Autor Thema: Das IKRK  (Gelesen 2715 mal)

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Das IKRK
« am: Fr, 10. November 2006, 21:54 »
Der Erste Weltkrieg stellte das IKRK vor große Herausforderungen,die es nur in Zusammenarbeit mit den nationalen Rotkreuz-Gesellschaften bewältigen konnte.Selbst aus den USA und Japan waren Rotkreuzschwestern zur Unterstützung der Sanitätsdienste der betroffenen europäischen Länder im Einsatz.
Am 15.Oktober 1914,unmittelbar nach Kriegsbeginn,richtete das IKRK seine Internationale Zentralstelle für Kriegsgefangene ein,welche Ende 1914 bereits 1.200 vorwiegend freiwillige Mitarbeiter beschäftigte.Im Verlauf des gesamten Krieges übermittelte die Zentralstelle ca.20 Millionen Briefe und Mitteilungen,fast 1,9 Millionen Pakete und Geldspenden in Höhe von ca.18 Millionen Schweizer Franken an Kriegsgefangene aller beteiligten Staaten.Ferner kam es durch vermittlung der Zentralstelle zum Austausch von ca.200.000 Gefangenen.Die Kartei der Zentralstelle,die in den Jahren von 1914 bis 1923 enstand,enthält rund sieben Millionen Karteikarten.Sie führte in ca.zwei Millionen Fällen zur Identifizierung von Gefangenen und damit zu einem Kontakt zwischen den Gefangenen und ihren Angehörigen.Die gesamte Kartei kann heutzutage als Leihgabe des IKRK im Internationalen Rotkreuz - und Rothalbmondmuseum in Genf besichtigt werden,wobei eine Einsichtnahme weiterhin dem IKRK vorbehalten bleibt.
Das IKRK überwachte während des gesamten Krieges die Einhaltung der Genfer Konvention in der Fassung von 1906 und leitete Beschwerden über Verstöße an die beteiligten Staaten weiter.Des Weiteren protestierte das IKRK gegen die Verwendung von chemischen Kampfstoffen,welche im Ersten Weltkrieg erstmalig zum Einsatz kamen.Ohne Mandant durch die Genfer Konvention setzte sich das IKRK auch für die vom Krieg betroffene Zivilbevölkerung ein,insbesondere in besetzten Territorien,wo das IKRK auf die Haager Landkriegsordnung als rechtverbindliche Vereinbarung zurückgreifen konnte.Ebenfalls basierend auf der Haager Landkriegsordnung waren die Aktivitäten des IKRK im Bezug auf Kriegsgefangene,wozu neben dem Kriegsgefangenenlagern gehörte.Insgesamt wurden im Kriegsverlauf 524 Lager in ganz Europa durch 41 Delegierte des IKRK besichtigt.
Zwischen 1916 und 1918 veröffentlichte das IKRK mehrere Ansichtskarten mit Motiven der von seinen Delegierten besuchten Lager.Dafür wurden Bilder ausgewählt,welche die Gefangene bei alltäglichen Tätigkeiten wie zum Beispiel der Postverteilung zeigten.Ziel der Veröffentlichung dieser Karten war es,den Angehörigen der Gefangenen Hoffnung zu vermitteln und sie zu beruhigen.Nach Kriegsende organisierte das IKRK die Rückführung von ca.420.000 Kriegsgefangenen in ihre Heimatländer.Für seine Aktivitäten während des Ersten Weltkriegs erhielt das IKRK 1917 den Friedensnobelpreis,den einzigen,den in den Kriegsjahren von 1914-1918 vergeben wurde.

Die weitere Repatriierung der Gefangenen wurde ab 1920 von neu gegründeten Völkerbund unter der Verantwortung seines Hochkommissars für die Heimschaffung der Kriegsgefangenen Fridtjof Nansen übernommen.Sein Mandant wurde später ausgeweitet auf die Unterstützung und Versorgung von Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen.Zu seiner Unterstützung für diese Tätigkeiten wählte er zwei Delegierte des IKRK als seine Stellvertreter.
1923 entschied sich das Komitee,das seit der Gründung nur Genfer Bürgern die Mitgliedschaft gestattete,diese Festlegung zugunsten einer Einschränkung auf Schweizer Staatsangehörige aufzuheben.

Als direkte Folge des Ersten Weltkrieges im Hinblick auf das Humanitäre Völkerrecht kam es 1925 durch ein zusätzliches Protokoll zur Genfer Konvention zum Verbot des Einsatzes von erstickenden und giftigen Gasen sowie bakteriellen Kampfstoffe zur Kriegsführung.Des Weiteren wurde 1929 die Erste genfer Konvention erneut überarbeitet und eine neue Konventon über die Behandlung von Kriegsgefangenen angenommen.Die Ereignisse des Ersten Weltkrieges und die entsprechenden Aktivitäten des IKRK hatten für das Komitee eine deutliche Aufwertung seines Ansehens und seiner Autorität gegenüber der Staatengemeinschaft und eine Ausweitung seiner Kompetenzen zur Folge.

Gruß
Josef

EDIT: IKRK= Internationales Kommitee vom Roten Kreuz
« Letzte Änderung: Mo, 12. März 2012, 21:40 von Ulla »

 


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