als sich der junge Leutnant Wilfrid May vom Kampfgeschehen entfernte, wurde er von Richthofen verfolgt. Brown sah, dass May in Schwierigkeiten war, setzte sich hinter den roten Dreidecker und schoss aus großer Entfernung einige Feuerstöße, die wahrscheinlich fehl gingen. Während von Richthofen May über die englischen Linien verfolgte, wurde er von drei australischen MG-Schützen beschossen. Von einer Kugel tödlich verwundet, landete von Richthofen nahe der australischen Stellung und verstarb.

Die tödliche Kugel war von rechts in den Oberkörper eingedrungen und hatte Lunge, Leber und Herz verletzt, bis sie schließlich verdreht auf der linken Seite ausgetreten war, wo sie in von Richthofens Fliegerweste stecken blieb. Obwohl lange Zeit Brown als Sieger über Richthofen galt, ist es aufgrund der Ballistik wahrscheinlich, dass die Kugel von einem der MG-Schützen abgefeuert wurde. Zwei Software-Entwickler für Flugsimulatoren, ein Ballistik-Fachmann, ein Gerichtsmediziner, ein Laser-Experte, ein Scharfschütze und ein Historiker konnten nach vielfachen Untersuchungen und Nachinszenierungen darlegen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit der australische MG-Schütze Cedric Popkin war, der Manfred von Richthofen zu Boden holte.

Neuere Forschungen von amerikanischen Neuropsychologen lassen vermuten, dass Richthofen aufgrund der am 6. Juli 1917 erlittenen Kopfverletzung ein posttraumatisches Syndrom erlitten hat. Gegen ärztlichen Rat war er schon nach 40 Krankheitstagen wieder in der Luft. Die Schädigung des vorderen Hirnlappens bewirkte ein "fixierendes Verhalten", welches dazu geführt haben könnte, dass der „Jäger“ nicht von seiner „Beute“ lassen konnte, obwohl diese schon tief hinter die eigene Front geflohen war.

Manfred von Richthofen hatte in seiner Karriere bei der Fliegertruppe 80 bestätigte Abschüsse erzielt. Der Respekt beim Gegner war so groß, dass er am 22. April von den Briten und Australiern mit vollen militärischen Ehren in Bertangles bei Amiens beerdigt wurde. Wie zu dieser Zeit üblich, sandten die britischen Truppen ein Foto des Grabes an ihre deutschen Gegner.

Sein Geschwader erfuhr vom Tod durch die Briten. Ein Jagdflugzeug überflog die Basis und warf folgende Botschaft ab: „An das deutsche Fliegerkorps. Rittmeister Baron Manfred von Richthofen wurde am 21. April 1918 in einem Luftkampf getötet. Er wurde mit allen militärischen Ehren begraben.“ (Original: "To the German Flying Corps. Rittmeister Baron Manfred von Richthofen was killed in aerial combat on April 21st 1918. He was buried with full military honours.")

Nachfolge

Nach Richthofens Tod führte Wilhelm Reinhard das Geschwader bis zum Juli. Nachdem er bei einem Absturz ums Leben kam, wurde auf Befehl des kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte (Befehl Nr. 178654) Hermann Göring mit der Führung des Geschwaders betraut.

Ruhestätte

Richthofen wurde am 22. April 1918 in Bertangles mit allen militärischen Ehren von australischen Soldaten zu Grabe getragen. Drei Jahre später wurde er vom französischen Gräberdienst auf den deutschen Soldatenfriedhof Fricourt umgebettet. Am 20. November 1925 wurde der von seinem Bruder Karl-Bolko aus Frankreich überführte Leichnam nach einem Staatsakt in Anwesenheit tausender Berliner, hunderter Soldaten und Offiziere sowie von Reichspräsident Paul von Hindenburg und zahlreichen Regierungsmitglieder auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt. 1975 wurde er erneut umgebettet und ruht nun neben seinem Bruder Karl-Bolko und seiner Schwester Ilse im Familiengrab auf dem Südfriedhof in Wiesbaden.

Ehrungen

Der Rote Baron erhielt in seiner Laufzeit zahlreiche Auszeichnungen und Orden, der angesehenste darunter war der Pour le Mérite. Die gesonderte höhere Auszeichnung Pour le Mérite mit Eichenlaub bekam er jedoch nicht. Eine alte Regel sah vor, dass der Träger dieses Ordens den Feind zum Rückzug vom Schlachtfeld gezwungen haben musste. Als Ausgleich bekam er den Roter-Adler-Orden mit Schwertern. Diese einzigartige Auszeichnung wurde eigentlich im Ersten Weltkrieg nicht mehr vergeben, aber Richthofen erhielt sie wegen seiner einmaligen Verdienste.

Im Dritten Reich trug das Jagdgeschwader 2 ihm zu Ehren den Beinamen Richthofen.

Eines der Traditionsgeschwader der bundesdeutschen Luftwaffe ist nach Manfred von Richthofen benannt: das Jagdgeschwader 71 im ostfriesischen Wittmund.
« Letzte Änderung: Mo, 21. Juni 2010, 14:59 von Adjutant »

Offline kka67

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Re: Manfred von Richthofen (Der Rote Baron)
« Antwort #1 am: Do, 07. Juli 2016, 22:43 »
hier einmal ein Modell vom Kampfflugzeug Richthofens

Offline herold

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Re: Manfred von Richthofen (Der Rote Baron)
« Antwort #2 am: Di, 12. Juli 2016, 16:37 »

Mittlerweile ist der Eintrag - zumal er als Basis - den Wikipedia-Eintrag
widerspiegelt etwas in die Jahre gekommen. Natürlich schreitet auch
die Forschung - gerade zu Manfred von Richthofen fort!
Wer bei dieser bedeutenden Persönlichkeit über den Rand von Wikipedia
schauen möchte, dem kann folgende Literatur ans Herz gelegt werden, die,
wenngleich das Buch ebenfalls schon aus 2007 stammt, kaum bis gar nicht
im Artikel von Wikipedia berücksichtigt wurde.

Joachim Castan, Der rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen.
Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2007.
Gebunden, 360 Seiten.

Wenngleich das Buch in Historikerfachkreisen durchaus zwiespältig aufgenommen wurde,
hat es der Autor geschafft, neue Erkenntnisse aus dem Familienarchiv in seine
Darstellung einzuarbeiten und bietet sogar noch bis dahin unveröffentlichtes
Fotomaterial. Seine Ausflüge in die Psychoanalyse bei der Charakterisierung
der Persönlichkeit Richthofens dürfen hingegen als weniger geglückt angesehen werden.
Alles in allem jedoch ein wirklich sehr wichtiges Buch zu diesem Thema!

 


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